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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1934-05-01 · 9 (5.1934) · p. Seite 379

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
12 (1933-1934)
Issue
9 (5.1934)
Date
1934-05-01
Page
Seite 379 (sequence 33)
Language
German
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JUGEND UND GEMEINDE Beilage zum Frankfurter Israelitischen Gemeindeblatt Herausgegeben von der Jugendkommission der Israelitischen Gemeinde_ Nr. 9___MAI 1934 Alle Artikel sind persönliche Meinungsäusserungen der Verfasser, die Schriftleitung der Beilage übernimmt nur die pressgesetzliche Verantwortung. — Beiträge für die Beilage und Zuschriften sind an die Schriftleitung der Beilage, Fahrgasse 146, zu richten. Aus der Heimarbeit der Jugendbünde Wir haben in der letzten Nummer der Beilage Jugend und Gemeinde" eine Reihe von Zuschriften veröffentlicht, die uns auf unsere Rundfrage nach der von den Jugendorganisationen geleisteten Heimarbeit zugegangen sind. Wir setzen mit der heutigen Nummer die Veröffentlichung der uns zugegangenen Antworten fort. Wir werden in der nächsten Nummer der Beilage noch einige Einsendungen zu unserer Rundfrage bringen, darunter auch einen Beitrag des Heimwärts. Von nun an soll die Beilage .Jugend und Gemeinde" auch über die Arbeit der Jugendkommission der Israelitischen Gemeinde Aufschluss geben. Die Schriftleitung beabsichtigt, über die von der Jugendkommission in Angriff genommenen oder erledigten Aufgaben regelmässig zu berichten. Habonim. Die Erziehung zu Chaluziut Unsere Zeit verlangt von den deutschen Juden zweierlei: Umzudenken und sich umzustellen. Die nationale Revolution hat gezeigt, daß der Weg der früheren Generationen nicht mehr der Weg der jüdischen Jugend sein kann. Schon vor Jahren hat der Wille, ein jüdisches Leben zu leben, einen kleinen Kreis in der jüdischen Jugend, die Bünde Brith-Haolim und K a d. i m a h , aus denen später der Bund „Habonim" entstand, dazu veranlaßt, seine Menscher, zum chaluzischen Zionismus, zur Verwirklichung ihres Judentums als Arbeiterin Palästina zu erziehen. Dies Ziel bestimmt die ganze Arbeit unseres Bundes. Wenn unsere Menschen für den Bund gewonnen, gekeilt werden, sind sie durchschnittlich 11—12 Jahre alt. Ihre Vorstellungswelt unterscheidet sich nicht wesentlich von der eines gleichaltrigen nichtjüdischen Kindes. Sie haben zwar, hervorgerufen durch den Antisemitismus, den auch sie schon zu fühlen bekommen, eine bewußt jüdische Einstellung, die aber nur als Reaktion, selten als originäre jüdische Haltung zu werten ist. Ihre Sorgen — man soll die Sorgen eines Kindes in diesem Alter nicht unterschätzen — sind die durch Schule, Straße und Elternhaus gegebenen. Hier gilt es zu Menschen zu erziehen, die fähig sind, ein Leben schwerer körperlicher Arbeit zu ertragen, die sich als Pioniere des jüdischen Volkes bewähren sollen. Kinder im Alter von 12—14 Jahren sind logischen Erwägungen nicht zugänglich. Bei ihnen entscheidet das Gefühl, das Erlebnis. So hat sich in der ersten Schichwah (Altersstufe) die Arbeit dahin zu richten, eine menschliche Haltung zu vermitteln. So stellen die bündischen Formen, das Erlebnis der Gruppe, hier die Hauptfaktoren der Erziehung dar. Ständige Betonung der Gemeinschaft, wie Zusammenlegen der Brote, gemeinsames Singen, das Zusammenleben auf Fahrt und im Lager vermag in viel stärkerem Maße erzieherisch zu wirken als es der beste Schulpädagoge vermag, der seine Zöglinge ja täglich nur wenige Stunden unter seiner Obhut hat. Die Bewertung der Fahrt bedeutet nicht, daß wir auf die Sichah <d. h. Heimabend) weniger Wert legen. Erzählen und Vorlesen über das Leben der Juden in aller Welt und zu jeder Zeit vermittelt den jungen Menschen ein Bewußtsein von der Zusammengehörigkeit und Schicksalsgemeinschaft mit ihnen. Einfache sozialethische Fragen, wie „Warum gibt es reich und arm?" oder „Warum strafen wir?" werden gemeinsam besprochen. Aiies, was den einzelnen bewegt, ihm Sorge bereitet, soll aus der Gruppe heraus seine Lösung finden. Durch Verfertigung von Wandzeitungen, Theaterspielen, Pflege der Musik und sonstige künstlerische Betätigung, soweit es im Rahmen des Bundes möglich ist, versuchen wir alle in unsern Menschen schlummernden Fähigkeiten zu wecken, wie ja überhaupt unsere ganze Arbeit dahin zielt, nicht nur zu Soldaten einer Idee, sondern zu ganzen Juden und somit zu Chaiuz i m zu erziehen. Es versteht sich von selbst, daß wir die Jüngeren noch nicht mit Fragen zionistischer Politik befassen. Das schließt nicht aus, daß wir ihnen grundlegende Kenntnis des neuen Palästina vermitteln, auf das ja unsere ganze Erziehung gerichtet ist. Die Arbeit in den beiden nächsten Altersstufen (Mittleren- und Aelterenschaft) unterscheidet sich nur insoweit von der der Jüngeren, als das Ziel der Erziehung bei älteren Menschen änderte Mittel erfordert. Kinder der Großstadt sind frühreif, lernen zeitig abstrakt denken. So können und müssen wir schon bei den 14—17 jährigen neben der Erziehung auf die Wissensvermittlung bedacht sein. Hebräisch lernen — dies verlangen wir schon von den Jüngeren, Beschäftigung mit dem jüdischen Geistesgut, Aussprache über alle Fragen des jüdischen Lebens soll die in der Jüngerenschaft begonnene Erziehung zur menschlichen Haltung vertiefen und den ideologischen Unterbau zu der sich daraus ergebenden chaluzischen Konsequenz vermitteln. Mit 17—18 Jahren ist im Großen und Ganzen die Erziehung abgeschlossen. So hat die Arbeit der Aelterenschaft mehr arbeitsgemeinschaftlichen Charakter. Die Berechtigung ihrer Existenz gegenüber dem Hechahiz, der Bewegung der nicht aus den Bünden hervorgegangenen Chaluzim, ergibt sich aus der Tatsache, daß Menschen, die sich seit Jahren mit den Fragen des Zionismus befassen und eine auf ihn gerichtete Eraiehung genossen haben, durch Arbeit mit den Chawerim, die erst später zur Bewegung gekommen sind, nur schwer bereichert werden können. Ihre Aufgabe ist es, sich die letzte Begründung für ihren chaluzischen Weg zu erarbeiten. Ich will zum Abschluß noch einen Versuch erwähnen, den wir während der Chol-hamoed-Tage von Pessach unternehmen wollen, und der geeignet ist, die Art unserer Arbeit zu illustrieren: Da die Veranstaltung eines Lagers über die Pessachtage nicht möglich ist, werden wir ein „Ersatzlager" in Frankfurt veranstalten. Es wird unter der Parole: „Die Frankfurter Juden" stehen. Wir werden den ganzen Tag zusammen sein, werden zusammen das Jüdische Museum, das Rothschildhaus

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