Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 12 (1933-1934)
- Issue
- 8 (4.1934)
- Date
- 1934-04-01
- Page
- Seite 324 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 324 Hut unä Stock, Goethe, Napoleon und Friedrich den Großen, nur in Nuancen karikiert, verlebendigte. Es war wirklich fröhlichste Purimstimmung, in der die zahlreichen Zuhörer zum Schluß ihrem Dank an den Künstler Ausdruck gaben. —r. Rezitationsabend Edith Herrnstadt-Oettingen Die Ueberfülle der Veranstaltungen brachte es wohl mit sich, daß die in allen jüdischen Kulturzentren des Reiches bekannte Rezitatorin hier nur vor einem relativ kleinen Kreise sprechen konnte. Die anwesenden Hörer wurden dafür um so reicher belohnt. Die Künstlerin las zuerst Gedichte und kleinere Erzählungen verschiedener jüdischer Autoren und bot sodann Abschnitte des „Hiob"-Romans von Joseph Roth. Es zeigte sich wieder einmal, daß die Auswahl an gehaltvollen, literarisch einwandfreien jüdischen Texten für den, der zu suchen versteht, gar nicht so beschränkt ist. Auf Z a n g w i 11 s „Sabbathbrecherin", die das Rührselige allzusehr betont, könnte man ja wohl verzichten. Aber eine Geschichte wie etwa Perez' „Wenn nicht noch höher" wird immer als ganz besondere Kostbarkeit empfunden werden. Zu empfehlen wäre, den heute doppelt berechtigten Anspruch des Publikums auf heitere Stoffe bei der Programmgestaltung noch stärker zu berücksichtigen. — Frau Herrnstadt erwies sich als Sprecherin hohen Ranges. Sie verstand es, mit sparsamen Mitteln größte Wirkung zu erzielen und ihre vollendete, von einem überaus sympathischen Organ getragene Technik unmittelbar in den Dienst seelischen Ausdrucks zu stellen. Der Persönlichkeitswert ihrer Leistung trat am offenkundigsten wohl bei der Wiedergabe des „Hiob" in Erscheinung. Wie sie diese mehr zum Lesen als zum Deklamieren bestimmte Prosa lebendige. Gestalt werden ließ, wird allen unvergessen bleiben, die es als künstlerischen Eindruck miterleben durften. Der „Gesellschaft für jüdische Volksbildung" gebührt für den ideellen Gewinn dieses Abends Dank. N—n. Konzert Alter Oberkantor J. Alter hat in Frankfurt schon oft gesungen, sodaß seine künstlerische Physignomie dem regelmäßigen Konzertbesucher vertraut ist. Alter besitzt eine prachtvolle, hochkultivierte und technisch weit geförderte Tenorstimme, deren unmittelbare sinnliche Wirkung — für westeuropäisches Empfinden — durch eine gewisse naturalistische Überakzentuierung der Gefühlswerte, durch die gar zu ungehemmt ausströmende Larmoyanz des Ausdrucks beeinträchtigt wird. Dem Publikum, das den großen Saal der Frankfurt-Loge füllte und sogar noch im Nebenraum Platz beanspruchte, gefiel Alters Gesang wieder ungemein, und es entließ ihn — trotz des reichlich lang bemessenen Programms — nicht ohne eine Reihe von Zugaben. Das Konzert brachte unter der kundigen straffen Leitung von Max Neumann jüdische Musik, wie sie im Kult (Synagoge) und im Volk (ostjüdisch) gesungen wird. Der' gemischte Chor mit seinen Einzelstimmen, zumal den wunderschönen Knabenvorsingern, wie auch das Doppelquartett, das in dem „Socharti loch" von Lewandowski keine leichte Aufgabe hatte, hielten sich durchweg vorzüglich. Von Frankfurter Künstlern wirkten * als Vokalsolisten der Bariton Hans Assenheim und der Bassist Heinrich Bornstein mit,* deren sympatisches gepflegtes Stimmenmaterial an dieser Stelle bereits gewürdigt wurde, ferner als Instrumentalist der ausgezeichnete Geiger Theo Ratner. Die Begleitung am Flügel und Harmonium führten zum Gelingen des Ganzen Dr. Willy Salomon (von dem das Konzert auch eine eigene Bearbeitung „Das Kaddisch des Barditzewer Rebbe" brachte) und Max F i r n b e r g sorgfältig aus. g. sch. Kulturbund deutscher Juden. Die erste Veranstaltung der Frankfurter Verwaltungsstelle des Kulturbundes deutscher Juden hatte eine nach vielen Hunderten zählende Gemeinde in den großen Saal des Saalbaus gelockt. Das Programm stellte die Rede des Intendanten Dr. K u r t S i n g e r in Berlin, „Die Aufgaben des Kulturbundes deutscher Juden" in den Mittelpunkt. Dr. Singer ging von den Ereignissen des Jahres 1933 aus, als sich mit einem Male die Trennung zwischen jüdisch und nichtjüdisch vollendet hatte, als die Exklusivität des Denkens und Handelns von Juden und Nichtjuden zum Ausgangspunkt jeder Unternehmung werden mußte. Als geschichtlichstes Volk der Erde sind die Juden mit allen Völkern der Erde verbunden und doch zugleich von geprägter Eigenart. Ausgehend von dem Goetheschen Wort, daß die Juden nicht zugrundegehen, weil sie Individuen sind, zeichliolar Dr. Hern™ siern Dr. Franz Sflcti^ Rechtsanwälte haben ihr Büro von Steinweg 9 nach Hoff markt 25, Ecke Grofje Gailusstrafye 1 (Eingang: Gr. Gallusstraße) ^verlegt Telefon wie bisher: 24944j S.MARX SCHILLERSTRASSE 14 Das bekannte Spezialgeschäft mit den kleinen Preisen. Tisch« u. 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