Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 12 (1933-1934)
- Issue
- 7 (3.1934)
- Date
- 1934-03-01
- Page
- Seite 274 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 274 Gesetzen der Thora anzugleichen, und er war stolz darauf, sein Leben und sein Handeln im Sinne der Lehre zu gestalten. Obgleich nicht dem Priesterstamme angehörend, trug er die Kether Kehuna, indem er mit großer innerer Weihe und Befriedigung in der Synagoge Unterlindau gottesdienstliche Funktionen viele Jahre lang zur Erbauung ihrer Besucher ausgeübt hat. Mit welcher Anteilnahme und Liel>e er das tat, wie er diese Synagoge aufbauen half, sie zu vergrößern suchte und diesem Gotteshaus immer mehr Freunde zuzuführen sich bemühte, das wird auf jeder Seite ihrer Geschichte den Namen Naftali Fromm verewigen. Er trug auch die Krone des guten Namens. Wir wissen, was wir hier an ihm hatten, und wie wir uns auf seinen verständigen Rat und . auf seine von Liebe und Anhänglichkeit an die Gemeinde getragene Tat verlassen konnten. Aber nicht nur hier, sondern in dem großen Kreis seiner Berufsgenossen hat es sich nach seinem Ableben gezeigt, wie sehr man ihm diese Krone des guten Namens zubilligte. Ich selbst verliere in ihm den wohlwollenden und klugen Berater, dem wir ein dauerndes und ehrendes Andenken bewahren werden. Die Anwesenden hatten sich zu Ehren des Verstorbenen von ihren Sitzen erhoben. Anläßlich seines 60. Geburtstags hat der "Vorsitzende namens •"ier Gemeindevertretung dem Vorstandsmitglied, Herrn Julius Werner, seine Glückwünsche ausgesprochen und wiederholt dieselben an dieser Stelle mit herzlichem Dank für die vielseitige verdienstvolle Tätigkeit des Herrn Werner im Interesse der Gemeinde. Gleichzeitig spricht der Vorsitzende Herrn Werner Dank aus für die von ihm aus diesem Anlaß gestiftete Uhr für den Sitzungssaal und wünscht ihm zu seiner bevorstehenden Palästinareise alles Gute und eine frohe Rückkehr. Der Vorsitzende begrüßt hierauf die neu eingetretenen Gemeindevertreter, Herren Rosenwald, Levy-Mohr und Ch. Klausner, mit dem Wunsch für gedeihliche Mitarbeit. Auf Vorschlag des Herrn Dr. Mainzer namens sämtlicher Fraktionen erfolgt alsdann die Wahl des Büros durch Zuruf. Es, werden gewählt: zum Vorsitzenden: Herr Dr. Richard Merzbach; zu stellvertretenden Vorsitzenden: die Herren Felix Meyer, anstelle des verstorbenen Herrn Fromm, und I. L. G o i t e i n. zu Schriftführern: die Herren Albert Cohen, Dr. Ludwig Schönberg, anstelle des Herrn Felix Meyer, und Heinrich G e r 1 i c h. Es wird schließlich davon Kenntnis gegeben, daß die Etätkommission den Haushaltsplan für die zweite Hälfte des laufenden Rechnungsjahres in Einnahme und Ausgabe auf RM. 571521.— bei einem Fehlbetrag von RM. 68 Iii.— festgestellt hat. Hieran schloß sich eine nichtöffentliche Sitzung. Gemeindeversammlung Die Reichsvertretung der deutschen Juden und der Vorstand der Israelitischen Gemeinde hatten zu einer Gemeindeversammlung eingeladen, die am Samstag, den 24. Februar, in beiden Sälen der Frankfurt-Loge stattfand. Viele hundert Gemeindemitglieder waren der Aufforderung nachgekommen und folgten den Ausführungen des geschäftsführenden Vorsitzenden der Reichsvertretung, Ministerialrat a. D. Dr. Otto Hirsch, und des Mitglieds der Reichsvertretung, Gemeinderabbiner Dr. Jakob Hoffmann über die Aufgaben und die Tätigkeit der Reichsvertretung. Der Vorsitzende des Gemeindevorstands, Justizrat Dr. Blau, leitete die Versammlung. Zunächst sprach Herr Ministerialrat Dr. H i r s g h. Nach einem Ueberblick über die der Gründung der Reichsvertretuüg vorausgehenden und vor ihr schon existierenden Zusammenschlüsse von Gemeinden und Landesverbänden legte der Referent die Notwendigkeit dar, diese freien Organisationen des deutschen Judentums zusammenzufassen. Nur in dieser Zusammenfassung ist es möglich, die Arbeiten zu leisten, die dringender Lösung harren. Insbesondere ist eine starke Reichsvertretung notwendig, um die Wirtschafts-, Berufs- und Sozialpolitik der Juden in Deutschland erfolgreich zu betreiben. Die Bearbeitung dieser Fragen berührt nicht nur die Existenz des einzelnen Juden, auch der Bestand der Gemeinden ist.von der erfolgreichen Durchführung der hier eingeleiteten Maßnahmen abhängig. In diesem Zusammenhang erörterte Ministerialrat Hirsen die für die deutschen und jüdischen. Interessen erwiesene Untragbarkeit des Arierparagraphen im Wirtschaftsleben. Im Rahmen dieses Arbeitskomplexes spielen die Bemühungen um die Organisation der Arbeitnehmer Schaft eine wichtige Rolle. Die Maßnahmen, die die Reichsvertretung hier zu treffen hat, sind deshalb sehr schwierig, weil im Staate der ständische Aufbau, der -die Regulierung der Beziehungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer regelt, noch im Werden ist. Die Reichsvertretung hat einen Arbeitnehmerausschuß gegründet und geht daran, in allen Städten, in denen die Zahl der jüdischen Arbeitnehmer es rechtfertigt, gleiche Ausschüsse zu bilden. In der Wahrung des Rechtsschutzes der Arbeitgeber und Arbeitnehmer, in den Bemühungen Beteiligung an öffentlichen Aufträgen zu erwirken, in dem Streben, die Bedarfdeckungsscheine auch für jüdische Geschäfte nutzbar zu machen, wird die Reichsvertretung von den hierzu legitimierten Organisationen unterstützt. — Ein weiteres Tätigkeitsfeld der Reichsvertretung auf wirtschaftspolitischem Gebiet ist die Ueberwachung der Berufsumschichtung, die nach handwerklichen und landwirtschaftlichen Berufen hin tendiert. Zur Frage der damit zusammenhängenden Auswanderungsbestrebngen äußerte der Referent, daß die Reichsvertretung hier eine vordringliche Aufgabe habe, um in den planlosen Aufbruch Sicherung zu tragen. In den ersten Wochen nach der Krise hat vielfach eine Auswanderung eingesetzt, die nur abgelehnt werden kann. Die Reichsvertretung steht auf dem Standpunkt, daß wer immer nur wirtschaftlich und nach den Kräften seines Geistes und Willens in der Lage ist, hier zu bleiben, nicht auswandern soll. Sie glaubt, daß in Deutschland die Möglichkeit gegeben ist und geschaffen werden muß, als aufrechte deutsche Juden zu leben. Wo dem Einzelnen diese Möglichkeit nicht gegeben ist, soll die Auswanderung keine planlose, sondern eine geregelte sein. Sie soll dem Auswandernden die Verbindung mit der deutschen Kultur, in der wir groß geworden sind, sie soll ihn aber insbesondere dem Judentum erhalten. Auch die Möglichkeiten für Einwanderung bedürfen sorgfältiger Prüfung. Das einzige Land, in dem eine Masseneinwanderung zurzeit möglich ist, ist das Land der Väter. Die bloße Existenz Palästinas als jüdisches Einwanderungsland ist eine Kraftquelle für das deutsche Judentum, die jedem Juden heute eine Angelegenheit ist, auch dem, der der Palästinaarbeit in der hinter uns liegenden Zeit fremd gegenüber stand. — Auch die Rückwanderung beansprucht die Aufmerksamkeit der Reichsvertretung. Das zweite große Aufgabengebiet der Reichsvertretung liegt auf dem Gebiet der Schul- und Erwachsenenbildung, in verschiedenartiger Tätigkeit auf kulturellem Gebiet. Hierüber und über Fragen der Gemeindeverwaltung zu sprechen, fiel Herrn Rabbiner Dr. Hoffmann zu. In engem Zusammenhang mit diesem Fragenkomplex steht das Gebiet der Wohlfahrtspflege, wo die Reichsvertretung durch den Zentralausschuß für Hilfe und Aufbau von besonderer Aktivität ist. Die Prüfung der Etats der Wohlfahrtsanstalten soll in Zukunft darüber entscheiden, ob bei der Beschränktheit der zu verteilenden Unterstützungen Institutionen erhalten werden sollen, deren Lebensmöglichkeit und AUSLAND- UND PALÄSTINATRANSPORTE / ALBERT HERZ Sammelladungen Verpackung - Verzollung Schnellverkehr mit Trajektwagen INTERNATION VLE SPEDITION eigene Lagerhäuser Versicherung nach England ohne Umlädt , FRANKFURT-M. eigener FUHRPARK . nacn tngiana onne Umladung TeL 3()576 Gutleutetrasse 31-