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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1934-07-01 · 11 (7.1934) · p. Seite 428

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
12 (1933-1934)
Issue
11 (7.1934)
Date
1934-07-01
Page
Seite 428 (sequence 6)
Language
German
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Seite 428 Länder dauernd beschäftigte, hätten selbst gern Zeitungsaufsätze ..bestellt", um sich und ihre Familie in günstiges Licht zu setzen. Es war doch etwas ganz anderes, wenn Friedrich Stoltze, der dankbare Schützling des alten Barons, 1873, fast zwei Jahrzehnte nach dessen Tod, in die Jubiläumsartikel der „Frankfurter Latern" mit seinen Erlebnissen während der Revolution von 1848 auch diese Rothschild-Episode einflocht — wie wir sehen werden, unter irrtümlicher Verschiebung um etwa 7 oder 8 Monate. Daß ihn aber in der Hauptsache seine Erinnerung nicht getäuscht hat. das zeigte sich nun .hei weiterem Nachforschen in bisher nicht nur ungedruckten, sondern auch völlig unverwerteten Senatsakten. Ein dicker Band mit Anfragen, Vorschlägen, Maßnahmen, Beschlüssen der Mitgliedstaaten des Deutschen Zollvereins belehrt uns da, daß diese seit Herbst 1845 wegen des in jeder Hinsicht unbefriedigenden Fruchtertrages zu Ausfuhrverboten, Einfuhrerleichterungen undähnlichen Mitteln schreiten mußten, und zwar auf die Dauer um so nachdrücklicher, je mehr sich auch die Ernte des nächsten Jahres wider anfängliches Erwarten als recht karg erwies. Da bei ihr offenbar noch eine gewisse Verspätung des Reifens hinzukam, empfahl unterm 11. Juni 1846, als der sechspfündige Laib Brot bereits 27H statt der herkömmlichen 24 Kreuzer kostete, das hiesige Polizeiamt dem Senat das System der ..Brotscheine" in folgender Form: „Die Brodtaxe wird genau nach den Fruchtpreißen gestellt, zugleich wird aber eine Commission aus hiesigen Bürgern ernannt, welche, sobald die Taxe für 6 Pfd. über 24 kr. ... steht, jedem sich dazu meldenden Angehörigen hiesiger Stadt und der Ortsgemeinden Scheine ertheilt, gegen welche er eben so viel Laib Brod a 6 Pfd. für 24 kr. bey jedem Bäcker der Stadt resp. der Ortschaften beziehen kann. Auf dem Scheine ist die jeweilige Differenz der Taxe bemerkt. Sobald die Taxe auf 24 kr. oder drunter steht, hört die Wirksamkeit der Commission auf. Die Scheine werden von den Bäckern gegen Vergütung der verzeichneten Differenz auf Kosten des Aerars eingelößt. Die Veröffentlichung dieser Maßregel geschieht durch eine Bekanntmachung der ernannten Commission." So zu lesen in einem kleineren, ausschließlich frankfurtischen Faszikel, das auch die hier mitzuteilenden Rothschild-Dokumente enthält, nebst sämtlichen Unterlagen für die sofortige Ausführung des Vorschlages bis zu den Listen der quittierten Rückvergütung der Scheine an die Bäcker der Stadt — darunter an letzter Stelle der allen alten Frankfurtern wohlvertraute jüdische Bäckername Maas — und an die „Dorfbecker" von Bornheim, Oberrad, Niederrad usw., bis zu dem ebenfalls quittungsmäßig nach den-14 Stadtquartieren spezifizierten Auszahlungsplan von insgesamt fl. 22 „für die Bemühungen der Leibschützen, bei Vertheilung der Brodkarten", ja bis zur Rechnung einer bekannten Altfrankfurtex Buchdruckerei über die Tausende und aber Tausende von ihr gelieferter Brotkarten. Das Wichtigste ist wohl der dem Polizeiamt nach genau einem Monat von den drei Leitern der Kommission erstattete Bericht über den Abschluß ihrer Tätigkeit, die damit begonnen hatte, daß sie „unverzüglich eine Berathung mit den Herren Quartier-Vorständen, und damit auch die israelitische Gemeinde repräsentirt war, unter Zuziehung einiger israelitischen Bürger" abhielten, was durch die angefügten Protokolle ausgewiesen und besonders interessant durch eine ebenfalls beiliegende Nummer des Amtsblattes der freien Stadt Frankfurt ergänzt wird. In dieser folgt nämlich auf die beiden Erlasse des Polizeiamts und der drei erwähnten Kommissionsvorsitzenden vom 17. Juni, geordnet nach den 14 Quartieren lit. A—0, das Namenverzeichnis der ehrenamtlichen Brotkartenverteiler, unter ihnen für die von Juden bewohnten Stadtgegenden lit. A-—C auch eine Reihe „israelitischer Bürger" und an der Spitze jeweils der Quartiervorsteher, bekanntlich immer ein „Major" der Bürgerwehr. Für das nächste Frühjahr nun, wo der, wie gesagt, wiederum geringe Vorrat aus der Ernte 1846 sich dem Ende zuneigte, weist unser Aktenband gegenüber dem darin betonten „dermaligen Mangel und der Theuerung der Lebensmittel" keinerlei Vorkehrung der Stadt zur Verbilligung des Brotes auf. In um so helleres Licht tritt das als private Leistung völlig isolierte Einspringen des Barons von Rothschild laut den drei Urkunden, die nun für sich selbst sprechen mögen. I. An Einen Hohen Senat. Gehorsamster Bericht des Polizey- Amts Vertheilung von Brodkarten betrffd. Hoher Senat! Wir halten es für sadigemäss, Einen Hohen Senat davon in Kenntnis zu setzen, dass der hiesige Banquier Freiherr Mayer Amsdiel von Rothschild die hiesigen Quartiervorsteher ermächtigt hat, auf seine Kosten wöchentlich 10000 Karten an hiesige Bürger, Beysassen und Permissionisten auszutheilen, gegen deren Ablieferung denselben von den Bäckern der sechspfündige Laib Brod um 6 Kreuzer billiger als die Taxe abgegeben wird. Diese Massregel ist bereits schon in Ausführung gebracht und wird Herr von Rothschild nach seiner Aeusserung so lange damit fortfahren, bis eine von ihm dazu bestimmte Summe, über deren Betrag er sich nicht bestimmter äusserte, erschöpft seyn wird. Hochachtungsvoll bestehend Eines Hohen Senats gehorsamste Deputierte zum Polizey-Amt und in deren Namen Dr. Reuss (Der Fehler, daß die zwei Vornamen des Barons Amschel in verkehrter Ordnung geschrieben werden, kommt immer wieder . vor und erklärt sich wohl aus der jedermann geläufigen, auf den Vater der fünf Frankfurter lautenden Bezeichnung der Banklirma „M. A. von Rothschild und Söhne".) Auf der Rückseite trägt dieses Originalschreiben den Erledigungsvermerk: Verlesen im Grossen Rath den 11. May 1847 und beseht.: Dem hiesigen Bankier Herrn Freiherrn Mayer Amschel von Rothschild ist der Dank des Senats für diese grossartige milde Gabe mittelst Schreiben des wohlregierenden altern Herrn Bürgermeisters auszudrücken. H. (Entwurf.) Seiner Hochwohlgeboren, dem Herrn Mayer Amschel Freiherrn von Rothschild Dahier. Hodiwohlgeborner Freiherr! Der Senat hat aus einer von dem Polizei-Amte ihm gemachten Vorlage mit Wohlgefallen ersehen, in welcher freigebigen und patriotischen Weise Euer Hochwohlgeboren für die dermalige drückende Zeit, die Noth vieler hiesigen, der Unterstützung bedürfenden Einwohner, durch Ermächtigung der Quartiervorstände zur Verabreichung von Brodkarten mit zu lindern Sich bestreben. Wenn Euer Hochwohlgeboren auch den reichsten Lohn in Ihrem menschenfreundlichen Wirken selbst finden werden, so ist es dem Senat doch eine angenehme Pflicht, Ihnen für diese grossartige milde Gabe seinen lebhaften Dank auszusprechen. Mir gereicht es zum besonderen Vergnügen, Euer Hochwohlgeboren Namens des Senats diesen Dank darbringen zu dürfen und ergreife ich zugleich gerne diesen willkommenen Anlass 'zur erneuerten Versicherung meiner Hochachtungsvollen Ergebenheit. Frankfurt a. M., den 11. May 1847 Der ältere Bürgermeister Exped. d. 12. May 1847. m. (Foliobogen mit großem Rothschildschem Wappen als Wasserzeichen.) Hodiwohigeborener Herr Bürgermeister, Hochzuverehrender Herr! Die Eröffnung, welche Euer Hochwohlgeboren die Geneigtheit hatten in Auftrag des Hohen Senats meiner Vaterstadt und zugleich in eigener Wohlgewogenheit mir durah die Hoch-

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