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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1934-06-01 · 10 (6.1934) · p. Seite 414

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
12 (1933-1934)
Issue
10 (6.1934)
Date
1934-06-01
Page
Seite 414 (sequence 28)
Language
German
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Seite 414 Der Jüdische Frauenbund, die Spitzenorganisation der jüdischen Frauen in Deutschland, betont diese neuen Hausfrauenaufgaben besonders nachdrücklich in seinem Programm, und hat seinen Ortsgruppen die Bildung von Ii aaslraueng'ruppen empfohlen. Die Ortsgruppe Frankfurt a. M. des Jüdischen Frauenbundes hat diese Geilanken aufgegriffen und bereits eine solche Hausfrauengruppe ins Leben gerufen. Diese Gedanken Goethes Es ist sonderbar, daß man es dem Manne verargt, der eine Frau an die höchste Stelle setzen will, die sie einzunehmen fähig ist: und welche ist höher als das Regiment des Hauses? Wenn der Mann sich mit äußeren Verhältnissen plagt, wenn er die Besitztümer herbeischaffen und besitzen muß. wenn er sogar an der Staatsverwaltung Anteil nimmt, indem er zu regieren glaubt, immer nur politisch seyn muß, wo er gern vernünftig wäre, versteckt, wo er offen, falsch, wo er redlich zu seyn wünschte: wenn er um des Zieles willen, das er nie erreicht, das schönste Ziel der Harmonie mit sich selbst, in jedem Augenblicke aufgeben muß: indessen herrscht eine vernünftige Hausfrau im Innern wirklich und macht einer ganzen Familie jede Tätigkeit, jede Zufriedenheit möglich. Was ist das höchste Glück des Menschen, als daß wir das ausführen, was wir als recht und gut einsehen? Daß wir wirklich Herren über die Mittel zu unseren Zwecken sind? Und wo sollen, wo können unsere nächsten Zwecke liegen, als innerhalb des Hauses? Alle immer wiederkehrenden unentbehrlichen Bedürfnisse, wo erwarten wir, wo fordern wir sie, als da, wo wir aufstehen und uns niederlegen, wo Küche und Keller und jede Art von Vorsoll den Zusammenschluß bilden für die jüdischen Hausfrauen Frankfurts, soll die Stelle sein, an der sie sich zusammenfinden, um zu geben und zu nehmen aus gegenseitigen Erkenntnissen und um aus der Gemeinschaft Kraft zu schöpfen für die Hausfrauenaufgahen in dieser Zeit. Stephanie Forcblieimer über die Hausfrauen rath für uns,und die Unsrigen immer bereit seyn soll? Welche regelmäßige Täthigkeit wird erfordert, um diese immer wiederkehrende Ordnung in einer unverrückten, lebendigen Folge durchzuführen! Wie wenig Männern ist es gegeben, gleichsam als ein Gestirn regelmäßig wiederzukehren, und dem 'Tage so wie bei der Nacht vorzustehen, sich ihre häuslichen Werkzeuge zu bilden, zu pflanzen und zu ernten, zu verwahren und auszuspenden. und den Kreis immer mit Ruhe, Liebe und Zweckmäßigkeit zu durchwandeln! Hat ein Weib einmal diese innere Herrschaft ergriffen, so macht sie den Mann, den sie liebt, erst allein dadurch zum Herrn; ihre Aufmerksamkeit erwirbt alle Kenntnisse, und ihre Täthigkeit weiß sie alle zu benutzen. So ist sie von niemand abhängig-, und verschafft ihrem Manne die wahre Unabhängigkeit, die häusliche, die innere: das, was er besitzt, sieht er gesichert, das. was er erwirbt, gut benutzt, und so kann er sein Gemüth nach großen Gegenständen wenden, und wenn das Glück gut ist, das dem Staate seyn, was seiner Gattin zu Hause so wohl ansteht. (Aus „Wilhelm Meisters Lehrjahre".) Gymnastik als Gefundheilsfaklor für die Frau Die große Umwälzung, unter deren Kennzeichen unsere jüdische Gegenwart steht, ließ auch an uns Frauen ihre gebieterische. Aufforderung ergehen. Die jüdische Frau hat did Zügel ihres Lebens fest in die Hand genommen. Sie hat sich sofort in das Berufsleben gestellt, das heute schwerer ist als je; sie versuchte den Daseinsstandard der Familie zu vereinfachen, indem sie den Haushalt allein bemeisterte. Bald aber zeigte sich, daß die Bewältigung neuer Aufgaben auch neue physische Schwierigkeiten zwangsläuiig mit sich bringt. Die berufstätige Frau, die ihre Tage sitzend und vornüber gebeugt zubringt, bemerkt an sich oft schon nach kurzer Zeit eine nachteilige körperliche Veränderung. Der -dorsale (Rippen-) Teü des Rückens wölbt sich mehr und mehr nach hinten, die Schultern und Schlüsselbeine fallen steil und schräg nach unten ab, auch das beim normalen Menschen nach vorne gehobene Brustbein legt sich flach in senkrechte Lage, der ganze Brustkorb, der breit und voluminös sein sollte, wird schmal, seicht und eingesunken. Wir sehen den Typ der beginnenden Asthenie. Dieses körperliche Manko ist nicht nur ein Schönheitsfehler. Ein breiter und kräftiger Brustkorb vergrößert das lebendige Fassungsvermögen (vitale Kapazität) der Lunge. Der schmale, lange Brustkorb gibt nur dem unteren Teil der Lunge Gelegenheit zum Atmen. Es genügt ein geringer äußerer Anlaß, um den Bakterien zu ihren schädlichen Auswirkungen zu verhelfen. Die beginnende Asthenie ist zwar keine Krankheit, aber sie trägt die latente Disposition, die stetige, ruhende Krankheitsbereitschaft des Körpers in sich. Hier muß die Gymnastik einsetzen, Haltungsübungen zur Stärkung der Schulterblattgegend. Atemgymnastik zur Hebung des Brustbeins und der Rippen. Nach, verhältnismäßig kurzer Zeit wird der Brustkorb breiter. Xa-' türlich wird hierbei auch der wichtigste Stützpunkt unseres Körpers, die Kreuzwirbel, angegriffen. Viele glauben, daß das Hohlkreuz nur ein Schönheitsfehler sei, aber ein großer Teil der Frauenkrankheiten ist darauf zurückzuführen. Diesem Uebel ist mit einfacher, vernünftiger Becken- und Kreuzgymnastik teilweise abzuhelfen. In fortgeschrittenen Fällen muß die Heil g y m n a s t i k eingreifen. Auch die jüdische Hausfrau, die jetzt ohne Hilfe Tag für Tag am Kochherd steht oder in den Zimmern putzt, merkt gar bald ähnliehe physische Schwierigkeiten. Die Füße werden überanstrengt, die Kreuzgegend schmerzt und am Abend ist die abgehetzte Frau übermüde. Ein kleiner gymnastischer Versuch zeigt schon die erfrischende Wirkung vernünftiger, ausgleichender Körperbewegung. Bei älteren Frauen empfiehlt es sich u. a. freie Gestaltungsübungen nach Frau Dr. Beß-Menscndieck ausführen zu lassen. Von Vorteil ist es, auf Spannungsübungen die jeweiligen Lösungs- und Lockerungsübungen (evtl. aus rhythmischen Systemen) folgen zu lassen. Dauernde Spannung erzeugt schädliche innere und äußere Hemmungen. Unsere Bewegungskultur aber soll natürlich und frei sein. Der menschliche Körper hat sich daran gewöhnt, zahllose technische Errungenschaften als selbstverständlich hinzunehmen. Die Muskelieistimg wird teilweise ersetzt durch Maschinenarbeit und die Leistungsfähigkeit des Körpers nimmt gleichlaufend mit dem technischen Fortschritt ab. Jeder kann an sich beobachten, wie schnell unbenutzte Muskelgruppen verkümmern und arbeitsuntauglich werden. Der Drang nach körperlicher Betätigung, der sich schon seit Jahren in großem Ausmaße bemerkbar macht, entspringt durchaus nicht nur dem Bestreben, sich zu zerstreuen,.sondern er ist tief organisch bedingt, da sich der Mensch mit allen Mitteln gegen die Abnahme seiner Leistungsfähigkeit wehrt. T r u d e Katzauer Es gibt nur einen „Porzellan-Bär m

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