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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1934-08-01 · 12 (8.1934) · p. Seite 468

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
12 (1933-1934)
Issue
12 (8.1934)
Date
1934-08-01
Page
Seite 468 (sequence 10)
Language
German
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Seite 468 Einen weiteren Bestandteil der Gemeindebibliothek bildet die, an wertvollen Schätzen reiche Bückersamnüung des im Jahre 1918 verstorbenen berühmten Philosophen Hermann Cohen. Sie enthält vorzugsweise philosophische Werke aus älterer und neuerer £sit: besonders reichhaltig ist hier Kant vertreten, dessen Schriften sich in den verschiedensten" Ausgaben vorfinden. Auch Werke aus anderen Wissenschaften, vor allem solche, die sich mit Fragen der höheren Mathematik beschäftigen, hat Hermann Cohen seiner Bibliothek einverleibt. Ebenso sind Werke über bildende K u n s t in reichlicher Anzahl vorhanden — hier sei besonders eine der besten Kunstzeitschriften „Kunst und Künstler" erwähnt, die der Philosoph von dem Beginn ihres Erscheinens an bis zu sefnem Tode gesammelt hat. — Daß Hermann Cohen auch in der Musik gut beschlagen war und theoretisch und praktisch diese Kunstgattung beherrschte — seine Arbeit über „Die dramatische Idee in Mozarts Operntexten" legt hiervon beredtes Zeugnis ab — beweist die stattliche Anzahl seiner Werke auf diesem Gebiet, die seine Büchersammlung zieren. Sein Interesse für Musik war wohl durch die Tatsache bedingt, daß er mit der Pianistin Martha Lewandowski. einer Tochter des bekannten Komponisten Louis Lewandowski, verheiratet war. Auch Cohens Wirken als Jude wird uns offenbar, wenn wir uns seine Bibliothek näher ansehen. Hebräische Werke sind teils im Original, teils in guten Uebersetzungen in großer Anzahl vorhanden- Erwähnt sei die Uebertragung des babylonischen Talmuds von Lazarus Goldschmidt, die von unschätzbarem Wert für den Forseher ist: von dieser Uebersetzung ist eine Neuausgabe im Erscheinen begriffen, die jedoch nur den deutschen Text bringt: auch diese ist in unserer Bibliothek anzutreffen. Unter den jüdischen Zeitungen, die sich in der Cohen - sehen Sammlung finden, ist vor allem die „Allgemeine Zeitung des Judentums" zu nennen, die in ihren älteren Jahrgängen eine Fülle interessanten Materials zur Erforschung unserer Religion bietet. Einen weiteren Bestandteil der Gemeindebibliothek bilden die Büehersammlungen einiger früherer Vereine; sie enthalten vorzugsweise Werke, die sich auf das Leben der Juden in Vergangenheit und Gegenwart beziehen. Als Leihgaben enthält die Gemeindebibliothek vor allem die Büchersammlung des bedeutenden Orientalisten Raphael K i r c h h e i m, der um die Mitte des vorigen Jahrhunderts in unserer Vaterstadt wirkte und. sich als Verfasser zahlreicher Schriften über das Judentum und als Herausgeber des „Schern hagedolim", dieses wertvollen literarhistorischen Lexikons des berühmten Kabbalisten und Bibliographen Chaim Joseph David Asulai, einen großen Namen in der Gelehrtenwelt verschaffte. In dieser Bibliothek finden sich vorzugsweise hebräische Werke, unter denen namentlich Kommentare zu Bibel und Talmud besonders reichhaltig vertreten sind. Für diejenigen, die sich mit der Pädagogik und Methodik des Religionsunterrichts befassen, dürfte die Bibliothek der „Vereinigung israelitischer Lehrer und Lehrerinnen" — ebenfalls eine Leihgabe unserer Gemeindebibliothek — von nicht zu unterschätzender Bedeutung sein. Sie enthält in erster Linie Werke über biblische Geschichte, z. T. solche, die heute noch im Religionsunterricht gebraucht werden1. Von wichtigen Encyklopädien dieser Sammlung sei die englische „Jewish encyclopedia" genannt, die eine wahre Fundgrube für alle jüdische Wissenszweige darstellt. Auch die anderen großen Sammelwerke, so die im Eschkol-Verlag in Berlin erscheinende „Encyclopaedia judaica", von der bisher 9 Bände veröffentlicht sind, und das hebräische „Ozar Israel" finden sich in der Gemeindebibliothek. Die Bestände wurden — mit Ausnahme der in den Leihgaben enthaltenen Werke, über die z. T. schon früher Kataloge vorhanden waren — in einem Katalog veröffentlicht, der vor ungefähr zwei Jahren erschienen ist, der aber lediglich die Hebraica und Judaica, jedoch nicht die allgemeinen Werke umfaßt. Als Ergänzung zu dem Bücherkatalog ist eine Bibliographie der jüdischen Zeit Schriftenliteratur im Entstehen begriffen, die vor einigen Jahren begonnen wurde. Analog der in einem Leipziger Verlag seit i896 erscheinenden „Internationalen Bibliographie der Zeitschriftenliteratur" verzeichnet sie sämtliche, in jüdischen Zeitschriften und Zeitungen seit dem Jahre 1900 erschienenen Aufsätze. Lediglich die in der Gemeindebibliothek vorhandenen Zeitungen können bei dieser Arbeit berücksichtigt werden, und nur solche Aufsätze werden aufgenommen, die von bleibendem Wert sind. Die Aufsätze werden unter einem bestimmten Stichwort gesammelt, wobei der Katalog der Gemeindebibliothek als Vorbild diente, sodaß sich — um ein Beispiel zu geben — ein Aufsatz über das Purimfest unter dem Stichwort „Feste" in der Unterabteilung „Purim" findet. Es versteht sich von selbst, daß bis zur Fertigstellung dieser Bibliographie noch Jahre verstreichen werden, umsomehr, wenn man in Betracht zieht, daß von jeder der etwa 70 in der Gemeindebibliothek vorhandenen Zeitungen ungefähr 30 Jahrgänge zu bearbeiten sind. Aber schon jetzt zeigt sich der Wert einer solchen Bibliographie für die jüdische Wissenschaft; in zahlreichen Fällen konnte dieselbe mit Erfolg beansprucht werden. Es darf wohl hier der Hoffnung Ausdruck verliehen werden, daß nach Fertigstellung der Bibliographie deren Verbreitung durch den Druck möglich sein wird, damit jeder jüdische Gelehrte sie bei seiner Forschungsarbeit benutzen kann. So darf die Frankfurter jüdische Gemeindebibliothek durch die Fülle und Reichhaltigkeit ihrer Bestände auf allen Gebieten jüdischen Wissens mit Recht den Anspruch erheben, als würdiges Glied in der Reihe der jüdischen Bibliotheken unseres Vaterlandes genannt zu werden, und die Gemeinde der Mutterstadt in' Israel darf mit Stolz auf ihre Bücherei, die — namentlich in heutiger Zeit — vielen Gemeindemitgliedern eine Ouelle der Erbauung und Belehrung bietet, erblicken. DEUTSCHE EFFECTEN» UND WECHSEUBANK Konstabier Wache Allerheiligensfrasse 89 Osihafen Hanauerlandsirasse 125 Bockenheim Leipzigersirasse SO vormals L. A. Hahn — gegründet 1821 — Akt.-Ges. seit 1872 FRANKFURT AM MAIN Kaiserstrasse 30 Individuelle Beratung Auch in den.Städten: Höchst a. M. Dalbergstrasse 3 Offenbach a. M. Frankfurtersfrasse 54

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