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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1934-04-01 · 8 (4.1934) · p. Seite 312

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
12 (1933-1934)
Issue
8 (4.1934)
Date
1934-04-01
Page
Seite 312 (sequence 10)
Language
German
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Seite 312 dahin, daß man die einzelnen Redewendungen der Liedverse daraufhin ansah, ob sie nicht einen besonderen Bezug auf Israel haben, etwas Charakteristisches von ihm aussagen. Kein Bild ist da zu kühn, daß man es nicht gezeichnet hätte, kein Wort so profan und gleichgültig, daß man nicht eine Anspielung auf Israel in ihm gesehen hätte. Und es ist überraschend und erschreckend zugleich, wie zeitlos diese Deutungen sind, wie sie in allen Zeiten und Lagen etwas von Israels Schicksal und Charakter, seinen Fehlern und Vorzügen widerspiegeln. Wir greifen aus der Fülle ein Wort heraus; es ist der Satz (6, 11): „In den Nußgarten stieg ich hinab." In allerhand Va-;* " - - |JSäi& * \:lfflitätemtf^ ^^hvhdbmgegdbmbat*; ]f*$0hqjmnmvrirti&tetti Sed€r/baehd%tOrbMing/ \0ünbiäy bcQvü&cu&>m\t ba\Wortcnb&D\<bter& f?t&tohcnUeb&t~': ~ , >;-'iJ-/-J/7<— TkrVJmtkriftxwuber/ t^9^j[( fkrtegeniftwegunkbabinj •:. 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Jede Pflanzung sonst, bedeckst du ihre Wurzeln zur Zeit der Pflanzung, so gedeiht sie, sonst gedeiht sie nicht; aber der Nußbaum, bedeckst du seine Wurzeln zur Zeit der Pflanzung,- so gedeiht er nicht: so auch Israel, denn es heißt (Spr. 28, 13): „Wer seine Sünden verdeckt, gedeihet nicht." Die Nuß — die hölzerne Schale bewahrt die Frucht, so auch bei Israel: die Ungelehrten in Israel bewahren die Worte der Lehre. Die Nuß — das Holz bewahrt die Frucht vor dem Verderben; ist die Schale fort, kann man die Nuß auf den Kehricht werfen, so auch Israel: solange es seinen Weisen anhängt und *) Midrasdi rabbah sdiir hasdiirim II, 11 Jalkut schir hasdijrim 992. auf ihre Worte horcht, gewinnt es beide Welten, diese und die künftige, trennt es sich von ihnen, verliert es die Welt. Die Nuß — fällt sie in den Schmutz, du kannst sie aufnehmen und abwaschen und abreiben, und sie ist dann wie vorher und gut zu essen, so auch Israel: alle Tage des Jahres beschmutzt es si.ch mit Sünden; dann kommt der Tag der Versöhnung und entsühnt es wieder. Der Nußbaum — er ist glatt, wer an ihm emporklimmt und nicht seine Sinne genau darauf richtet, wie er hochkommt, fällt und stirbt und empfängt sein Schicksal von dem Baum, so auch Israel: wer Herrschaft ausüben will in Israel und nicht genau, seinen Sinn darauf richtet, wie er Israel führen muß, der fällt schließlich und empfängt sein Schicksal an ihm. Die Nuß — es gibt solche verschiedener Art, mit zarter Schale, die von selbst aufspringt, mit mittelstarker, man schlägt auf sie mit dem Stein und sie springen auf, und mit ganz harter Schale, man kann sie schlagen und schlagen, die Schale geht nicht auf, so auch Israel: manche geben milde Gaben aus eigenem Wollen, manche geben, wenn man gehörig fordert, bei manchen kannst du fordern, so viel und oft du willst, sie geben nicht — für sie gilt das Sprichwort: das Tor, das nicht offen ist für die Mizwah, wird offen sein für den Arzt. Die Nuß — führt einer welche mit sich, er könnte, auch wenn er wollte, nicht den Zoll für sie umgehen, sie schlagen aneinander und man hört's, so ist's auch mit Israel: wohin einer von ihnen gehen mag, er kann nicht sagen: ich bin kein Jude, denn er bleibt kenntlich, so heißt es auch (Jes. 61, 9): „die sie sehen, alle merken an ihnen: ja, die sind ein Samen, den ER.gesegnet hat." Die Nuß — wenn du einen Sack voll mit Nüssen hast, kannst du immer noch eine Menge Mohn- und Senfkörner hineintun, und der Sack faßt sie, so auch Israel: wieviel Proselyten sind gekommen und haben sich Israel zugesellt, und Israel hat aufgenommen, wer kam sich zu bekehren. Die Nuß — du nimmst eine aus dem Haufen, und alle gleiten und stürzen übereinander, so auch Israel: schlägt man einen aus seiner Mitte, spüren es alle. Die Nuß — bei allen andern Früchten kann man die Hand in den Sack tun und eine hinausnehmen und die andern, ob's nun Datteln oder Maulbeeren oder Feigen sind, spüren's nicht, anders die Nuß; nimmst du auch nur eine Kleinigkeit weg, klappert's bei allen und sie spüren's, so auch Israel: ein Einzelner sündigt, und alle spürens, so heißt es denn auch (4 B. M. 16, 22): „ein einzelner Mann sündigt, und über die Gemeinschaft allesamt willst du ergrimmen?" Man kann nicht alles ausbreiten*, was in diesen Deutungen und Vergleichen mitschwingt, es kann und wird ein jeder, der sie durchdenkt und mitfühlend in sich verarbeitet, manches in ihnen finden und entdecken, was ihn besonders angeht, ihn besonders berührt. Aber vielleicht wird es gut sein, auf das eine oder andere in ihnen besonders hinzuweisen. Welche aktuelle Bedeutung hat es, daß alles Opfer, das gebracht wird zum Besten des Thora-Lernens nicht eine Minderung am Besitz und Eigen im Gefolge hat, sondern eine Mehrung der Kraft und des Wachstums ist! Wie ungeheuer wichtig ist solche Erkenntnis in einer Zeit, in der alles Bestehen und: Fortdauern davon abhängt, daß Israel zu seinen Quellen zurückkehrt, ihrer sich bewußt wird und aus ihnen sein Wasser des Lebens schöpft, und in der das nur möglich ist, wenn alle von einer großen Opferwilligkeit getragen sind. Israel soll nur gedeihen können, wenn es seine Wurzeln nicht verdeckt. Aber was wird zum Beleg dafür angeführt? „Wer seine Sünden verdeckt, gedeiht nicht." Sünde ist also hier als Wurzel des Seins angenommen. Wie merkwürdig und wie tiefsinnig! Aus unseren Sünden gelangen wir zum Bewußtsein unser selbst. Aus unsern Sünden lernen wir uns und unser Bedürfen erkennen. Welche Mahnung in einer Zeit, in der man die Fehler einer zu Ende gegangenen Epoche genau sieht und sich ihrer bewußt haltenmuß, um einen neuen Aufbau sicherer zu begründen!

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