Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 12 (1933-1934)
- Issue
- 9 (5.1934)
- Date
- 1934-05-01
- Page
- Seite 366 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 366 von Geist und Tat. Auch die Diaspora kann ohne die Einheit, die Geschlossenheit nicht bestehen in der Geschichte. Nur von der Lehre aus. nur dadurch, daß die Lehre in die Wirklichkeit eintritt, kann in der Diaspora Einheit gefunden werden, kann im historischen Dasein der Zerstreuung Bestand gewährleistet sein. Im Leben der Geschlechter wird die Lehre zum Weg. Auf ihm kann nur der Mensch dem Menschen helfen. Das Jüdische Lehrhaus möchte zu einem Leben führen, das aus der Einheit von Lehre und Tat, von Kontinuität und Spontanität zu echtem Judentum und echtem Menschentum hinfuhrt. Ghr. Künstlerischer Abend Ernstes und Heiteres in buntester Mischung sah und hörte man in einer gemeinsamen Veranstaltung mehrerer einheimischer Künstler. Die Absicht des reichhaltigen Programmes, für jeden Geschmack etwas zu bieten, wurde vollauf erfüllt. Trade Strauß bestritt mit neuen Tanzschöpfungen einen Hauptteil des Abends. Immer mehr bemüht sich diese strebsame Tänzerin um Ausdeutung ernster Inhalte. Sie bewegt sich auch hierbei in den Grenzen eines sicheren Könnens. (Ob es allerdings noch angängig ist. Händeis „Arioso" zu „tanzen", sei dahingestellt.) Die Darbietungen der Tanzschülerinnen wurden gleich denen der Meisterin sehr freudig aufgenommen. — Leni Lorsch-Morgenstern vermittelte mit geschickter Stimmbehandlung und musikalischem Vortag Gesänge von Mozart, Mendelssohn und Blech. Die stilgemäße Wiedergabe von Mozarts ..Rosenarie4' durfte besonders gefallen. Weniger genügte trotz einiger guter Ansätze Martha T h r e ß den Ansprüchen des Konzertsaals. — Alfred Auerbach leitete mehrere Tänze mit markantem Vorspruch ein und spendete in froher Geberlaune Lustiges aus eigener und fremder Feder. Um die Geigensoli machte sich Selma Jutta Lang verdient, das „Arioso" sang klangschön Paula Levi. Am Flügel bewährten sich Ria Lenheim und — vielseitig begabt — Leni Lorsch -Morgenstern. e. Weihestunde in der Westendsynagoge Für eine gut besuchte musikalische Abendandacht in der Westendsynagoge hatte Studienrat Frank Rothschild ein reichhaltiges, fast zwei Stunden pausenlos füllendes Programm zusammengestellt, das Vokal- und Instrumentalmusik aus verschiedenen Kultursphären sowie Rezitationen vereinte. Auch mit zwei Uraufführungen Frankfurter Komponisten machte der Abend bekannt: Die Rhapsodie für Violine und Orgel von Bernhard S e k 1 e s , die in freier Variationsform zwei jüdische Festtagsmotive verwertet, ist ein ansprechendes, für die Geige dankbar gehaltenes Vortragsstück ohne tiefere Nachwirkung. Ein „Lobgesang" für Bariton, Streichtrio und Orgel von Rosy Geiger-Kullmann, bei dem das Entscheidende der Solostimme zufällt, weiß die immer wiederkehrende Preisung Gottes kraftvoll in reicher Harmonik zu steigern. Eine ganze Anzahl von Solisten war für die Ausführung gewonnen. Der schlanke Sopran Hilde Ruhms (Berlin) kam in einer Arie ans Handels „Saul" und in einer schönen Hymne von Mendelssohn vorteilhaft zur Geltung. Die von Frank Rothschild selbst (freilich in modernem Stilempfinden) gefällig bearbeiteten „Semiraus" (alte Sabbatweisen) hatten in Alice Kassel (Sopran) und Paula L e v y (Alt) durchaus geeignete Helfer am Werk, und Benno Ziegler, der hier ebenfalls mit- JACOB GEIGER GeneraNAgenlur Ver*idie"Ungen aller Art Freiherr vom Sfeinstrafye 48 Tel. 71814 Waschu. Bügelanstalt „Frankfurt"!nh. James Lewy Bleichstr. 4 Tel. 21427 Pfundwäsche, Haushaltungswäsche, Stärkewäsche in erstklassiger Ausführung zu billigsten Preisen. Prompte Lieferung. Elektrischer Heißmangelbetrieb. Frei Holen u. Bringen. Samst. geschlossen wirkte, gestaltete den „Lobgesang" mit warmem, starkem Ausdruck. In einer Arie aus „Saul" bewährte Hans Assen heim seinen weichen Bariton. Bei dem „Hallelujah" hätte der -\on Frank Rothschild geleitete Chor, der zuvor eine hebräische Weise des berühmten Salomone de Rossi gesungen hatte, noch eine Verstärkung vertragen. Den Eingang bildete ein von Theo Eatner, dem oft rühmlich' genannten Geiger, im Verein mit Erich W o 1 f f (Orgel) klangschön gespieltes Grave von Friedemann Bach, während Siegfried Würzburger mit seinen echt orgelmäßig empfundenen „Variationen und Fuge über Kol nidre", einem an Reger geschulten Stück, sinnvoll die Weihestunde beschloß. Die rasch bekannt gewordene Rezitatorin Edith Herrnstadt-Oettingen (Berlin) ergänzte das Programm durch Bibelvorträge (Uebertragung Büber-Rosenzweig) und durch Proben moderner deutsch-jüdischer Dichtung. Sie ist — gerade in der unbedingten Einfachheit ihrer Vermittlung — eine ausgezeichnete kluge Sprecherin, unterschätzte aber leider anfangs dio akustische Tragfähigkeit des Raumes, so daß in den hinteren Reihen manches schwer verständlich blieb. — Der Abend hat im Ganzen seinen Zweck sicher vollauf erfüllt: die Hörer über den grauen, schwer verhängten Alltag hinwegzuführen, sie zu erheben und zu stärken durch das, was bleibt! g. sch. Persönliche Nachrichten 75. Geburtstag 1. Mai: Frau Eugenie Mayer-Alapin, Im Trutz 30. 70. Geburtstag 20. Mai: Frau Blanka Frankenthal geb. Wolff, Baumweg 23. Dienstjubiläum Frau Dr. Camilla B u r s t y n, Taunusplatz 17, konnte am 21. April ihr 25jähriges Dienstjubiläum als Leiterin des Israelitischen Mädchenheims begehen. Martha Jacobson-Elkan Vor kurzem verstarb in blühendem Alter Frau Martha Jacobson-Elkan. Sie war eine bekannte Konzertsängerin, und wenn sie auch ihre größten Triumphe an ihrem früheren Wohnort Hannover gefeiert hat, so gewann sie sich doch auch hier überall, wo sie ihre hohe Kunst darbot, rasch eine anhängliche begeisterte Gemeinde. Mit besonders tiefem Schmerz dürfte die ständige Besucherschaft unserer A r n o 1 d- Lazarus-Halle die Nachricht von ihrem Ableben aufgenommen haben, denn wiederholt und bereitwilligst hat sie sich in den Dienst des guten Werkes gestellt und durch ihre vortrefflich geschulte warme Stimme und durch die natürliche liebenswürdige Anmut ihres Vortrags, immer begleitet von ihrem ungewöhnlich musikalischen treuen Gatten, mit ernsten und. heiteren Liedern die Herzen bedrückter Menschen in das Reich der Schönheit und Freiheit emporgetragen. Auch in den Herzen dieser Menschen wird ihr Name noch lange mit wehmütigem Danke fortklingen. Salomon Feitier Wirtschaftstreuhänder und Steuer-Sachverständiger Aktuell: Anträge auf Erleichterung für den Hausbesitz, Bilanzen, Steuerangelegenheiten Frankfurt am Main. Wolfgangstr. 49, Tel. 58670 / - % HANS GRUNEBAUM Generalvertreter der Allianz und Stuttgarter Verein Versicherungs-A.G. Versicherungen aller Art Hohenzollernstrasse 12 Tel. : 34138 u. 70361 V J)