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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1934-08-01 · 12 (8.1934) · p. Seite 463

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
12 (1933-1934)
Issue
12 (8.1934)
Date
1934-08-01
Page
Seite 463 (sequence 5)
Language
German
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Seite 463 Und dieser Mann, mit diesem Wollen und Können, mit diesen hervorragenden Eigenschaften des Geistes, Herzens und Gemüts ist nun vorzeitig durch tückische Krankheit seinem Wirkungskreise genommen. Bedarf es einer Darlegung oder Begründung, daß hier eine Lücke in die jüdische Gemeinschaft, und speziell in die Führung der Frankfurter Israelitischen Gemeinde gerissen ist, die auszufüllen einstweilen unvorstellbar bleibt?! Sein Leben und sein Wirken, sein überzeugungstreues Arbeiten, verbunden mit dem feinen Verständnis für Andersdenkende sollen uns ein Vorbild sein und bleiben. Sie sollen das gegenwärtige und das kommende Geschlecht anspornen, sich, wie Eduard Baerwald, in den Dienst der jüdischen Gemeinschaft und speziell der Frankfurter Israelitischen Gemeinde zu stellen und in diesem aufopferungsvollen Dienst am ,jGanzen" ebenso ihr Bestes zu geben, wie er. Um dies zu können, muß man, wie Eduard Baerwald, der Ueberzeugung leben, daß man einem Ideal diene, daß man unter Hintansetzung persönlichen Rücksichten und unter Einsetzung seiner ganzen Persönlichkeit an diesem Ideal des Aufbaues und Ausbaues des Judentums und der Förderung seiner Einrichtungen wie an einem Tempelbau arbeite. So hat Eduard Baerwald seine Aufgaben gesehen, so hat er seinem Werke gelebt. Für ihn und sein Wirken, das dem Ideal dieses Tempelbaus diente und das, von Liebe und Hilfsbereitschaft getragen, Freude, Glück und Frieden für seine Mitmenschen erstrebte, dessen Vollendung er aber ebensowenig wie andere Sterbliche erleben durfte, gilt daher das Wort, das, wenn auch in ganz anderem Zusammenhang gesprochen, von einem Manne, der dem Vater unseres heimgegangenen Freundes nahe stand, geprägt wurde: Hoch und hehr soll sich dieser Bau erheben, über alle beengenden Schranken hinweg, frei wie der Himmel über uns. Ein Werk der Schönheit, ein Tempel des Lichts und der Liebe soll er sein; Freude und Glück sollen in ihm walten und wenn es Nacht wird um eine Menschenseele, sollen ihr die ewigen Sterne leuchten. Dr. R. G. Am Sonntag, den 22. Juli, hat mit seiner Familie eine große Schar von trauernden Freunden und Mitarbeitern Eduard Baerwald auf dem Friedhof Rat-Beil-Straße zu Grabe getragen. Rabbiner Dr. Seligmann ging in seiner Trauerrede von dem Wahlspruch des Verstorbenen aus: „Den Weg von Treu und Glauben habe ich mir gewählt". Die Ansprachen von Justizrat Dr. Blau, namens der Israelitischen Gemeinde Frankfurt a. M., und von Rechtsanwalt Dr. Klee, namens der Berliner Jüdischen Gemeinde und des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden, geben wir im Wortlaut wieder. Emil Carl Oppenheimer sprach für den Freisinnigen Verein für jüdisches Gemeindeleben, Sanitätsrat Dr, M e h 1 e r für den Moritz- und Johanna-Oppenheimerschen-Kindergarten, Bürodirektor Meyer für die Beamten und Angestellten der Hauptverwaltung der Gemeinde, sowie für die Beamten, Angestellten und Arbeiter des Bestattungswesens, Hans Latscha für den Rotary-Klub. Ansprache von Justizrat Dr. Blau Vorsitzender des Vorstandes der Frankfurter Israelitischen Gemeinde Als Dolmetsch der Gefühle und Empfindungen der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt a. M. trete ich an die Bahre eines der Besten ihrer Söhne, um der Trauer und dem Danke der altehrwürdigen Muttergemeinde in Israel Ausdruck zu geben. Vor mein geistiges Auge — und sicher auch vor das vieler noch von Ihnen — tritt in diesem Augenblick die ehrfurchtheisohende Gestalt des Vaters, Hermann Baerwald, dessen gesegnetes Andenken in unserer Mitte noch heute lebendig ist und immer lebendig bleiben wird — dieser Vater ein zur Nacheiferung geradezu herausforderndes Vorbild edelster Humanität, reinsten Patriotismus, wahrhaft frommen Judentums freien Gepräges und höchster Würde. Mit diesem Vorbild vor Augen hat der Sohn seine Laufbahn angetreten und gewirkt in den weiten Kreisen, in denen er zu wirken berufen war, insonderheit in unserer Gemeinde, in deren Vorstand er im Jahre 1916 berufen wurde, den er verlassen mußte, um in den Krieg zu ziehen, und dem er wieder von 1920 ab, lange Jahre als stellvertretender Vorsitzender, bis zum letzten Atemzuge angehört. Was Eduard Baerwald in seiner vielfältigen Tätigkeit so besonders auszeichnete und ihm die Verehrung, ja die Liebe aller erwarb, war neben der Achtung vor so viel Wissen und Können die absolute Objektivität, mit der er seine Entscheidungen traf und die dennoch niemals jener Wärme entbehrte, die seiner wahren Menschlichkeit, seinem jüdischen Herzen entströmte. Wir, seine Kollegen vom Vorstand, tragen, schwer getroffen, Hoffnungen zu Grabe, die wir an seine adlige Persönlichkeit und an sein überragendes Können knüpfen zu dürfen das Recht hatten. Eduard Baerwalds Andenken wird in unserer Mitte, in dieser Gemeinde, ja in der ganzen Judenheit nie verlöschen. Der Wille unseres teueren Entschlafenen gebietet Kürze. Daher nur noch ein Wort im Namen der von Baron Hirsch s. A. gegründeten und ausgestatteten Jüdischen Kolonisations-Gesellschaft, die gleichfalls zu den durch das Hinscheiden Eduard Baerwalds schwer Betroffenen und um ihn Trauernden gehört. Eine Reihe von Jahren hat Eduard Baerwald als von der Frankfurter Gemeinde entsandtes Verwaltungsratsmitglied seine überaus großen juristischen und praktischen Kenntnisse und seine Erfahrung auf dem Gebiete praktischen Judentums, gepaart mit einer souveränen Beherrschung moderner Verkehrssprachen, in ihren Dienst gestellt und damit die Bewunderung und Verehrung seiner Kollegen hervorgerufen. Sie danken ihm durch meinen Mund und werden sein Andenken immer in hohen Ehren halten.

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