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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1934-05-01 · 9 (5.1934) · p. Seite 356

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
12 (1933-1934)
Issue
9 (5.1934)
Date
1934-05-01
Page
Seite 356 (sequence 10)
Language
German
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Seite 356 Selbstverständlich hat das Heim auch seine wirtschaftlichen und finanziellen Kämpfe auszufechten. Immer wieder müssen neue Mittel zu seinem Unterhalt und seiner Ausgestaltung beschafft werden. Viele öffentliche Institutionen der Frankfurter Judenheit tragen ihren Teil zur Erhaltung des Erwerbslosenheims bei. Aber auch private Zuwendungen müssen in Anspruch genommen werden, wenn das Heim für die jüdische erwerbslose Jugend sich erhalten und ausbauen soll. Zeitgenöffifche Komponiften Der österreichische Kreis Von Artur Holde Es wäre ein müßiges Beginnen, wollte man den Versuch machen, die zeitgenössischen jüdischen Tonsetzer Oesterreichs künstlerisch unter eine gemeinsame Perspektive zu bringen. Man mag gewisse Aeußerungen des Temperaments, gewisse seelische Ausdruckselemente als spezifische Eigenschaften des Österreich-jüdischen Musikers ansprechen: diese Merkmale reichen nicht aus, um die Wesensart der Komponisten auf eine Formel zu bringen. Gerade die charakteristischen und für das gegenwärtige Musikleben wichtigen Erscheinungen unter ihnen sind so verschieden, daß das Jude- Sein ihnen nur einen äußeren Nenner, aber keinen engeren künstlerischen Zusammenhang gibt. Der Weg, den Arnold Schönberg durchmessen hat, schneidet sich mit dem eines Ernst Tocli nicht viel mehr, als es unter den zu gleicher Zeit lebenden, auf denselben Gebieten schöpferischen Menschen bei der heutigen schnellen Uebermittlung geistigen Gutes fast selbstverständlich ist. Eine Nähe der Ideenwelt oder gar -eine stilistische Abhängigkeit von Schönberg kann etwa bei Erich Wolfgang K o r n g o 1 d noch weniger festgestellt werden. Obgleich der Schule dieses Meisters entstammend, hat Egon W e 11 e s z die Stileigentümlichkeiten Schönbergs nicht übernommen. Aber gerade die Tatsache, daß das Schaffen eines jeden von ihnen eigenes Gepräge hat, erhöht den Reiz einer Betrachtung dieser jüdischen Musiker Oesterreichs. * Arnold Schönberg vollendet in Kürze das 60. Lebensjahr. Gewiß könnten noch entstehende Werke wichtige Züge zum Gesamtbild seiner künstlerischen Persönlichkeit beisteuern. Schrieb doch Haydn Arbeiten von der Bedeutung der „Jahreszeiten" und der „Schöpfung" erst als hoher Sechziger. Aber bei Schönberg gewännt man den Eindruck, daß die bis- Deutsche Eiden- und Wechsel-Bank vorm. L. A. Hahn — gegründet 1821 — Akt. Ges. seit 1872 FRANKFURT A. M. KAISERSTRASSE 30 DEPOSITENKASSEN: Konstabier Wache Allerheiligenstr. 89 Offenbach a. M. Frankfurterstr. 54 Bockenheim Leipzigerstr. 50 Osthafen Hanauerldstr. 125 Höchst a. M. Dalbergstr. 3 her durchmessenen Phasen die Gesamtphysiognomie seines Schaffens umfassend erkennen lassen. Schönberg geht von der Hochromantik Wagners aus, wie sie im „Tristan" zutage tritt. Das Streichsextett „V erklärte Nacht" ist von Debussy in entscheidenden Eigenschaften beeinflußt. In den „G u r r e 1 i e d e r n", deren in der Partitur geforderte gewaltige Instrumentalmittel fast stets Wunschtraum des Komponisten bleiben mußten, erreicht seine romantische Epoche Höhepunkt und zugleich Abschluß. Es erfolgt eine Abwendung vom üppigen, warmen Klang. In den Streichquartetten d-moll op. 7 und fis-moll op. 10 beginnt Schönberg einem neuen „konstruktiven" Prinzip nachzugehen: Die Melodie verliert immer stärker die geschlossene Linie im Sinne der klassischen und romantischen Musik. Die harmonische Beziehung der Stimmen zueinander verringert sich. Die Rhythmik löst sich mehr und mehr auf. Diesen Prinzipien ist Schönberg im wesentlichen treu geblieben. Ihre musikdramatische Ausprägung vollzieht der Komponist in den beiden Einaktern „Erwartun g" und „Glückliche Hau d". Das völlige Zurücktreten aller Elemente, die wir nach traditionellen Begriffen als Harmonie, als Melodie und rhythmische Gliederung bezeichnen, schafft eine immer tiefere Kluft zwischen Autor und Umwelt. Diese wird in den späteren Werken fast nur noch für ein Fähnlein getreuer Anhänger überbrückt, die, vorwiegend intellektuell gerichtet, Schönberg als den Schöpfer eines in weite Zukunft weisenden Musikstils bezeichnen. Wie gering aber die unerläßliche Wechselwirkung zwischen Schaffendem und Hörer geworden ist, bekundet die nur in Frankfurt aufgeführte einaktige Oper „V on he'ute auf m o r g e n". Schönberg wendet hier, ähnlich wie in anderen Arbeiten der späten Epoche, ein neues Formprinzip an, sein „Z w ö 1 f t o n s y s t e m". Das Ergebnis dieser mehr spekulativ erarbeiteten als intuitiv gewonnenen Methode erscheint wiederum so problematisch, daß die Ablehnung der Oper verständlich ist. Eine so eigenwillige Erscheinung wie Schönberg schon jetzt unter dem Gesichtswinkel historischer Einordnung zu betrachten, ist verfrüht. Aber man wird feststellen dürfen, daß er einen der großen Anreger in der Musikgeschichte um die Wende des 20. Jahrhundert darstellt, nicht zum wenigsten auch als Lehrer von ungewöhnlichen pädagogischen Anlagen, als den ihn viele Tonsetzer der jüngeren Generation verehren. Vom Schicksal ist Schönberg kein bequemer Lebensw e g vorgezeichnet worden. Immer Avieder hat er erkennen müssen, wras es heißt, der Kunst ohne Zugeständnisse zu dienen. In jungen Jahren finden wir den in Wien Geborenen und Erzogenen als Kompositionslehrer am Berliner Sternschen Konservatorium. Die Instrumentation von Singspielen ermöglicht ihm die Bekämpfung drückender Existenzsorgen. Später ist Schönberg wieder in Wien als Leiter eines Vereins für private Musikaufführungen. 1925 wird er als Nachfolger Busonis Kompositionslehrer an der Meisterschule der Akademie der Künste in Berlin. Jetzt lebt der Komponist als freischaffender Musiker in Wien und in anderen Großstädten des Kontinents. * Nur selten hat ein Künstler das Schicksal, seinen Ruhm zu überleben, so tragisch an sich erfahren, wie Franz Schreker. In wenigen Jahren zu einem der erfolgreichsten Opernkomponisten aufgerückt, hat er alle Bitteraisse eines schnellen Abstiegs auskosten müssen. Der großen Oeffentlichkeit wurde sein Name zum ersten Mal durch die Uraufführung der Oper „Der ferne Klang" an dem Frankfurter Opernhaus be-

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