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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1934-05-01 · 9 (5.1934) · p. Seite 380

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
12 (1933-1934)
Issue
9 (5.1934)
Date
1934-05-01
Page
Seite 380 (sequence 34)
Language
German
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Seite 380 und alle anderen jüdischen Sehenswürdigkeiten besichtigen. Unsere Wandzeitungen werden das Leben in der Gemeinde behandeln. In den Sichot werden wir uns über die Geschichte der hiesigen Juden unterhalten, im Bundesheimabend werden wir aus Heine, Börne u. a. über die Frankfurter Juden vorlesen. So sind wir in unserer ganzen Erziehungsarbeit bemüht, unsere Menschen wieder in das geschichtlich gewordene Judentum hineinzustellen und sie zu Trägern der jüdischen Renaissance zu machen» W. Z u n t z Mit einem Bericht von unserer Heimarbeit sagen wir nur weniges über unseren Bund und sein Leben aus. — Sein Leben spielt sieh nur zum kleineren Teil im Heim ab. Das Bestimmende sind Fahrt, Lager, Großfahrt. Es sei daher — um nicht gar zu wenig zu sagen — dem eigentlichen Bericht einiges vorangeschickt, was man als den Versuch einer Sinngebung unserer Heimarbeit betrachten kann. I. Das Antlitz der deutschen Nation wurde von dem soldatischen und bündischen Menschen geprägt. — Und weil wir jungen, jüdischen Deutschen unlöslich uns mit der deutschen Nation verbunden fühlen, so erkennen wir die Aufgabe, auch innerhalb des deutschen Judentums diesen Umbruch vorzubereiten. Das schon oft konstatierte Gesetz der permanenten Entwicklungsverspätung innerhalb des Judentums hat uns heute diese Aufgabe übertragen. Da wir aber als junge Menschen heute politische Mittel ablehnen müssen, an die Kraft unserer Generation glauben, so gibt es für uns nur einen Weg: den der bündischen Erziehung. — Bündische Erziehung ist aber immer begrenzt. — Wir wissen um die Grenzen unserer Kraft. Sie langt nur für wenige. Wir verachten die Zahl, weil wir die Wenigen lieben: die Besten sind uns gerade gut genug. Wir wissen, daß bündisches Leben eine neue Form der Aristokratie ist, wir erleben, daß es eine „adlige Jugend" gibt (Rathenau), und wir ahnen deren Bestimmung. Wir wollen den jungen, jüdischen Deutschen der Zukunft gestalten, geprägt und geläutert durch die Geschehnisse dieser Tage, bestimmt und gezeichnet durch die Zeit und den Ort der Geburt, wir. die Jungen- und Mädelschaft des Bundes. n. Die Jungenschaft: Ueber unserer Heimarbeit steht ein Erziehungsbild, von dem hier zu sagen ist: Herkommend aus der allganeinen Jugendbewegung, durchgegangen durch das deutsche Pfadfindertum, verbunden mit dem, was einmal Deutsche Jungehschaft hieß, hat sich das Erziehungsbild der „Jungenschaft SF." herausgebildet. Die Ereignisse des letzten Jahres haben den bündischen, den soldatischen Menschen klar herausgeschält. — Das ist nicht eine säbelrasselnde, chauvinistische Militärkarikatur, sondern jener Mensch, der weiß, daß „das erst den Menschen ausmacht: für eine Idee zu leiden-' (Dwinger). — Wir sehen, daß es heute darauf ankommt, daß eine Generation hier in Deutschland ihr Leben durchzutragen versucht, nicht allein wegen sich, sondern wegen der Tausende, die ihr Leben für unser Dasein opferten, und der Hunderttausende, die einmal nach uns als jüdische Deutsche geboren werden. Wir leben als Glied einer unzerreißbaren Kette. Das ist aber nur möglich, wenn unsere Jungen eine Haltung besitzen, die turmhoch über den Kleinlichkeiten des Tages steht: die des „Künstlers, Forschers und Soldaten".; Fähnlein Von ihnen erzählen wir in Heimen, lesen vor, singen, und ihnen versuchen die Jungens nachzuleben. — Von ihnen, vom Bund, strahlt eine Haltung, ein Lebensstil aus, der weit über das einzelne Heim, sei es Stammesheim, oder nur Sing- oder Bastelstunde, hinausragt. Selbst Kleidung, Sprache, Zimmereinrichtung u. a. werden von dieser Haltung bestimmt und gestaltet. — In den Heimen werden Dinge für den StiMstikkreis geschrieben, der den Mitarbeiterkreis unserer Zeitschrift „Fahnenträger" erweitern soll, wird gespielt, gerauft, kurz, alles das getan, was in einem jungensieben wertvoll erscheint. Die älteren Jungens, die Vierzehn- bis Achtzehnjährigen (auch ältere), versuchen in ihren Heimen und Arbeitsgemeinschaften durch eine rechte Geschichtserkenntnis, durch pädagogisches Wissen, durch allgmeinere Bildungsarbeit Kraft für sich und die Gruppe zu finden. Besondere Führerräte regeln organisatorische und andere Dinge. Doch ragt das Hedmleben weiter in die Freizeitgestaltung des Einzelnen hinein, denn die Stämme oder Sippen besuchen gemeinsam Vorträge, Konzerte, Filme, Aussprachen, Museen u. a. an., treiben gemeinsam Sport und Kunst. — So wechseln Bildungsarbeit mit Stunden gemeinsamen Gesprächs und freiwilligem Zusammensein. HI. Die Mädelschaft: Vieles in den Heimen gleicht dem, was für die Jungenschaft gesagt wurde. Ihren Heimen könnte man als Sinngebung voranstellen: „Wir wollen eine Religion der Menschlichkeit, eine Religion der Ehrfurcht vor dem Leben errichten . . . Abkehr von unfruchtbarem Intellektualismus, Aufruf der vergessenen Mächte der Seele . . . wir müssen zu den Fragen der Umwelt Stellung nehmen, denn es ist ja unsere eigenste Sache, um die es geht. Bindung und tragenden Wert können unsere Bemühungen aber erst dann haben, wenn wir wieder hineingestellt sind in das Leben der Nation. . . . Wir wissen nur — und das ist eine der wesentlichsten Erkenntnisse, die uns die letzte Zeit gebracht hat —, daß unser Streben zwar menschlich fruchtbar,, aber letztlich nie erfüllt sein kann, wenn wir unseren Weg als Einzelindividuen gehen müssen und unsere Kraft nicht eingemündet wissen in den großen Strom des Lebens unseres Volkes" (Worte der Mädelschaftsführerin). So will die Mädelschaft das Bild der jüdischen Deutschen aufstellen, der jüdischen Frau in diesem Deutschland. Sie weiß um die Besonderheiten der Mädelserziehung und versucht ihr in besonders gearteten Mädelsheimen gerecht zu werden. IV. Eins ist aber uns allen gemeinsam: jene unerschütterliche Gewißheit mit der wir wartend an einer großen Brücke stehen, die hinüber nach Deutschland führt. Die Brücke ist unser Glauben. Wir warten stumm, wir warten gläubig und arbeiten, wie es uns als Deutsche und Juden geziemt. P. Y. M. Aus der Tätigkeit d< Die Jugendkommission setzt sich für das Jahr 1934 aus 4 Vorstands-, 3 Gemeinde- und 10 Jugendvertretern zusammen. Es fanden bisher 2 Sitzungen des Plenums und 3 Sitzungen der Ausschüsse statt. Auch im Jugenddezernat hat, wie in allen anderen Sparten der Gemeindeverwaltung, die Arbeit im letzten Jahr bedeutend größeren Umfang angenommen. Zunächst war in organisatorischer Hinsicht das Verhältnis der Jugendkommission zu dem neugeschaffenen Landes- bzw. Ortsausschuß des Reichsausschusses der jüdischen Jugendverbände zu klären. Im Interesse einer einheitlichen Führung in der Frankfurter Jugendarbeit wurden Verhandlungen mit dem Landesausschuß angebahnt .wecks Uebertragung der r Jugendkommission Befugnisse des zu bildenden Ortsausschusses auf die Jugendkommission. Die Verhandlungen dauern noch fort. Die schwierigste und wesentlichste Aufgabe der Jugendkommission Avar und ist nach wie vor den immer stärker werdenden Bünden geeignete Räumlichkeiten zu sichern. Durch das Entgegenkommen der Gemeindebehörden gelang es, neben dem Jugendheim Eschersheimer Landstraße 65, in dem Anwesen Königswarterstraße 26 weitere Räume zur Benutzung einzurichten. In diesem Zusammenhang hatte sich die Jugendkommission auch mit der Frage des jüdischen Herbergwesens zu befassen. Die Angelegenheit wird zur Zeit vom Reichsausschuß für' das ganze Reichsgebiet einheitlich verhandelt und verspricht erfolgreich durchgeführt zu werden.

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