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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1934-07-01 · 11 (7.1934) · p. Seite 432

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
12 (1933-1934)
Issue
11 (7.1934)
Date
1934-07-01
Page
Seite 432 (sequence 10)
Language
German
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Seite 432 warterstraße entstanden. Es waren fünf Schwestern ausgebildet, als im Jahr 1893 der „Verein für jüdische Krankenpflegerinnen" gegründet wurde. Aus den damals festgelegten und heute noch geltenden Grundsätzen seien drei hervorgehoben: die Armenkrankenpflege, die Pflege ohne Unterschied der Konfession der Kranken und der Grundsatz, daß die Schwester Geschenke nie für ihre eigene Person, sondern nur für die Allgemeinheit annehmen darf. Unter der liebevollen Führung des damaligen leitenden Arztes Dr. Kirchheim entwickelte sich der Verein rasch zu bedeutender Höhe; die Zahl der Schwestern wurde bald so groß, daß sie dm Krankenhause völlig und auch in anderen Stationen die Pflege übernehmen konnten, daß ausreichend Pflegerinnen für die Kranken in der Stadt zur Verfügung standen und daß, unsern Satzungen entsprechend, eine Schwester sich der Armenpflege widmete. Der Gedanke wurde zunächst in Berlin, dann in anderen Städten wie Köln, Hamburg, München, Straßburg aufgenommen, es bildeten sich in diesen und anderen Städten Schulen; wir hatten die Freude, einigen dieser Pflegestätten unsere Schwestern als Oberinnen oder diensttuende Schwestern überlassen zu können. Die deutschen Krankenpflegerinnenvereine jüdischen Glaubens wurden im Jahre 1904 in einen Verband zusammengefaßt, dessen Aufgabe noch heute ist: allgemeingültige Bestimmungen festzusetzen und den Verkehr mit den Behörden zu vermitteln. Das Schicksal des deutschen Vaterlandes war auch das Schicksal des Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen. In jenen Zeiten günstiger Wirtschaftslage war es dank dem Gemeinschaftssinn von Gemeindemitgliedern möglich, einen Pensionsfond von erheblicher Höhe anzusammeln. Dieser Fond sicherte die Schwestern in ihrem Alter vor jeder Not. Außerdem zählte der Verein viele Mitglieder, welche durch einen Jahresbeitrag die Existenz erleichterten. Im Jahre 1902 wurde den Schwestern ein einfaches aber bequemes Wohnhaus neben dem alten Krankenhaus eröffnet. Damals hatte der Verein 24 Schwestern und vier Lehrschwestern. Diese Zahl ist dauernd gestiegen, denn im Jahre 1914 zählte der Verein (mit den von ihm versorgten Außenstationen) 9 Oberinnen, 31 Schwestern und 15 Lehrschwestern. Aus mancherlei Gründen, zum Teil auch durch die Mitwirkung unserer Schwesternschaft unter der Führung der vortrefflichen damaligen Oberin des Krankenhauses und der Pflegerinnen, hatte sich der Besuch des ,,Königswarterspitals" derart gehoben, daß die Bäume zu eng wurden und eine Vergrößerung vob Seiten der Behörden verlangt wurde. Als nun die Gemeinde sich entschloß, das prächtige Krankenhaus in der Gagernstraße zu bauen, folgte der Verein und eröffnete ein neues Schwesternhaus auf nebenan liegendem Terrain, ein Haus, welches vor allem darauf eingerichtet ist, den Schwestern ein behagliches Heim und die denkbar besten Verhältnisse zur Erhaltung der Gesundheit zu bieten. Wir waren im Jahre 1914 soeben in das Haus eingezogen, als der Krieg erklärt wurde. Daß sich die Schwesternschaft in den Dienst der Kriegskrankenpflege zu stellen habe, hielten alle — Schwestern, Aerzte und Vorstand^— für selbstverständlich. Wer den Rechenschaftsbericht liest, welchen der damalige Vorsitzende Dr. Adolf Deutschim Jahre 1920 veröffentlicht hat, der wird mit uns zur Ansicht kommen, daß die Schwesternschaft sich im Krieg bewährt hat, sei es daß die Pflege im Lazarett des Schwesternhauses geleistet wurde, sei es daß unsere Pflegerinnen im Feldlazarett in Frankreich oder Straßburg oder auf dem Hans Marcus Treuhänder Fachberater für Steuer« und Devisenrecht Goeth68tr. 5 Telefon 28561 Balkan Dienst getan haben (wo sie selbst von schweren tropischen Krankheiten befallen wurden), sei es daß sie im Lazarett-, zug arbeiteten und dort Fliegerangriffe , zu ertragen hatten. Während des Krieges ist die Schwesternzahl von 40 auf 70 gestiegen, um aber während der Inflationszeit wieder abzusinken. Die Inflation hat unsenn Verein den schweren Schaden gebracht, daß die vorhandenen Fonds fast ganz geschwunden sind, so daß Sorge besteht, auf welche Weise die altgewordenen und kranken Schwestern vor Not gesichert werden können. Hier gilt es neu aufzubauen. Wir hoffen, daß Wohltäter, die noch mit Glücksgütern gesegnet sind, unseres Vereins gedenken, wir hoffen, daß neue beitragende Mitglieder in großer Zahl eintreten werden. Heute gehören unserem Verein 47 Schwestern an, eine Oberin des Vereins und des Krankenhauses, 6 Oberinnen und 7 Schwestern in Anstalten (Frankfurt und in anderen Orten), 12 Schwestern in der Privatpflege, eine Hausschwester, eine Fürsorgeschwester. Im Krankenhaus der israelitischen Gemeinde pflegen 19 Schwestern und 14 Lehrschwestern. Die Hauptsorge ist die Finanzlage des Vereins und, wie erwähnt, die Zukunft der alten ausgedienten Schwestern. Wir sind von der Munificenz der Gemeinde abhängig, die uns in dankenswerter Weise alljährlich eine größere Unterstützung zuteil werden läßt Wir beklagen uns nicht, denn wir teilen das Geschick des deutschen Judentums und des deutschen Vaterlandes. Wir hoffen bestimmt, daß der Verein sich in finanzieller Beziehung wieder emporarbeiten wird, weil die Schwesternschaft trotz schwerer Zeiten den bewährten Geist der Pflichttreue und Opferwilligkeit auch in aller Zukunft in sich tragen wird. A. G. Aussprache Vorschläge zur Künstlcrhilfe Die jüdischen bildenden Künstler Frankfurts haben an den Kulturbund Deutscher Juden, Rhein-Main, einen offenen Brief gerichtet, aus dem wir auf Wunsch des Kulturbundes einige Stellen zum Abdruck bringen. Wir sind übereingekommen, der Leitung des Kulturbundes einige Anregungen vorzulegen, wie wir uns die Förderung schöpferischer Tätigkeit der Abteilung für bildende Kunst denken. Unseres Erachtens besteht diese in erster Linie in der Beschaffung von Aufträgen und von Stipendien (auch für Studienreisen) und in der Veranstaltung von Ausstellungen (auch didaktischen). Der Abteilung „Bildende Kunst" soll, wie dies ja bereits von der Leitung des Bundes bestimmt wurde, ein oder mehrere bil-. dende Künstler als Fachleitung vorstehen. Diese hat vor allem darüber zu wachen, daß nur künstlerisch wertvolle Leistungen für die Tätigkeit und die Veranstaltungen des Kulturbundes in Frage kommen. In Bezug auf die künstlerischen Aufträge erwarten wir durch die Tätigkeit des Kulturbundes in erster Linie solche seitens der Frankfurter Israelitischen Gemeinde, des Frankfurter Jüdischen Museums, der „Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler", der Frankfurter B. B. Logen und anderer öffentlicher Institute, wie z. B. P o r t r ä 18 und Büsten verdienstvoller und zu ehrender jüdischer Persönlichkeiten, künstlerisch ausgeführte G1 ü c k w un sehadressen, ferner die Vergebung von Bildwerken und Darstellungen wichtiger, für die Museen in Frage kommender historischer Orte, Straßenbilder, Häuser, Innenräume und anderer Objekte, deren Existenz gefährdet ist und die daher im Bilde festgehalten werden sollen. Dies gilt auch von wichtigen und wertvollen bildlichen Darstellungen, Kopien usw. in öffentlichem und privatem Besitz. Ferner die Vermittlung graphischer Aufträge der verschiedensten"

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