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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1934-05-01 · 9 (5.1934) · p. Seite 363

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
12 (1933-1934)
Issue
9 (5.1934)
Date
1934-05-01
Page
Seite 363 (sequence 17)
Language
German
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Seite 363 den Gegenspieler, Sauls und Davids, völlig verzichtet hat. (Aehnlich wie in Schillers „Rcäubern" Franz und Carl Moor in keiner Szene zusammen auftreten.) Ganz locker und frei ist auch diesmal die Komposition; als Prolog und zur historischen Verbindung wird in ziemlich getreuer Anlehnung an die Bibel die Erzählung von der Moabiterin Ruth vorangestellt, der Ahnin Davids. Dieser rein epische Bericht soll durch lebende Bilder ergänzt und „erhellt" werden, und auch für die musikalische Untermalung sind ganz bestimmte Anmerkungen gegebea. (Ueberhaupt machen die vielen ausführlichen Szenenvorschriften, mit denen der Neuklassizist Beer-Hofmann an die Art und Weise des naturalistischen Dramas erinnert, dem Regisseur seine Aufgabe leicht oder — schwer!) Die Anknüpfung an „Jaakobs Traum" und an den epischen Prolog erfolgt bereits in der ersten Szene. Der Schauplatz ist eine Straße bei Raheis Grab, und gleich die Anfangsworte weisen auf die Stammutter Israels hin. Bald hören wir dann: „Gesegnet Ruth! Aus ihrem Leib erweckte Das Reis sich, dem Jisroels Retter, Jisroels Heil — Erlöser — David —, nun entblüht"; es wird erzählt, daß sie, „ein scheu gegrüßtes, heiliges Ahnenbild" noch lebt und in aller Stille wirkt und nochmals die nahe Beziehung zu David betont: ... dem Gesetz, Das Gott sich selbst schuf, muß Gott Treue halten! Hielt er nicht Treue — stürzte seine Welt! Doch merk: Gott lieh ihr Schönheit! und sie durfte In ihrem Blut sie weitergeben —, nun — Stand ihre Schönheit — neu — in David auf!" So ist „Der junge David" in seine Ahnenreihe eingegliedert; dem entspricht der Schluß, wo dichterische Freiheit eine der stärksten und schönsten Wirkungen erzielt: Als David durch den Tod der geliebten Frau Maacha aufs tiefste getroffen ist und von der Königswürde nichts wissen will, da weiß Ruth, diese ehrwürdige Künderin der Treue, in der sich Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft begegnen, durch Worte, Segensspruch und eigene Begeisterung den Widerstrebenden über sich selbst zu erheben, so daß er die „ihm verhängte Krone" endlich annimmt. Die Berufung Davids ist das Hauptthema, sowie es in dem früheren Stück die Ewählung Jaakobs war. Diese tragende Idee beherrscht die sieben bunten Szenen, deren Mehrheit in der Umgebung Davids spielt. Berufen aber kann nur sein, wer „sich selbst getreu" ist. Eine bange Frage taucht öfters auf: „Ist David treu?" In der Tat kommt David in schwersten Gewissenskonflikt, in jenen auch aus der altdeutschen Dichtung bekannten Streit der Pflichten, als der Kampf zwischen Saul, dem Herrn seines Landes, und König Achisch ausbricht, dem er einen Treueid geschworen. „Weil Treu und Glauben sein muß" (die Worte sind, weil zu modern, nicht gerade glücklich gewählt), gedenkt er zunächst seinen Eid zu halten; aber als ihn dann sein Neffe Joab fragt „wirst du gegen dein eignes Blut die Hand erheben?", besinnt er sich rasch. Nur durch Selbstmord glaubte er seine Verpflichtung lösen zu können. Das Aeußerste bleibt David erspart: Achisch gibt ihn frei, und nun ist der Weg des jungen Kriegshelden klar gezeichnet „M acht Frieden mit Sehauf! — Wo nicht: Schauls Krieg — mein Krieg! Sein Feind — mein Feind!" David hat sich nach der furchtbaren Versuchung wieder gefunden: Die Treue zur Heimat erst gewährt ihm Anspruch und Recht auf die spätere Erhebung. — Im letzten entscheidenden Dialog mit Ruth stellt diese ihm die Aufgabe, seine Bahn zu vollenden: „Ueber allen Segen Thront noch ein Segen: andern Segen sein". Eine der edelsten Frauengestalten der Bibel läßt Beer-Hofmann aussprechen, was wir als seiner Weisheit letzten Schluß betrachten dürfen. Hier wirkt erneut der Geist reiner Humanität wie in den beiden andern Dramen und in den großen Dichtungen der deutschen Klassik. Den Stoff hat Beer-Hofmann traditionsgetreu aus dem alten Testament geschöpft; seine Anmerkungen verraten, was er bestimmten Quellen verdankt und zeigen ihn auch in der neueren orientalistischen Literatur gründlich bewandert. Dem Nachschaffenden konnte die Bibel nur das Rohmateria! liefern, das in seiner Hand eine völlige Neuprägung erfahren hat. An Abweichungen und dichterischen Freiheiten fehlt es nicht; trotzdem ist sein Werk in der geistigen Haltung von einheitlichem Guß. Die reife Beherrschung der Sprache und der kunstvoll gebauten fünffüßigen Jamben versteht sich bei ihm fast von selbst. Ein paar Naturalismen, derbe Bilder aus niedriger AlltaErssphäre, vermögen am Gesamteindruck dieses gehobenen klassizistischen Stils, der Schilter und Kleist fortsetzt, nichts zu ändern. Die dramatische Kraft schwingt vielleicht am stärksten in der einen großen Szene, die Saul auf die Bühne bringt und in jener ganz knappen, aber durch ihre Wucht an größte Vorbilder gemahnenden, wo Sauls Frau sich vom Felsen herunterstürzt. Die große Fülle der Gesichter, die das Personenverzeichnis aufweist, hat leider zur Folge, daß die Charakteristik der Einzelnen mitunter etwas physiognomielos geraten ist. Dafür sind wieder Episoden von starker Eindruckskraft zu finden, wie die rührende Szene um den vierzehnjährigen Hettiter Uriah, dessen unbedingte, fast tierische Treue zu David auch den schwersten Drohungen Sauls Stand hält. Wir nehmen von diesem Werk manch schönes Wort mit, und die eingeiloohtenen Gedanken hoher Sittlichkeit und Menschlichkeit können gerade jetzt viel bedeuten. Auch wo dem Dramatiker nicht letzte Erfüllung geglückt ist, fesselt und packt der Dichter. Ein Lesedrama also? vielleicht — trotzdem sollten die jüdischen Kulturorganisationen einmal die Probe wagen und einzelne Szenen oder das Ganze aufführen. Es winkt dabei kein Sensationserfolg, aber eine vornehme, würdige, durchaus nicht leichte Aufgabe. -kühlung ist und bleibt die sicherste und billigste. Abonnieren Sie daher bei WHans Handwerkstr. 23 ■W. Tel. Sammel-Nr. 20416 ilS'OUNIlHlilg „Der ausgezeichneten Güte Ihres Kaffees nach sollte Ihr Lokal von morgens bis nachts überfüllt sein*. 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