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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1934-05-01 · 9 (5.1934) · p. Seite 364

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
12 (1933-1934)
Issue
9 (5.1934)
Date
1934-05-01
Page
Seite 364 (sequence 18)
Language
German
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Seite 364 Kulturarbeit des Monats Musik- und Rezitationsabend Zugunsten der Jüdischen Künstlerhilfe und des Kinderhauses der Weiblichen Fürsorge veranstaltete Frau Hugo Nathan in den schönen Räumen ihres gastlichen Hauses einen Musik- und Rezitationsabend, der durch die Reichhaltigkeit seines Programms und die hohe Leistung der Mitwirkenden gleichermaßen bedeutsam war. Annie Steiger-Betzak (Violine), Lilly Schwarz -Mayerhofer (Klavier) und ein Quartett (Else H o f m a n n, Sopran, Anneliese Bender, Alt, Rolf Sander, Tenor, Benno Z i e g 1 e r, Baß) bestritten die musikalischen Darbietungen. Die solistischen Vorträge von Frau Steiger-Betzak erwiesen wiederum die große Gestaltungskraft und die gesicherte Technik der beliebten Künstlerin. Die Gesangsdarbietungen (Duette und Quartette) trugen nicht weniger zu dem schönen Gelingen des Abends bei. In Mendelssohn-Bartholdyschen Volksliedern kam die Abgestimmtheit und Reinheit des Quartetts zu besonderer Geltung. Im zweiten Teil des Abends erfreute Otto W a 11 b u r g die überaus zahlreiche Hörerschaft durch den Vortrag eines Couplets und erntete für den Einsatz seiner .,Prominenz" zugunsten der jüdischen Hilfsaktion reichen Beifall. Dr. H. Gundersheimer dankte namens der bedachten Vereine der Gastgeberin, die nicht zum erstenmal tätige Hilfe jüdischen Zwecken anged einen ließ, den Mitwirkenden, die sich selbstlos in den Dienst des Abends stellten, und den Gästen, die durcli ihre Anwesenheit ein stattliches finanzielles Ergebnis für die beiden Institutionen sicherten. —r. Elternstunde des Schwarzen Fähnlein Eltern und Freunde des Schwarzen Fähnlein füllten die Räume der Frankfurt-Loge zu einer Morgenveranstaltung, in der das Schwarze Fähnlein durch Wort, Ton und Spiel von seiner Arbeit und seinen Zielen Zeugnis ablegte. Nicht nur in der äußeren Form des Auftretens, die von straffer, militärischer Tendenz bestimmt war. sondern auch in den Darbietungen wurde die Neigung des Bundes zur Angleichung an den Stil der nicht-jüdischen Jugend in Deutschland deutlieh. Wenn auch in den Darbietungen mehr von jugendlicher Ungebundenheit, Fröhlichkeit und Kameradschaftlichkeit zu verspüren war, als von Beziehungen zu jüdischen Werten, so zeigte doch das von Paul Yogi Mayer geleitete Spiel „Der Weg zum Bund", daß innerhalb der Aelteren die besondere jüdische Situation unserer Tage empfunden wird. Eine kleine Ausstellung von Bastelarbeiten der Jungens und Mädels erfreute durch die handwerkliche Sicherheit und den formgerechten Geschmack, die sich hier auswirkten. Ghr. Martin Buber liest vor Zur Einführung in eine Vorlesung des „Jüdischen Lehrhauses", in der Ludwig Strauß das Thema „Deutsch-jüdische Dichter der Gegenwart" behandelte, gab Martin Buber im Ralimen der Veranstaltungen des „Jüdischen Kulturbundes" Proben aus Werken zeitgenössischer jüdischer Autoren. Diese Lektüre sollte — wie der Vortragende einleitend betonte — nicht Rezitation schlechthin sein, sondern Textgebung, Aufzeigung des Verhältnisses der Dichter zur Welt. Unter diesem Gesichtspunkt muß auch die gebotene Auswahl betrachtet werden, denn es kamen nur Autoren zu Wort, in deren Werken sich eine gewisse Eigenart und charakteristische Einstellung des Künstlers zu seinem Milieu und seiner Umgebung ausprägt. Die größte Wirkung ging hierbei vielleicht von Franz L.EPSTEIN Schillerstraße 2 Herrenu. Damenwäsche — Strumpfwaren Ein Spezialgeschäft wie Sie es suchen Zum Frühjahr Neues und Richtiges und — nie teuer Kafka aus, der mit einem Kapitel aus seinem Roman „Der Prozeß" vertreten war. Die dämonische Auffassung der Welt kam in den Versen von Alfred Mombert zum Ausdruck, und schon die knappe Stelle aus dem großen Epos „Aeon" ließ etwas von der Kraft verspüren, die dieser gewaltigen Dichtung innewohnt. Die drei Liebeslieder von Else L a s k e r-S c h ü 1 e r gewährten einen Einblick in die chaotisch-bunte Welt der Dichterin, während die „Geschichten von Rabbi Elinielech" mit der Welt des Wunders vertraut machten. Der spintisierenden grüblerischen Kunst Jakob Wassermanns steht die klare, fast gesangesmäßige Lyrik Franz W e r f e 1 s gegenüber, während Richard Beer-Hof mann als ein pathetischer Gestalter der düsteren Schicksalswelt erscheint. Die äußere Umrahmung der Vorträge bildeten die musikalischen Darbietungen von Rudolf Bergmann, Theo Ratner und Grete Fachmann, die Stücke von Schubert und Beethoven zu Gehör brachten. Dr. B. Ton und Wort Der Erfolg der ersten Veranstaltung ,.Ton und Wort" in weiten Kreisen des Publikums veranlaßte Max Neumann, einen zweiten Abend gleichen Charakters im Großen Saal des Saaibaues zu veranstalten. Das Programm — während vier Stunden zog eine Darbietung nach der anderen an der beifallsfreudigen Menge vorüber — war von großer Buntheit. Die Orchestergemeinschaft jüdischer Berufsmusiker und einige namhafte Solisten: Hermann Nahm, Leonore Schwarz, Hans Assenheim und Theo Ratnor boten im ersten Teil des Abends mit Hingabe beliebte Werke der populären Musikliteratur. Im zweiten Teil des Abends konferierte Willi Präger, dessen unangebrachte Ironisierung unserer jüdischen Situation immer wieder Heiterkeit des Publikums zu erzielen vermochte. Es ist bedauerlich, daß knapp ein Jahr nach den Ereignissen des 1. April 1933 in einem jüdischen Kreis Anekdoten und Witze begrüßt werden, die ein ausreichendes Verständnis für unsere Lage vermissen lassen. Sophie Seligmann mit Chansons, Trude Auerbach mit grotesken Tänzen, Max W i 11 m a n n mit einem Wiener Couplet, Gretel Hauck mit ausgezeichneten Tanzdarbietungen, ein Schuhplattler eines etwa zwölfjährigen Mädchens, zuletzt Otto Wallburg mit einem Couplet erfreuten das Publikum. Ghr. Zur Vorbereitung auf das Pessachfest Der Gesellschaft für jüdische Volksbildung gebührt Dank für die Innehaltung ihrer Tradition, der Wiederkehr der jüdischen Feiertage für künstlerische Veranstaltungen im Rahmen ihres Programms Ausdruck zu geben. Wenn schon die Veranstaltungen der vorangegangenen Wochen den Ansprüchen nach künstlerischer Hochwertigkeit entsprachen, so muß das erste Auftreten der Jüdischen Chorvereinigung E. V. als die Erfüllung anspruchsvoller Wünsche für das Musikleben in unserer Gemeinde gelten. Unter der Leitung Dr. Nathan Ehrenreichs ist die Chorvereinigung, die mit annähernd 100 Mitgliedern sich dem Publikum vorstellte, in kürzester Zeit zu einem Klangkörper zusammengewachsen^ der auch den schwierigen Anforderungen des Programms gewachsen war. H a y d n s Danklied zu Gott, Mendelssohns geistliches Lied, besonders aber Schuberts Mirjams Siegesgesang kamen in der Interpretation Ehrenreichs zu blühender Entfaltung ihrer musikalischen Schönheiten. Fein nuancierend, klangrein und .sicher gelangten die zum Teil sehr schwierigen Partien zum Vortrag. Dabei waren die Soli von Paula L e v i und Else H o f m a n n und der von Herbert Fromm meisterlich beherrschte Klavierpart wichtige Stützen der Gesamtwir- Dr. jur. Julius Sonn Rechfsberatung — Sfeuerberatung Verwaltungen Büro: Börsenstr. 2—4 Telefon 22798

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