Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 12 (1933-1934)
- Issue
- 10 (6.1934)
- Date
- 1934-06-01
- Page
- Seite 415 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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JUGEND UND GEMEINDE Beilage zum Frankfurter Israelitischen Gemeindeblatt Herausgegeben von der Jugendkommission der Israelitischen Gemeinde Nr. 10 ~__'»Nl «934 Alle Artikel sind persönliche Meinungsäusserungen der Verfasser, die Schriftleitung der Beilage übernimmt nur die pressgesetzliche Verantwortung. — Beiträge für die Beilage und Zuschriften sind an die Schriftleitung der Beilage, Fahrgasse 146, zu richten. Aus der Heimarbeit der Jugendbünde Mit den folgenden Beiträgen beenden wir die Veröffentlichungen der auf unsere Rundfrage nach den Heimarbeiten der Jugendorganisationen erfolgten Zuschriften. Wir haben auch den Heimwart des Jugendheims gebeten, seine Erfahrungen und Ansichten uns mitzuteilen und bringen?seine Antwort als Absdilnss dieser Aufsatzreihe. „Jüdischer Pfadfinderbund Deutschlands" (J. P. D.) Entstehung: Der JPD entstand im Jahre 1931 aus dem Zusammenschluß der Pfadfinderschaft des „Kadimah" mit dem Bund der Junggruppen im Verband der jüdischen Jugendvereine Deutschlands. Organisation: Der JPD umfaßt rund 3000 Menschen in 12 Gauen und 65 Ortsgruppen (Snifim). Sita der Bundesleitung (Hanhalah) ist Berlin (Charlottenburg, Bleibtreustraße 50). Die Leitung ist in Händen von Hans Sternberg. Oertliches: Snif Frankfurt zählt 250 Jungens und Mädels, ferner sind selbständige Snifim Höchst mit 50 und Offenbach mit 150 Menschen. Innere Gliederung: Erziehungseinheit ist die Kwuzah (Patrouille) von 12—20 Menschen. Mehrere Kwuzoth innerhalb des Snif bilden eine Plugah (Zug). Die arbeits- und entwicklungsmäßige Gliederung ist wie folgt: „GURIM'1 (Wölflinge, 10—13 Jahre), „ZOPHIM" (14—18 Jahre), „BOGRIM" (Aeltere, sog. Rovers, über 18 Jahre). Zielsetzung (Bundesprogramm, Fassung vom 8. 10. 33): Erziehungsziel des JPD ist der Z o p h e. Unter -Zophe versteht der Bund den jüdischen Pfadfinder, der aufbauend auf der jüdischen Gefühls- und »Gedankenwelt und den sittlichen Forderungen des -Scoutgesetzes sein Leben gestaltet. Die Verwirklichung der Zophiut verlangt den persönlichen Einsäte für den zionistischen Aufbau in seinen wirtschaftlichen und kulturellen Erscheinungen. Eindeutigster Ausdruck solchen Einsatzes ist C h a 1 u z i u t h. Im Sinne des zionistischen Aufbaues und der Erhaltung des Gesamtjudentums kommt der Galutharbeit eine wesentliche Bedeutung zu. — Lebensaufgabe des Zophe ist der Dienst an der jüdischen Gemeinschaft, deren Geschichte uns Sinn und Ideal für die Zukunft weist. Zur Arbeitsweise: Zophiuth ist zugleich Weg und Ziel. Die Methode schließt die Grundlagen der allgemeinen Scoutbewegung, die von England ausging, ein. Sinngemäß treten jüdische Inhalte an die Stelle anders nationaler. Grundlegend ist das Eingehen auf die Bildungsfähigkeit und Aufnahmebereitschaft jeder Entwicklungsstufe. Die Knappheit des Raums zwingt uns hier zu schlagwortartigen Formulierungen. GURIM: Erzählung, Sport, Spiel, Lieder, besonders erzählende Kunde vom Leben der Chawerim in Erez Jisrael legen das Fundament, schaffen die Bereitschaft (Bundeswahlspruch: Heje muchan — seid bereit!). ZOPHIM: das Spielerische tritt in den Hintergrund, zum Sport als Spiel kommt Training. Die Erzählung des Führers wird von ernsthafter Belehrung verdrängt und von Selbstarbeit der Geführten, die Prüfung, die am Eingang dieser (wie jeder) Stufe steht, verlangt schon recht beträchtliche Kenntnisse auf den Gebieten jüdischer Geschichte, Palästinakunde, hebräische Sprache, erste Hilfe, Naturwissenschaften, Sport usw. (Nach bestandener Prüfung Ablegung des Zophe-Versprechens: Ich verspreche bei meiner Ehre, meine ganze Kraft einzusetzen für das jüdische Volk, für den Bund und die Erfüllung der Zophegesetze.) Die Stufe der B o g r i m steht im Zeichen der „Verwirklichung". Ein Großteil der Bogrim bereitet sich zur Chaluziuth. In dieser Stufe zeigt sich im letzten das Ringen um das Lebend-werden und Wirklich-werden der Zophe- Gesetze. Die praktische Arbeit umfaßt alle Gebiete allgemeinen, jüdischen und scoutischen Wissens. Sie zu schildern, hieße das „Leben" der bündischen Gemeinschaft in Worte zu fassen, und es wäre ein vergebliches Bemühen, hier in wenigen Worten Umfassendes zu sagen. S c h 1 u ß b e m e r k u n g : Die Bundeserziehung wird geleistet auf Fahrt, Lager und im Heimabend. Die Heimarbeit des JPD weist unter den Frankfurter jüdischen Jugendbünden das niedrigste „Niveau" auf. Seine Räume befinden sich nämlich — im Keller. In diesem abgeschlossenen Teil des Jugendheimes wickelt sich ein erheblicher Teil des Bundeslebens ab, das nicht nur Erziehung ist, und nicht nur Arbeit und Belehrung, sondern pulsierendes bündisches Leben, Leben in einer jugendlichen Gemeinschaft, die die Brücke bildet zum Eingang ins Volk. Die Namen der Räume sind verknüpft mit besonderer Symbolik: „Cheder Haam", „Haarez", „Hasapha", „Habrith", die Zimmer des Volkes, des Landes, der Sprache und des Bundes. Es gilt, unseren Menschen die seelische Erfülltheit und das?achliche Wissen zu geben, das sie befähigt, Träger einer jüdischen Idee zu sein. Der Idee vom „klal jisroel", aber eines neuen „am jisroel'", daß sie, die hinausschreiten aus unseren Reihen, Wissende seien, Aufrechte und Kämpfer - - Zophim. Heinz Gochsheimer Der Bund der Werkleute hat sich aus dem deutsch-jüdischen Wanderbund der „Kameraden" entwickelt. Dieser war mehr als jeder andere jüdische Bund in Deutschland mit den Werten und Lebensformen der deutschen Jugendbewegung verbunden, seine Menschen in einem ganz besonderen Maß mit der deutschen Kultur verwachsen. Dies gilt auch noch sehr stark für unseren Bund; er war auch bis vor einiger Zeit fast ausschließlich aus westjüdischen Jungen und Mädchen zu- Die Werkleute Bund jüdischer Jugend sammengesetzt und ist es heute noch zum weitaus überwiegenden Teil. Die Ausgangsfragestellungen des Bundes waren daher die des assimilierten Westjuden, der, losgelöst von jüdischem Leben und jüdischer Verantwortlichkeit, in einer starken anderen Kultur aufwächst. Schon vor Jahren war sich ein kleiner Kreis um Hermann Gerson innerhalb der „Kameraden" bewußt, daß bei dieser Unverwurzeltheit des jüdischen Menschen wesentliche Bezirke