Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1934-07-01 · 11 (7.1934) · p. Seite 429

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
12 (1933-1934)
Issue
11 (7.1934)
Date
1934-07-01
Page
Seite 429 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3094266-3094399-3094410--4191-3098980
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 429 geehfleste Zuschrift vom 11. dieses Monats zu machen, ruft Empfindungen in mir hervor welche ich auszudrücken nicht, vermag. Ich kann nur sagen dass ich nichts als meine Pflicht gethan, nidits als das, wozu mein Gefühl mich antrieb und was die Lage braver Mitbürger in so schwerer Zeit einigermassen zu erleichtern mir geeignet schien. Hoher Senat darf überzeugt sich halten dass wenn in meinem Kreise eine Gelegenheit sich darbietet um meiner geliebten Vater* Stadt nützlich zu sein und deren höchster Staats-Behörde meine Ergebenheit zu bethätigen ich immer dazu bereit und willig sein werde. Genehmigen Sie, Hochzuverehrender Herr Bürgermeister, meinen Dank für Ihre Güte und die Versicherung der, grössten Hochachtung mit der ich die Ehre habe zu sein Euer Hochwohlgeboren gehorsamster A. M. v. Rothschild Seiner Hochwohlgeboren dem wohlregierenden älteren Bürgermeister Herrn Schöffen Freiherrn von Gündertode etc. etc. etc. Hier Frankfurt a. M., den Uten May 1847 Auf der Rückseite dieses Originalschreibens — aus dem wir das einzig Eigenhändige, die Unterschrift des Vierundsiebzigjährigen, faksimilieren, — Erledigungsvermerk: Verlesen im Grossen Rat d. 18. May 1847 u. beseht. Zu den Akten. Im Mai 1847 also und nicht im Winter 1847/48 erfolgte die gemeinnützige Tat des Barons Amschel: insofern müssen wir unseren ursprünglichen Gewährsmann berichtigen.1) Auch eine Uebertreibung ist bei Stoltze insofern festzustellen, als nach Nr. I unserer Dokumente der Wert der Rothschildschen Brotkarte jedenfalls von vornherein nicht 100, sondern nur 25% der normalen Brottaxe betrug, obwohl hier immerhin eine Aenderung während der drückenden letzten Wochen des alten Erntevorrats nötig werden mochte, zumal da allein der Gedanke, daß „Rothschild bezahlte", die Bäcker vielleicht zu weiterer Treis- Steigerung veranlaßt hat. Dagegen ließe sich in die Stichelei auf „die iwerig Haute finance un Milljonärschaft, die gar nix gewe hatt'" dank dem Studium noch älteren Senatsaktenmaterials ein Sinn legen, an den ihr Autor gar nicht gedacht hat. Schon ein Menschenalter vorher nämlich, während der Teuerung des Jahres 1816/17, ist in unserer Stadt das Erscheinen der Brotkarte einmal nachzuweisen. Sie wurde aber damals durch einen „Korn-" oder „Getreideverein" ausgegeben, der, geführt von einer ganzen Anzahl Senatoren und Patrizier, u. a. auch Simon Moritz von Bethmann — die Rothschilds standen noch im bittersten Kampf um ihre und ihrer Glaubensgenossen Rechte in der eben geschaffenen Bundestagsstadt — zunächst zur Sicherheit der Selbstversorgung seiner zahlreichen Mitglieder gegründet wurde und sich erst nachträglich zu einem ebenfalls von der Behörde, wenn auch in keinerlei besonderem Schreiben anerkannten Wohltätigkeitsunternehmen für die ärmere Bevölkerung auswuchs. 1846 und 1847 jedoch handelte es sich von jener allerersten Anregung des Polizeiamtes an um etwas wie eine Mittelstandsaktion, und in dieser Hinsicht gemahnt auch die Opferbereitschaft und Selbstlosigkeit Amschel Rothschilds abermals an Auffassungen unserer Tage. J) Audi die versehentliche Angabe ,,1846" in der Fußnote auf genannter S. 99 dieses Blattes sei bei dieser Gelegenheit verbessert. Zeitgenöflifche jüdifche Komponiften n. Der deutsche Kreis Von Artur Holde Die Musikgeschichte wird zwei große, aus dem deutschen Judentum hervorgegangene Erscheinungen stets an bevorzugter Stelle behandeln: Das Lebenswerk Meyerbeers und Mendelssohns.läßt sich, so lange überhaupt künstlerische Maßstäbe Geltung haben, nicht bedeutungslos machen. Besonders Mendelssohns stärkste Leistungen werden als beglückender Ausdruck genialer Beanlagung und reinen Menschentums aus der Musikpflege der Völker nicht so leicht verschwinden. Diesen beiden Großmeistern ebenbürtige Naturen hat das Judentum Deutschlands in seiner Mitte bisher nicht wieder erstehen sehen. Aber nachdem die Emanzipation dem deutschen Juden erweiterten Lebensraum und damit Anteil an der Kultursphäre seiner Umwelt zugebilligt hat, reißt die Kette der jüdischen Tonsetzer nicht mehr ab. Ein Schaffender vom hohen Range des Wormser Friedrich Gernsheim, der um die Jahrhundertwende zu den angesehensten Persönlichkeiten des Berliner Musiklebens gehörte, stellt in erster Linie die Verbindung zwischen den „Klassikern" und den zeitgenössischen Komponisten her. Die Stilwandlungen der letzten Jahrzehnte haben dazu beigetragen, daß die Arbeiten des Seniors unter den bedeutenden jüdischen Komponisten der Gegenwart in Deutschland, Robert Kahn, immer seltener in die breitere Oeffentlichkeit dringen. Kahn, ein gebürtiger Mannheimer, ist den Idealen seiner Jugend treugeblieben. Sie führten ihn in die Bezirke von Brahms, dem er auch persönlich nahegestanden hat. Nach kurzer Dirigententätigkeit in Leipzig widmete sich Kahn ganz der Komposition und dem Unterricht. Als Lehrer an der Berliner Hochschule erfreute er sich eines großen Rufs. Viele Kammermusiken in den verschiedensten Besetzungen und zahlreiche ein- und mehrstimmige Lieder geben das anziehende Bild eines vornehmen, die Form vollendet beherrschenden Musikers, in dem Wollen und Können durch die Gesetze innerer Harmonie zum Ausgleich gebracht ist. Nach vielversprechendem Anlauf hat Oscar Fried auf die Laufbahn des Komponisten wieder zugunsten seiner hervorragenden Anlagen als Dirigent verzichtet. In dieser Eigenschaft erregte Fried bei seinem Erscheinen an der Spitze des «

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.