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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1934-04-01 · 8 (4.1934) · p. Seite 315

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
12 (1933-1934)
Issue
8 (4.1934)
Date
1934-04-01
Page
Seite 315 (sequence 13)
Language
German
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Seite 315 Wichtiges aufzuweisen hat. Die jüdische Sammlung in Breslau wird, wenn sie sich organisch entwickelt, ein anderes jüdisches Bild abgeben müssen, als etwa ein Museum in München. Je deutlicher solche provinziellen und lokalen Aufgaben erfaßt werden, um so eher darf das jüdische Museum erwarten, von allen Kreisen der Gemeinde anerkannt und verstanden zu werden. Das kulturelle Eigenleben der Gemeinden, besonders derer, die auf eine ähnliche geschichtliche Bedeutung blicken dürfen wie die Frankfurter, muß auch im Museum seinen Niederschlag finden. In der Wahrung dieser Eigenarten wird zugleich auch am ehesten die Brücke zu der nichtjüdischen Kunst gefunden, wie sie etwa in den Kunstgewerbe- und Historischen Museen der Städte angetroffen werden: Auch hier liegt eine und nicht die geringste Aufgabe des jüdischen Museums, die größere oder geringere Verbundenheit des jüdischen Denkmals mit dem nichtjiidischen sichtbar und verständlich zu machen. Die Aktualität von Bedeutung und Aufgaben des Museums wird am besten durch die wachsende Besucherzahl in den Sammlungen bestätigt. Der allgemeinen Uebung entsprechend, ist das Eintrittsgeld für das Museum jüdischer Altertümer aufgehoben worden. Die Folge war eine Besuchssteigerung von 600%. Auch in der Gewöhnung der Besucher an das Museum liegt eine Aufgabe, deren Lösung auf dem Weg über Publikationen, besonders aber durch Führungen erfolgreich versucht wird. Die Beobachtung, daß dabei die Fragen nach dem Schönheits- und Altertumswert der Gegenstände nicht hinter denen nach ihrem kultischen Sinn und ihrer religiösen Bestimmung zurückstehen, beweist, daß beide Aufgaben des Museums dauernder Förderung bedürfen und von ihrer Lösung ein jüdischer Wert zu erhoffen ist. Der gesegnete Ort Die Stätte, auf der nachmals der Tempel zu Jerusalem von Salomo erbaut worden ist, gehörte in grauer Vorzeit zwei leiblichen Brüdern, die den Acker von ihren Vätern geerbt, hatten. Von'den Brüdern war der eine unbeweibt, der andere hatte Frau und Kinder. Sie wohnten in einem Hause und lebten miteinander in friedlicher Gemeinschaft; sie bauten das Feld im Schweiße ihres Angesichts und waren ein jeder mit seinem Teil zufrieden. Einmal zur Zeit der Weizenernte banden sie Garben im Felde und schichteten sie zu zwei gleichen Haufen auf. Des einen Haufe war ebenso groß wie der des andern. In der Nacht darauf lag der ledige Bruder in seiner Kammer und dachte bei sich: Ich bin allein und brauche mein Brot mit niemanden zu teilen. Warum soll mein Anteil an dem Ertrag des Ackers ebenso groß sein wie der meines Bruders"? Und er stand leise auf, schlich sich wie ein Dieb an seinen Haufen heran, nahm mehrere Bündel davon und tat sie auf den Haufen seines Bruders. Der Bruder wiederum schlief gleichfalls nicht und sprach zu seiner Frau: Es ist nicht recht, daß wir das Getreide in zwei gleiche Hälften teilen und die eine uns, die andere meinem Bruder zuweisen. Ist doch mein Los in allem besser als das seinige. Mir hat Gott ein Weib und Kinder gegeben, mein Bruder aber führt ein einsames Leben, und seine einzige Freude ist das Einsammeln des Getreides. Wir wollen uns aufmachen und im stillen von unsern Garben auf seinen Haufen legen. Und sie taten so. Des Morgens aber wunderte sich ein jeder von den Brüdern, daß die Haufen wie früher gleich waren. Sie fuhren auch in den folgenden Nächten fort, dasselbe zu tun; sie sahen aber jeden Morgen, daß keiner von den Haufen größer geworden war. Da beschloß ein jeder, der Sache nachzugehen. Als sie in der Nacht darauf ihr Werk verrichteten, begegneten sie einander mit den Garben in der Hand. Nun wurde ihnen beiden das Geheimnis offenbar, und sie umarmten und küßten einander. Ein jeder von ihnen pries Gott, daß er ihm solch einen guten Bruder gegeben hatte. Der Ort aber, wo die beiden Brüder miteinander so edelmütig verfahren waren, ward ein gesegneter Ort, und Israel wählte ihn. um liier das Haus Gottes zu errichten. Die Königsgräber Einstmals stürzte in Jerusalem eine Wand ein von der Anhöhe, die auf dem Berge war, und da befahl der Patriarch, sie wieder aufzurichten und dazu die Steine von der alten Stadtmauer zu verwenden. Es wurden Arbeiter gedungen, und diese fingen an, die Steine aus der Mauer herauszustemmen. Unter den Arbeitern befanden sich zwei junge Männer, die miteinander sehr befreundet waren. Eines Tages machte der eine zu Ehren des andern ein Mahl, und sie stellten sich später als die Uebrigen zur Arbeit ein. Der Aufseher fragte sie: Warum seid ihr heute so spät gekommen? Die Männer antworteten: Du sollst keinen Schaden haben: wenn unsere Genossen ihr Mittagsmahl einnehmen werden, wollen wir unsere Arbeit noch weiter verrichten. Und sie machten sich daran. Steine aus der Mauer zu lösen. Wie sie einen großen Stein aus der Wand gezogen hatten, fanden sie ein Loch, das zu einer Höhle führte. Sie sprachen zueinander: Wir wollen hinuntersteigen und wollen sehen, ob nicht ein Schatz dort verborgen liegt. Sie taten so und kamen in ein Gewölbe. Hier gewahrten sie eine herrliche Halle mit Marmorsäulen, die mit Gold und Silber ausgelegt war.' Auf einem Sarkophag lag ein goldenes Zepter und eine goldene Krone. Links von diesem Sarkophag war noch ein anderes Grab zu sehen und weiter in der Tiefe eine Reihe von Grabmälern. Die zwei Männer wollten gern weiter dringen, aber da kam ein Sturm und schlug sie. daß sie zu Boden fielen und wie tot bis zum Abend liegen blieben. Auf einmal hörten sie eine Stimme rufen: Steht auf und geht von hinnen! Da erhoben sie sich und verließen eilends das Gewölbe. Sie kamen vor den Patriarchen und erzählten ihm, was; sie geschaut hatten. Zu der Zeit lebte in Jerusalem ein frommer Mann mit Namen Abraham. Der Patriarch ließ diesen vor sich kommen und fragte ihn, ob er über die Gräber in der Höhle nicht zu berichten wisse. Der Fromme antwortete: Es ist uns überliefert worden, daß sich in dem Gewölbe Grabmäler der Könige David und Salomo wie die aller Könige Judas befinden. Am nächsten Tage wollte der Patriarch die zwei Arbeiter abermals nach dem Gewölbe schicken; sie lagen aber krank in ihren Betten. Sie sprachen: Offenbar ist es nicht Gottes Wille, daß man die Halle wieder betrete. Hierauf befahl der Patriarch, den Eingang zu dem Gewölbe zu vermauern. Er machte den Ort unkenntlich, damit keiner wisse, was die Stätte birgt. Aus der neuen Ausgabe des im Schockenverlag erscheinenden Werkes ,J)er Born Jadas": Märchen und Geschichten, gesammelt von Micha Josef bin Gorion. — Dünndruckausgabe in einem Band. Preis RM. 7J50 in Leinen. j Dr. Ing. M. 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