Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 12 (1933-1934)
- Issue
- 7 (3.1934)
- Date
- 1934-03-01
- Page
- Seite 279 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 279 teMMMMHHHHMHMMMMHHMMMMMMH^HHMIMI^MHi Kulturarbeit des Monats Liederabend Lotte Leonard Die Ansicht, daß wir in einer unlyrischen Zeit leben, schien ihre Widerlegung in dem Gesangsabend der Sopranistin Lotte Leonard zu finden. Die große, begeisterte Hörerschaft, die sich in der Frankfurt-Loge versammelt hatte, entließ die Künstlerin erst nach Gewährung mehrerer Zugaben, offensichtlich von der reinen, vollendet gepflegten Art ihrer Gestaltungsweise tief ergriffen. Jeder Sänger ist sich bewußt, daß Lyrik im Konzertsaal das anspruchvollste und empfindlichste Gebiet vokalen Nachschaffens darstellt. Lotte Leonard ist wie nur wenige dieses Fachs längst zur Meisterin herangereift. Ihr schöner, biegsamer Sopran tritt, von Geist und Gefühl sicher geleitet, ganz in den Dienst des Kunstwerks. Die schlichte, religiös betonte Musik vorbachischer deutscher Kleinmeister findet bei ihr ebenso überzeugende Ausdeutung wie die nervöse, akzentreichere Lyrik Wolfs oder Mahlers. Edel und innerlich geschlossen gibt die Sopranistin dann wieder den Gesängen Schuberts und Schumanns FormJ Liederabende sind selten geworden. Daß sie ihre Bedeutung für das Gemüt musikempfänglicher Menschen keineswegs verloren haben, bewies der Verlauf dieses Konzerts, dem Willi S a 1 o m o n als anpassungsfähiger, farbig grundierender Begleiter ein getreuer Helfer war. A. H. Jüdischer Kammerchor Die Gesellschaft für jüdische Volksbildung darf den Konzert-Abend des jüdischen Kammerchors als bedeutenden künstlerischen Gewinu buchen. — Der Kammerchor, den Dr. Nathan Ehrenreich zu ausgezeichneter Disziplin und zu fein schattiertem, aber doch unmittelbar wirkenden Musizieren herangebildet hat, sang prächtige Stücke aus der reichen Madrigalliteratur des 16. Jahrhunderts (mit besonders hübschem Gelingen zwei reizende, beschwingte Weisen von Hubert Waelrant und Leo Hasler), weiter drei, an Debüssys impressionistische Klangwelt gemahnende palästinensische Hirtenweisen von Israel Brandmann und drei frische, heiter gestimmte Lieder Felix Mendelssohns. Die knapp gefaßten eigenartigen „Volksweisen ohne Worte" („Nigunim") gelangten durch den dreistimmigen Frauenchor der Vereinigung und den Bearbeiter Herbert Fromm (am Klavier) zu eindrucksvollem Vortrag und brachten auch dem „Satzkünstler" Hervorrufe ein; bei den palästinensischen Hirtenweisen fand das Baß-Solo des stimmbegabten Janko Kauffmann verdiente Anerkennung. Das Konzert, das nach alledem ein vielseitiges buntes Programm bot, ohne daß dabei die künstlerische Gesamthaltung gefährdet wurde, erhielt noch Bereicherung durch zwei Instrumentalnummern. Theo R a t n e r, der schon öfter als vorzüglicher, technisch vorgeschrittener Geiger hervorgetreten ist, spielte im Verein mit Alice Rosenbaum (als selbständiger Partnerin am 1 lügel) ein herrlich gesundes Kammerkonzert für Bratsche und Klavier von Händel in klarer vornehmer Tongebung. Von den Einzelstücken für Bratsche und Klavier interessierte das „Kaddisch" von Alexander Weprik, das der syuagogalen Musik verwandt ist, mehr, als ein nicht sehr zwingendes Allegro über Volksmeiodien. — Das Konzert in der Logo Carl war sehr stark besucht. g. sch. Konzert des neuen Frankfurter Streichquartetts Für das Frankfurter jüdische Musikleben bedeutet die Gründung des „Neuen Frankfurter Streichquartetts" " einen erfreulichen Gewinn. Das zweite Konzert dieses Quartetts, ein Kammermusikabend im Hause S. Carsch, hinterließ den besten Eindruck. Die Herren Theo Ratner (1. Violine), Werner Simon (2. Violine), Fritz Manfred K u 11 n e r (Bratsche), Dr. Hans I. Stern (Cello) spielten zuerst Mendelssohn-Bartholdy3 wunderschönes f-moll-Quartett op. 80. Unter der sicheren, ausgezeichneten Führung des Primgeigers gelangte das Werk zu beachtlicher Wiedergabe. Insbesondere bewiesen die Präzision des Zusammenspiels und die gelöste Ausdruckskraft die fleißige Probenarbeit der Ausführenden. Die reizende Musik für Künstler und Laien op. 40 von Bernard Sekles brachte in die Vortragsfolge geschmackvolle Abwechslung. Auch die Wiedergabe des Klavierquintetts op. 44 in Es-dur von Robert Schumann zeigte, daß die Darbietungen.mit Eifer und Intensität vorbereitet wurden. Den pianistischen Part übernahm Mary Goldschmidt mit Geschick. Die Leistungen aller Mitwirkenden sichern der neugegründeten Quartettvereinigung größte Beachtung und lassen jede Förderung wünschenswert erscheinen. F. W. Sonkin und der Haupttreffer Das Schauspiel-Ensemble des Jüdischen Kulturbundes Rhein-Ruhr gastierte im Neuen Theater mit einer Tragikomödie „Sonkin und der Haupttreffer" des Russen Semen Juschkewitz. Hier ward das Unwahrscheinlichste Ereignis: In die mehr als kleinbürgerliche Armut einer entbehrungsreichen jüdischen Ehe hat sich mit einer suggestiv quälenden Kraft der Glaube eingenistet, daß die Lotterie hierher ihr Glück ergießen müsse. Und das Selbstverständlichste geschieht: Am nächsten Tage meldet die Zeitung, daß das (sicher zu erwartende) Ereignis eingetreten ist, daß der Handlungsgehilfe Sonkin das große Los gewonnen hat. Die Erfahrungen, die nun das reich gewordene Ehepaar ernten muß, entsprechen den so überraschenden Launen des Schicksals. Die in demselben Augenblick, in denen Sonkin zu Geld gelangt, um ihre eigenen beträchtlichen Vermögen gekommenen Verwandten stellen sich ein und eineuern die Familienbeziehungen, die so lange geruht hatten. Hier nun scheiden sich die Charaktere: Sonkin, gutmütig und anspruchslos, ist geneigt von seinem Besitz abzutreten, was die Anderen bedürfen. Manitschka, seine Frau, dagegen, möchte nur ungern von dem luxuriösen Lebensstil abweichen, in den sie sich sehr rasch gesteigert hat. Nach alldem wird niemand eine dramatische Lösung des Konfliktes psychischer Kontraste erwarten und auch der Dichter sah dazu keine Notwendigkeit. Er läßt den armen Sonkin, wenige Stunden nach dem ersten Glüeksgefühl des Besitzes in Freude und Aufregung wahnsinnig werden und setzt damit den Schlußpunkt unter die als Problem gewiß nicht uninteressante Fragestellung nach dem BROT* UND BACKWAREN DER NEUEN HEUTE BEI ERSTKLASSIGER QUALITÄT ZU BILLIGEN PREISEN FÜR JEDERMANN IN \y ALLEN /'^y FILIALEN DAS IST DER GRUNDSATZ DER NEUEN 0~H~FEINBÄCKEREI TELEFONISCHE BESTELLUNGEN: SAMMELN UMMER 40101 Die neue Leitung bietet Gewähr für einwand'reie Herstellung aller Backwaren unter ausschliefj'icher Verwendung von Butter Und reinen Pflanzenfetten