Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 12 (1933-1934)
- Issue
- 8 (4.1934)
- Date
- 1934-04-01
- Page
- Seite 339 (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3094266-3094399-3094407--4086-3098872- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
JUGEND UND GEMEINDE Beilage zum Frankfurter Israelitischen Gemeindeblatt Herausgegeben von der Jugendkommission der Israelitischen Gemeinde Nr. 8 APRIL 1934 Alle Artikel sind persönliche Meinungsäusserungen der Verfasser, die Schriftleitung der Beilage übernimmt nur die pressgesetzliche Verantwortung. — Beiträge für die Beilage und Zuschriften sind an die Schriftleitung der Beilage, Fahrgasse 146, zu richten. Aus der Heimarbeit der Jugendbünde Es sind im wesentlichen drei Riditungen, die die deutsche Judenheit zu Gruppen zusammenfassen. Diesen drei Richtungen entsprechen in Frankfurt 17 Jugendorganisationen, Bünde und Vereine. Über ihre ideologische Nuan* cierung ist an dieser Stelle wiederholt zu lesen gewesen. Eine Rundfrage der Sdirijtleitung der Beilage .Jugend und Gemeinde" wollte die besondere Art der von den Organisationen geleisteten Heimarbeit feststellen. Die Mittel und Wege, durch die die Organisationen ihren Ideen praktische Erfüllung zu geben versuchen, sollen in den Antworten, die diese und die nächste Nummer der Beilage bringen, dargestellt werden. Das Jugendheim ist, wie die Berichte zeigen, zu einem für das Gemeindeleben wichtigen Sammelpunkt jüdischen Lebens und jugendlichen Gestaltungswillens geworden. Konservativ-jüdische Jugendarbeit Die Umgestaltungen des Jahres 1933 hatten für die konservativ-jüdische Jugendarbeit im wesentlichen nur die eine Folge: eine Reihe höchst aktiver führender Menschen hat seinen Wohnsitz nach außerhalb verlegt, kommt also für die Arbeit hier nicht mehr in Frage. Der Rest arbeitet vor allem in der Form von Arbeitsgemeinschaften, die an sich einen kleinen, aber tätigen Kreis umfassen. Da die alten Prinzipien in unveränderter Form gleichbleibende Bedeutung behalten, ist ein klarer Weg vorgeschrieben. Der Primat, religiöser Tradition als der Wurzel des Judentums, aus der für den Einzelnen und für die Gemeinschaft klare Linien der Betätigung erwachsen, bedarf für den gesetzestreuen Juden keines Beweises. Die Aufgaben des Einzelnen für sich, für die jüdische Gemeinschaft, für die nichtjüdische Umwelt, ergeben sich aus dem jüdischen Gesetz und der jüdischen Geschichte. So war die. Arbeit bei den Jugendlichen darauf einzustellen, Kenntnisse über die Lehren und Gesetze sich zu erwerben und die jüdischen Tagesfragen vom Standpunkt des konservativen Juden zu erörtern. Im Laufe des letzten Jahres kam es zu einer ausführlichen Schilderung der halachischen Literatur. Es wurden dabei nicht nur die grundlegenden Werke besprochen in ihrer chronologischen Reihenfolge, im Auf- und Weiterbau ihres Inhalts, in der Verschiedenartigkeit ihrer Systematik, sondern auch das Lebensbild ihrer Verfasser, die Bedeutung der Kommentatoren im einzelnen dargelegt. An Textproben konnte Einblick gewährt werden in die Art und Formung von einzelnen Gesetzesbestimmungen und die Ausgestaltung der schriftlichen durch die mündliche Ueberlieferung. Als Prüfstein für die dabei erzielten Erfolge konnte die Vorbereitung zu den halachischen Vorträgen von Herrn Rabbiner Dr. Hoffmann angesehen werden, wobei es auch den wenig geübten Teilnehmern möglich war, den Vorträgen mit Verständnis zu folgen. Neben gelegentlicher Besprechung zeitbedingter jüdischer Tagesfragen wurden ausführlich die Bedingungen analysiert,* unter denen der gesetzestreue junge Jude heute lebt und inwiefern Möglichkeiten der Verbesserung des jüdischen Lebens vorhanden und zu bewirken wären. Die Kritik setzte vor allem an den Einrichtungen, Fortbildungsmöglichkeiten, an der Art der Lebensführung sich konservativ nennender Gruppen ein. Es blieb jedoch nicht bei fruchtloser Kritik, sondern es wurden auch viele praktisch verwertbare Anregungen gegeben, die in die Tat umgesetzt werden sollen. Die Gruppe arbeitet nicht expansiv, sondern intensiv im eigenen Kreis, darüber hinaus in fast allen Institutionen, wo fruchtbare Arbeit für das konservative Judentum zu verrichten ist. Da Verbindungen zur Gemeindevertretung, zum konservativ-jüdischen Gemeindeverein, Talmud Thora-Verein, Jüdischem Turnerbund u. a. bestehen, ist wechselseitig Berichterstattung und Einflußnahme möglich. Die Einstellung zu den sich innerhalb der jüdischen Jugend entwickelnden Spannungen ist auf Ausgleich und Befriedung gerichtet. Da die meisten der in Frage kommenden Jugendlichen die Absicht haben, in Deutschland zu bleiben, andererseits auch außerhalb der organisatorischen Zusammenfassung des Zionismus Liebe zum heiligen Lande und Neigung zu praktischer Palästinaarbeit in konservativen Kreisen von jeher bestand, mußte auch in jüdisch-politischer Beziehung eine Aenderung der Arbeitsrichtung nicht vorgenommen werden. Das Ziel ist und bleibt lediglich darauf gerichtet, in den jungen Menschen, die aus Elternhaus und Milieu die Liebe zum überlieferten Judentum mitbringen, die Möglichkeiten zur Gestaltung eines jüdischen Lebens zu schaffen, befriedigt und ausgeglichen, erfüllt mit Kenntnissen vom Judentum voll Stolz auf seine Vergangenheit und voll Vertrauen und Hoffnung auf seine Zukunft. Dr. Ernst Freimann Arbeit im Bund deutsch-jüdischer Jugend Die Arbeit im Bunde deutsch-jüdischer Jugend ist so vielgestaltig und vielseitig wie die Struktur dieser Gemeinschaft. Sie gleicht der verschiedenartigen Zielsetzung der einzelnen Vereine, die sich Ende 1933 zu einem Bunde vereinigt haben, der sich aus bündischen, religiösen und berufsständig wirkenden Gruppen zusammensetzte. Alle diese Gruppen eint das unerschütterliche Bekenntnis zum Deutschtum und zum jüdischen Glauben; unabhängig von den spezifischen Sonderaufgaben der einzelnen Untergruppen ist die Arbeit für die Pflege der deutschen Kultur allen gemeinsam. Die Untergruppe „J1 i", die auf eine jahrelange Tradition zurückblickt, pflegt neben dem Bekenntnis zum Deutschtum in erster Linie die liberale Religionsauffassung in bewußter Bejahung unseres Glaubens. Durch regelmäßige allwöchentliche Vorträge über religiöse sowie die alle Jugendlichen heute bewegenden allgemeinen Fragen bringt sie die