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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1934-03-01 · 7 (3.1934) · p. Seite 275

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
12 (1933-1934)
Issue
7 (3.1934)
Date
1934-03-01
Page
Seite 275 (sequence 17)
Language
German
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Seite 275 Lehensnotwendigkeit nicht gesichert ist. Gerade auf diesem Gebiet wird es entschiedener Beweise jüdischen Solidaritätsgefühls bedürfen, das in allen Fällen die innere Voraussetzung für eine erfolsrreiche Arbeit der Re:chsvertretung darstellt. Der Referent unterstrich die an anderer Ste"e unseres Blattes mitgeteilte Resolution des Reirates der Rei>bsve-tretung, wonach diese vor schärfsten Mitteln ni.'ht zurückschrecken wird, um Tendenzen zu ersticken, die o*ie Einheit des deutschen Judentums untergraben, insbesondere Strömunsren, die unter Umsrehunsr der SolHarität mit eigner Initiative Aktionen unternehmen, die einzuleiten nur Aufgabe der Reichsvertretung sein kann. Abschießend wehrte sich Ministerialrat "Dr. Hirsch gesren die dem deutschen Judentum ansretane Schmähunsr als einer minderwertigen Gruppe. Es masr mit dem völkischen AufVau des neuen deutschen Reiches notwendig verbunden sein, unsere Andersartisrkeit zu betonen. Aber keine Gemeinschaft von Ehre und Würde kann es unwidersprochen lassen, wenn ihrer Abstammung und ihrem Herkommen der Makel der Minderwertisrkeit aufgedrückt werden soll. Wir dürfen in berechtigtem und in tiefstem bescheidenen Stolze auf unsere Ahnen und auf unsere Herkunft verweisen. Wir selbst aber, können unserer geschichtlichen Anfsrabe in dieser Zeit nur dann gerecht werden, "wenn wir ihren Sinn darin erblicken, daß sie uns nötigt, uns auf uns selbst zu besinnen, auf die ewigen Kräfte 1 nserer Gemeinschaft. Wir wollen erkennen, daß das Schicksal, das über uns gekommen ist. eine große und heilisre Aufgabe bedeutet. Wir sind berufen, unser Hans neu zu bauen, unser jüdisches Haus auf deutschem Bodon. Wir wo:len es nicht und wir können es nicht zu einem Luxusbau machen, aber wir wollen, daß es ein starkes und ein von echt jüdischem Geist erfülltes Haus sein mösre. Das kann nur geschehen, wenn jeder Einzelne daran mitarbeitet in dem Bewußtsein seiner sranz persönlichen Verantwortung der Geschichte gegenüber. Zu dieser Mitarbeit gehört auch das Vertrauen in die Arbeit der Männer, die heute die deutsche Judenheit führen. Genieinderanhiner Dr. Jakob Hoffmann ging als Mitglied1 der Reichsvertretung besonders auf deren kulturelle Arbeitisn und Aufgaben ein. Die schwerste Sorsre für die Zukunft liegt darin, daß den Kindern die Ausbildung und Berufswahl nahezu rranz versperrt ist und andere Wesre als bisher gesucht werden müssen. Drei Frasren stehen im Vordergrund: Erhaltung, Ausbau und Umbau der bestehenden Schulon, Gründung und Aufbau von neuen und die Sorsre um die Ausbildung und Fortbildung der Lehrerschaft. Du'-c'i den Forthll der staatliehen Beihilfen, durch die finanzielle Not der Gemeinden und die Verringerung der Schulgel iör ist ein finanzieller Notstand eingetreten, der 1933 von der Reichsvertretung durch zahlreiche Subventionen aus ausländischen Mitteln beseitigt werden konnte, besonders bei höheren Schulen, ob man für 1034 Hilfssrelder erhalten wird, ist aber zweifelhaft. Darum muß die eigene Leistungsbereitsebaft bis zur Grenze des Möglichen gesteigert werden, denn wir brauchen die Schulen mehr denn je um der Kinder, um unserer selbst und um der Gemeinde willen. Die innere Stiuktur der Schule muß geändert werden. Der Typ der gehebenen Volksschule mit hebräischer und fremdsprachlicher Ausbildung für diejenigen, die hier keinen Labensraum finden und mit handwerklichen Kenntnissen für die Berufsumschiehtuug wird der geeignete sein. Wegen Gründung von Schulen ist die Reichsvertretunsr mit allen Gemeinden in Fühlung getreten. Die Notwendigkeit der jüdischen Schulen, früher ein St-eitobjekt der Gruppen und Anschauungen, wird heute allgemein bejaht, dem.- die deutsche Schule, auf rassischer Grundlage aufgebaut, und die bündisch organisierte Schülerschaft können den jüdischen Schülern schwere seelische Wunden bringen. Die wirklieh jüdische Schule, dio jüdische Atmosphäre schafft und jüdischen Inhalt sribt, ist in den Richtlinien der Reichsvertretunsr aufs-erei^t. Die Kritik^ daran geht von zwei Polen aus. den einen sind die Linien zu indisch, den. anderen zu wenisr. Beides ist srleich unverständlich. Jüdisch muß die Schule sein, denn nur dann können wir uns ehrenvoll erbauen, wenn wir uns auf uns selbst hesinnen. Wenn wir die Kinder vor Brechungen in sich se'bst und vor innerer Oede bewahren wollen, müssen sie in der indischen Gedanken- und Gefiih's-we't eine innere Heimat nahen: vor dem Zerrbild des Juden, das den Kindern der Umwelt srezeisrt wird, schützt nur die Einführung in das wahre Judentum. Denen, die die Schule zu wenirr indisch finden, ist zu sasren. daß das Programm nur ein Minimal-, kein Ma^imalprnerramm ist. Der Lehrer bestimmt den Charakter der Sch^e und wenn er mehr rehen kann, wird dies freudisr heernißt werden. Die neuen Schulen entstehen außerdem in liberalen Gemeinden, da ja die orthodoxen ihre iüdisrhen Schien schon haben. Für diese liberalen Gemeinden bedeutet d'e Einführung der Richtlinien einen wichtigen Fortschritt. Schwierig ist yor altem die Ausbildung dpr iiidischen Lehrpr. Es "-ibt nur eine Bildnnsrsanstalt. in Würzhurcr. D?e finanziellen Voraussetzungen für eine weitere fehlen. Geplant i«t darum zunächst cüe Errichtung einer Musterlehranstalt für die Forthildunsr von Lehrern, die ans den staatliohen Schulen entlassen wurden und dpnen die jüdische Ausbildung fehlt. Dies hir<rt srewiß seine Pnblematik. denn viele dieser Lehrer haben keine oder nur lose Beziehung zum Judentum und können nur schwer zu religiösen Persönlichkeiten erziehen. Besondeje Sorgenkinder sind die kleinen Landgemeinden. Während man hier bis vor kurzem die Schulen nicht fördern, sondern zu Bezirksschulen verein isren wollte, wird jetzt jede bestehende Schule einzeln sreprüft. oh sie nicht ideell und materiell gefördert und erhalten werden kann. Denn durch die Schulen sollen die Gpmp'mrfen gestärkt werden, denen der Reichsverband ebenfalls Mittel zur Verfüsrunsr stellt. Zu diesem Zweck wurde der Verteilungsschlüssel geändert und nicht nur die Seelenzahl, sondern auch das Steueraufkommen berücksichtigt. Dies sreschieht besonders, um den vielfach kleinen und mit hohen Steuersätzen belasteten Gemeinden des Halberstädter Verbandes über das Verhältnis ihrer Seelenzahl hinaus Beträfe zuzuwenden. Rabbiner Hoffmann schloß seine oft von Zustimmung" unterbrochenen Ausführungen mit einem Annell an die Gemeinde, die schwere und mühevolle Arbeit der Reicbsvertretung durch Vertrauen und Gefolgschaft zu stützen. Es gibt nur eine starke oder gar keine Reichsvertretunsr. Das gilt auch für die Orsranisationen der deutschen Juden, auf deren moralisches Kapital sich die Reichsvertretunsr srerne stützt, ohne dulden zu können, daß einzelne Orsranisationen sich auf Kosten der anderen Sondervorteile verschaffen. Allein eine geschlossene jüdische Gemeinschaft kann die Zeit überstehen, ohne daß damit die Unterschiede weltanschaulicher Art verwischt werden sollen. Der Einzelne muß für die Gesamtheit einstehen und soll dies durch würdisre Haltung beweisen. Auffällispes Benohmen in Vergnüsrungslokalen, festliche Veranstaltungen, Fistnachtstreiben sind Beweise mangelnder Selbstachtung. S ilbstachtunsr aber bedeutet heute Selbsterhaltung und dämm muß es Instanzen geben, die ein hartes Wort da sprechen, wo dem Gefühl der Selbstachtung ins Gesicht geschlasren wird. Schwer ist der Wesr, wenn wir den rechten Optimismus betätisren wollen. Optimismus ist nicht, wsr das leidvolle Geschick bestreitet, auch nicht, wer ruhig in den Ta? lebt, sondern wer das Leid bejaht, aber darin aufrecht bleibt, weil er besseren, gesesrneteren, würdisreren Zeiten entsregenreift. Jnstizrat Dr. Blau verband mit seinem Dank an die Redner dio Zusicherung, daß die Gemeindeverwaltung 3ich mit all ihren Kräften hinter die Arbeiten der Reichsvertretung der deutschen Juden stellen werde. G. — B. ... und Ihre Pesach-Kolonialwaren kaufen Sie bei A. METZGER inh. Herbert Levi Alteingeführtes Spezialgeschäft unter Aufsicht der Ritual-Kommission der.lsraelitischen Gemeinde / ZEIL 27, / Telefon 21293 I 1

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