Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 12 (1933-1934)
- Issue
- 10 (6.1934)
- Date
- 1934-06-01
- Page
- Seite 393 (sequence 7)
- Language
- German
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Seite 393 Achsa, meine Tochter, zum Weibe geben". Der Heilige, gelobt sei er, hatte darauf zu erwidern: und wenn nun ein Kanaaniter oder ein Bastard oder ein Sklave die Stadt erobern würde, würdest du ihm auch deine Tochter gegeben haben? Was tat der Heilige, gelobt sei er? Er fügte, daß ein Verwandter Kalebs sie eroberte, denn so heißt es: „und es eroberte sie Othniel, Sohn des Knas, des Bruders von Kaleb." Saul erhob ungeziemende Forderung, denn so heißt es (1. Sam. 17, 25): „Der. Mann, der ihn (Goliath) schlüge, den wird der König reichmachen mit großem Reichtum, seine Tochter wird er ihm geben." Sagte der Heilige, gelobt sei er: wenn ihn nun schlüge ein Ammoniter oder ein Bastard oder ein Sklave, würdest du ihm auch deine Tochter geben? Der Heilige, gelobt sei er, fügte es. daß David ihn schlug und daß er i h m seine Tochter Michal geben durfte. Jiphtach erhob ungeziemende Forderung, als er sprach: (Rieht. 11, 30, 31): „Gibst du in meine Hand die Söhne Amnions, was ausgeht aus den Türen meines Hauses mir entgegen, wenn ich "m Frieden zurückkehre von den Söhnen Ammons, das werde Gottes." Sagte der Heilige, gelobt sei er: und wenn nun als erstes heraus gehen würde ein Kamel oder ein Esel oder ein Hund, würdest du es auch als Opfer darbringen? Ihm begegnete Gott mit Ungeziemendem und fügte es, daß seine Tochter als ei-ste ihm entgegenkam (Ri. 11. 35): „und als er sie erblickte, zerriß er seine Kleider." Er hätte doch aber zu dem Hohepriester, Pinchas, gehen können und sich das Gelübde auflösen lassen können? Aber er sprach: ich bin der Fürst, soll ich den Priester darum ansprechen? Und Pinchas wiederum sprach: i c h bin Hohepriester, aus hohepriesterlicher Abkunft, soll i c h den ersten Schritt tun und zu diesem Am-haarez, diesem Fürsten, der nichts weiß von der Thora, hingehen? Und während sie so hin- und herüberlegten, wer handeln sollte, verlor diese Unglückliche ihr Lebensglück und beide wurden schuldig." Es bleibe ganz außer Betrachtung, welches die Deutung des Schicksals von Jiphtachs Tochter ist: der Midraseh in seiner Geschlossenheit erweckt unser Interesse. Er umschreibt in seinem ersten Teil zwei wichtige Gedanken. Er stellt klar, daß alle in Betracht Kommenden eine tadelnswerte Haltung hatten. Sie glaubten fromm zu sein, indem sie ein bestimmtes Versprechen auf Gott hin gaben, und hatten doch unüberlegt gehandelt. War es denn aber nur das Unüberlegte, der Leichtsinn, der hier gerügt wird? Jeder von ihnen hätte doch, zur Rede gestellt, antworten können, daß er eben in einem so unbedingten, so schrankenlosen Vertrauen auf Gott, in solcher Selbstverständlichkeit der Hoffnung auf Gott gesprochen habe, daß ihm ein Mißlingen, ein Enttäuschtwerden als gar nicht möglich erschien. Der Tadel geht von einer tieferen Erwägung' aus, nämlich von der, daß es überhaupt unziemlich ist, im ZAviegespräch mit Gott eine Bedingung zu stellen. Daß er sein Tun und Handeln davon abhängig machte, daß irgend was. das er wünschte, so oder so geschähe, daß er also sein Wünschen gleichsam Gott aufzwingen wollte, das wird einem jeden der hier Eingeführten zum Vorwurf gemacht. Sie alle gingen von sich aus und ihrem Begehr, das war der Fehler. Ihre Frömmigkeit bewegte sich in einer« Richtung, die entgegengesetzt ist der Frömmigkeit, die den einen Rabbi beten ließ: „Deines Volkes Begehren ist groß und ihr Sinn ist eng. gib einem jeden seine Nahrung und wessen er in Wahrheit bedarf", oder den anderen: „führe aus deinen Willen im Himmel droben, gib drunten Ruhe des Gemütes denen, die in Ehrfurcht vor dir stehen, doch tun, was gut ist in deinen Auge n." Der Mangel an Unbedingtheit der Hingabe wird in jener Deutung der Alten gerügt, das Wissen-Wollen, was not täte, der Mangel an Demut. Aber noch ein anderes, eigentlich außerhalb des Ideenkreises Liegendes, von dem ausgegangen ward, wird aufgerührt. Die Frage könnte erhoben werden: warum wird der eine für den Mangel seiner inneren Haltung gestraft, die anderen nicht? Warum geht es Elieser, Said und Kaleb zum guten aus und Jiphtach nicht? Warum ist der eine Unwürdig, der andere nicht? Der Midraseh wirft diese Frage nicht auf, obgleich sie sich doch aufdrängt. Indem er sie nicht aufwirft, sie gar nicht aufkommen läßt, sich mit ihr überhaupt nicht befaßt, will er mit erhöhtem Nachdruck dem Gedanken Ausdruck geben, daß der Mensch sich in das Geheimnis Gott nicht eindrängen kann, daß er nicht zu ergründen vermag, wer wirklich würdig oder nicht würdig ist, daß Gott in seiner Lenkung der Schicksale nicht nach Würdigkeit oder NichtWürdigkeit des Menschen geht, sondern seinen, eben den göttlichen, rätselhaften, immer vom Geheimnis umschatteten Weg geht. So wie es in der großen Offenbarung an Mose (2. B. M. 33, 19) heißt: „Ich gönne, wem ich gönne, und ich erbarme mich, wessen ich mich erbarmen will". Ein Gedanke, den wir heutigen Tages nicht enibehren können, wenn man nach dem Grund unseres Erlebens fragt, auch wenn man. alter jüdischer Gewohnheit folgend, in allererster Reihe sagt: mipne chatoenu „wegen unserer Sünden geschieht, was an uns geschieht". Nur locker ist mit dem Ausgangsthema die Erzählung verknüpft, daß Jiphtach von seinem Gelübde hätte befreit werden können, wenn er und der Hohepriester sich darüber hätten verständigen können, wer der zum ersten Handeln Berufene oder Verpflichtete sei. Wir lassen auch hier den Fragenkomplex: Auflösung des Gelübdes, ist das möglich, wann ist das möglich; ist das berechtigt, wann ist es berechtigt, beiseite. Wir heben nur das aus der Eraählung heraus, daß die Zwei, auf die es ankam, sich nicht einigen konnten, und daß darum der Gegenstand ihrer Fürsorge in Not und Untergang kam. Und der Schritt ist nicht weit zu der Frage: ist jener Midraseh überholt? Wie oft ist es auch heute, in angespanntester Lage, so, daß über die Frage der Kompetenz und wem die Führung gebühre, so viel hin und her geredet und gefragt wird, daß der Gegenstand der Fürsorge darüber schon längst zu Schaden gekommen sein kann. Wann immer man Midraseh liest, man ist verblüfft über seine Aktualität, seine zeitlose Lebensnähe. .... empfiehlt sich! Sie werden bei ihm eine zuvorkommende, freundliche Bedienung, eine zuverlässige, gewissenhafte Beratung finden! BAMBERGER& HERTZ Die zuverlässigen Kl ei derf ach leute