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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1934-07-01 · 11 (7.1934) · p. Seite 430

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
12 (1933-1934)
Issue
11 (7.1934)
Date
1934-07-01
Page
Seite 430 (sequence 8)
Language
German
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Seite 430 (damals darniederliegenden, in kürzester Frist durch ihn auf hohe Stufe gebrachten) Sternsehen Gesangvereins beträchtliches Aufsehen. Seiner Tatkraft verdankte auch die neu entstandene ..Gesellschaft der Musikfreunde" ihr schnelles Aufblühen. Durch sein Eintreten für zeitgenössische Kunst, besonders für M a h 1 e r, schuf Oscar Fried mit in erster Reihe den für neues Schaffen aufnahmefähigen Boden. Mit zwei großangelegten Chorwerken: „Das trunkene Lied" (nach der Dichtung Nietzsches) und „E r n t e 1 i e d" und der Kantate ..Verklärte Nacht" (die mit Dehmels „Weib und Welt" die gleiche poetische Unterlage wie Schönberg in Anspruch nimmt) legitimierte sich Fried als ausdruckssichere, auf scharfe melodische Kontur und starke Wirkung bedachte Begabung. Aehnlich wie Oscar Fried ist Leo Blech, von den Pflichten als Dirigent in Anspruch genommen, mehr und mehr der schöpferischen Arbeit entzogen worden. Als Schüler Humperdincks begegnet sich Blech mit seinem Lehrer in der Neigung zu volkstümlicher, ohrenfälliger Melodik. Humor und Grazie finden reizvollen Niederschlag in den beiden oft aufgeführten Einaktern „Das war i c h" und „V e r s i eg e 11". Raimunds Märchenspiel „Alpenkönig und Menschenfeind" kommt als dreiaktige Oper zu neuem Bülmenleben. Eine hoch über der Alltagsware des „Marktes" stehende Operette „Die Strohw i t w e" gibt 1920 Kunde von der liebenswürdigen, geschmackvollen Kunst Blechs in den Bezirken gepflegter Unterhaltungsmusik. Als Kapellmeister hat Blech eine glanzvolle Karriere durchmessen. Von dem berühmten Sprungbrett großer Dirigierbegabungen, dem Prager Landestheater aus, kam Blech 1906 an die Berliner Kgl. Oper. Diese Stellung hat er, von kurzen Unterbrechnugen abgesehen, noch bis auf den heutigen Tag inne. Unter seiner sensiblen, urmusikalischen Führung sind unzählige Werke des deutschen und romanischen Repertoires zu erfolgreichster Wiedergabe gebracht worden. Noch andere deutsch-jüdische Dirigenten von internationalem Ansehen strebten nach den Lorbeeren des Tonsetzers. Die Abkehr von der angestammten Religionsgemeinschaft hat bei Otto Klemperer tiefgehende künstlerische Konsequenzen gehabt. In einer „Missa sacra" für Soli, Chor und Orchester setzt er sich innerlich mit der neuen Glaubenswelt auseinander. Diese Linie führt auch der Psalm 42 fort. Das Schwergewicht der musikalischen Persönlichkeit liegt bei Klemperer trotz alledem im Dirigieren. Klemperer zählt jetzt zu den gefeiertsten Orchesterleitern in Amerika. Frühzeitig hat Gustav Brecher die Laufbahn des Komponisten begonnen. Richard Strauß führte bereits die sinfonische Dichtung .,R o s mershol m" des 17jährigen Gymnasiasten auf. Auch später setzte sich Strauß in Berlin und München für eine „soziale Sinfonie": „Aus unserer Zeit" (nach Worten von Mackay) ein. Als dann die praktische Arbeit des Opernkapellmeisters den Raum zum kompositorischen Schaffen immer mehr einengte, Avandte sich Brecher der Bearbeitung und Uebersetzung von Opern zu. Musikalische Schriften kennzeichnen den scharfsinnigen, kenntnisreichen Theoretiker. Als Komponist und Musikschriftsteller ist in Deutschland Edgar I s t e 1 zu Ansehen gelangt, der 1920 seinen Wohnsitz nach Madrid verlegt hat. Zahlreiche Essays und Bücher haben dem musikalischen Publikum wertvolle Aufschlüsse über Wesen und Gestaltungsform der Oper vermittelt. In mehreren romantischen Opern, unter ihnen „Der fahrende Schuler", pflegt Istel den Stil des beschwingten Lustspiels. * Zeitlich und stilistisch gehört Kurt Weill einer anderen Generation an. Er ist einer der am schärfsten profilierten, unbekümmertsten Vertreter jenes Schaffenstyps, den wir unter dem Hegriff der „N e u e n Musik" zusammenzufassen gewohnt sind. Als Schüler Ferruccio Busonis hat sich der 1900 in Dessau Geborene bald dem Stoßtrupp des musikalischen Fortschritts angeschlossen. Nach mehreren Bühnenversuchen („Der Protagonist", „Royal Palace") steht Weill plötzlich im Brennpunkt des Interesses durch seine Musik zu Brechts Bearbeitung der alten englischen „B e 111 e r o p e r". Im Song-Stil gibt Weill den gepfefferten Texten Brechts eine pikante musikalische Gewandung. Durch den großen, mehrere Spielzeiten anhaltenden Erfolg ermutigt, bleibt Weill auf der Linie des witzig-zynischen Singspiels. Der zunächst als Einakter angelegte Sketch „M a - h a g o n n y" wird zu einem abendfüllenden, vielfach ins Burleske abgleitenden, scharf tendenziösen Opernwerk ausgeweitet. Bei der Uraufführung kommt es durch die sorglose Art, mit der die Verruchtheiten der Goldgräberstadt Mahagonny ins Rampenlicht gerückt werden, zu heftigem Widerspruch. Das grobschlächtige Theater Brechts ist durch die Musik wenigstens bis zu einem gewissen Grade veredelt. Mit sparsamen Mitteln scharf charakterisierend, verleiht Weill der Szenik das künstlerische Relief. Weniger opera buffa als Farce ist der Einakter „D er Z a y läßt sich p h o t o g r a p h i e r e n", in dem die Spannungsreize nach Art eines Kolportage-Films intensiviert sind. Als Komponist einiger Instrumentalwerke, unter denen ein Streichquartett in Frankfurt zur Uraufführung kam, befestigte Weill seinen Namen. Paris, der neue Wohnsitz Weills, wurde jüngst Aufführungsstätte eines neuen Balletts. Als das ursprünglichste Talent in der jungen Generation deutsch-jüdischer Tonsetzer wird Weill den Anspruch auf unsere Beachtung auch weiterhin geltend zu machen wissen. * In der Berliner Gruppe jüdischer Komponisten verdient James Simon, der neuerdings nach Amsterdam übergesiedelt ist, an hervorragender Stelle genannt zu werden. Eine dreiaktige Oper .;Frau im Stein", die den Ariadne-Mythus in neuer Fassung behandelt, hatte bei der Stuttgarter Uraufführung Erfolg. Dem deutschen Konzertpublikum stellte sich Simon in Streichquartetten und Chorwerken als kultivierter Musiker DEUTSCHE EFFECTEN« UND WECHSEL «BANK Konstabier Wache Allerheiligensfrasse 89 Osthafen Hanauerlandsfrasse 125 Bockenheim Leipzigersirasse 50 vormals L. A. Hahn — gegründet 1821 — Akt.-Ges. seit 1872 FRANKFURT AM MAIN Kaiserstrasse 30 Auch in den Städten: Höchst a. M. Dalbergstrasse 3 Offenbach a. M. Frankfurtersfrasse 5* Individuelle Durchführung aller bankgeschäfffichen Transaktionen

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