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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1934-04-01 · 8 (4.1934) · p. Seite 316

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
12 (1933-1934)
Issue
8 (4.1934)
Date
1934-04-01
Page
Seite 316 (sequence 14)
Language
German
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Seite 316 Literarische Rundschau Eine materialistische Seder-Parole Jeder der Unsrigen müßte es als eine Art Blasphemie scheuen, die alte Losung des Seder-,,Bauens", das „Leschonoh habooh bi-Jeruscholojim" mit irgendeiner menschlichen Erfüllung in Zusammenhang zu bringen. Durchaus anders liegt der Fall bei einem Autor wie Emile Schreiber, der trotz seines Namens offenbar allem Jüdischen nicht weniger fern steht als dem Deutschen. Er hat in der bewußten Travestie jenes alljährlichen Gebetrufes gemeinjüdischer Hoffnung seinem Buch .,Cette Annee ä Jerusalem" (Paris, Librairie Plön) einen überaus treffenden Titel für das gefunden, was er mit ihm beabsichtigt: frei von jedem jüdischen Ressentiment eine solche Fülle vielgeotaltiger, farbiger, sprechender und dabei tatsachengetreuer und höchst aktueller Information zu vermitteln, wie sich aus einer gewiß nicht schlecht vorbereiteten kurzen Reise „A travers la Palestina juive" (dies der Untertitel) in den Hochsominerwochen des Jahres 1933 nur irgend herausholen ließ. Was im Heiligen Lande vorgeht, interessiert den Verfasser lediglich als „Noch eine Revolution" im Anschluß an vorher von ihm veröffentlichte Schilderungen Sowjet-Rußlands und des fascistischen Italien, und. er versagt es sich nicht, bei der Einreise „Flüchtige Eindrücke von Aegypten" festzuhalten sowie beim Verlassen des Landes den Besuch von Akko, der Gedächtnisstätte des nunmehr fast ein Jahrhundert alten Behaismus zum Anlaß einer verblüffend zeitgemäßen Besprechung dieser heute in Amerika sehr verbreiteten Lehre zu nehmen. Aber während beides in mehr unpersönlicher Form geschieht, ist für alles im engeren Sinn Palästinensische die den Franzosen so besonders gut liegende und in ihrer neueren Schriftstellerei zur größten Meisterschaft entwickelte Methode der „E n q u 61 e" gewählt, bei welcher über jede Entwicklung und jede Institution deren maßgeblichste Träger selbst Rede und Antwort stehen. Schon bei der Ausfahrt mit dem „Mariette-Pacha" wird der Leser so zum Zeugen von Unterhaltungen mit dem Leiter des Auswanderungsbureaus des „Palestine et Orient Lloyd", aber auch mit ostjüdischen Chaluzim und mit Emigranten aus Deutschland, während ein mitreisender Beamter des Nationalfonds ihm die zionistische Organisation vorläufig schildert, die der Verfasser später noch viel genauer drüben in den Amtszimmern des Keren Kajemeth, des Keren Hajessod und der Jewish Agency kennen lernt. Kein Geringerer als Ussischkin gibt Auskunft über Geschichte und Schwierigkeiten des Deutsche Effecten- und Wechsel-Bank vorm. L. A. Hahn — gegründet 1821 — Akt. Ges. seit 1872 FRANKFÜRT A. M. KAISERSTRASSE 30 DEPOSITENKASSEN: Konstabier Wache Allerheiligenstr. 89 Offenbach a.M. Frankfurters tr. 54 Bockenheim Leipzigers tr. 50 Osthafen Hanauerldstr. 125 Höchst a. M. Dalbergstr. 3 Landerwerbs, wogegen dem Verfasser die Standpunkte W e,i z - m a n n s und Jabotin skys von diesen selbst schon in Paris dargelegt worden sind. Genau so hat er aber auch alle namhaften Führer des Arabert u m s aufgesucht und die leider noch sehr große Spannung zwischen den beiden mit ihrer englischen Regierung gleich unzufriedenen Bevölkerungsteilen in ausführlichen Kapiteln behandelt.' Erschütternd lebendig werden die keineswegs verschmerzten Erlebnisse des Pogroms von 1929 durch den bekannten Journalisten Ithamar ben Awi erzählt, der in einem weit erfreulicheren Abschnitt Hochinteressantes über Wesen und sprachschöpferisches Bemühen seines Vaters, des Lexikographen Ben Je hu da berichtet; worauf wir über die Universität durch deren Rektor, den Amerikaner Dr. Magnes unterrichtet werden. Einen Hauptgegenstand des Buches bildet selbstverständlich die eigentliche Siedlungstätigkeit, die uns. ohne daß der den Christen zu verdankende Anteil verschwiegen wäre, in klarer Trennung der Rothschildschen, der gewerkschaftlichen, der kommunistischen Kolonien und rein privatwirtschaftlicher Unternehmungen immer durch ganz persönlich gestaltete Besuche vorgeführt wird. Wir sehen ferner den Verfasser, zu Gast bei dem High. Com missioner Sir A. G. Wauchope, über dessen geschickte und gerechte Amtsführung er des Lobes voll ist, wie im Konsulat seines eigenen Landes, wo seine einheimische Tisch nachbarin, eine ebenso streng orthodoxe wie antizionistische englische Philanthropin — nicht mitißt. So beglückt Schreiber an anderer Stelle Mr. Edwin Samuel, den Sohn des ersten, des einzigen jüdischen High Commissioners, sich über das Heim aussprechen hört, das er sich und seiner jungen Familie im Lande der Väter hat aufbauen können, so willig er die hervorragende Mandatsf ü h u n g Englands anerkennt, so verheimlicht der Franzose doch, nicht seinen Stolz darüber, daß es, wie er meint, keine französischen Zionisten geben könne, sowie daß Frankreichs 30 Millionen nordafrikanischer Mohammedaner der panarabischen Bewegung völlig fernstünden. Andererseits erspart er der eigenen Regierung ebenso wenig die Kritik an ihrer von Italien ausgenutzten handelspolitischen Saumseligkeit gegenüber Palästina wie mehrfache Mahnungen, sich an diesem ein Beispiel in der Erziehung der Jugend und namentlich in der Fürsorge für die Allerkleinsten zu nehmen. Ein Kinderdorf, Kindergärten und Säuglingsheime, die weibliche Siedlungsschule Nahalal, aber auch ein Malariaspital und die eigenartige Versuchsstation eines Moskito^Doktors erstehen alle vor uns in gleicher Lebendigkeit. Nicht vergessen seien die inhaltreichen Gespräche mit Herrn D i z eng o f f, dem 72jährigen Gründer und Stadtvater von Tel-Awiw, der nicht nur das märchenhafte Wachstum seines Gemeinwesens, sondern auch die industriellen Möglichkeiten des ganzen Landes erörtert, ehe dem Besucher über die jetzt gerade vor ihrer Eröffnung stehende Levante-Messe von deren Direktoren die nötigen Aufschlüsse und Empfehlungen zuteil werden. Die eindrucksvollste Rolle aber spielt immer wieder die in ihrer Wehrhaftigkeit wie in ihrem friedlichen Schaffenswillen und Lebensdrang — ein Glanzpunkt des Buches ist das Sommemachtsfest am werdenden Badestrand des Toten Meeres! — gleich kraftvolle Jugend. Alles in allem ist das Buch, gerade weil es nicht eitel Ueberschwang wegen der augenblicklichen Krisenlosigkeit des Landes aufweist, sondern auch, den Mut, die Befürchtung zu gewärtigender Rückschläge zu äußern hat. ein durchaus unverdächtiges Dokument der jüdischen Aüfbauleistung, das jeder von uns, sei er Tourist oder Ansiedler, oder bleibe ihm die persönliche Bekanntschaft mit dem Heiligen Lande versagt, mit Nutzen und Stolz lesen wird. Moritz Werner. _ HagodohschelPessach, nach dem Forschungssystem Rabbiner Samson Raphael Hirsehs, «rläutert von Df. A. Michalski, I. Kauffmann Verlag, Frankfurt a. M. 1934, brosch. RM 2.—, geb. RM 3.—. Die schön ausgestattete neue Haggada wird sicher viel Freunde finden. Die Erklärungen sind im Geist der Forschung Samson Raphael Hirsehs. Eingeleitet wird das Werk durch Auszüge aus Samson Raphael Hirsehs Choreb Versuche über Israels Pflichten in der Zerstreuung, Kap. 28. Voran geht zur Einfühlung des Sederabends „Aus einem Mischnakommentar nach dem Forschungssystem Rabbiner Samson Raphael Hirsehs von Rabbiner Michalski, Karlsruhe". Wir wünschen der neuen Haggada. viele Leser und Käufer. Fr.

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