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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1934-03-01 · 7 (3.1934) · p. Seite 267

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
12 (1933-1934)
Issue
7 (3.1934)
Date
1934-03-01
Page
Seite 267 (sequence 9)
Language
German
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Seite 267 rechtlichen Lage unterscheidet die Statistik zwischen Austritten aus der Gemeinde und aus dem Judentum. Bei den ersteren sind die Austretenden zum Teil noch Mitglied anderer jüdischer Gemeinden geblieben. Die Triebfeder dazu dürfte zum Teil in prinzipiellen Gründen, mehr aber in finanziellen liegen, wie dies etwa auch bei den Kirchen zu beobachten ist. Dabei ist interessant, daß die Austritte aus der Gemeinde seit 1930 dauernd zurückgehen und insbesondere in den letzten Monaten 1933 keine Bedeutung mehr haben, da es sich fast nur um Mitglieder anderer jüdischer Gemeinden handelt. Insgesamt gehörten in den fünf Jahren von 439 Ausgetretenen 160 anderen Gemeinden an, 1933 von 34 Ausgetretenen 29. Dagegen hat sich die Kurve der aus dem Judentum Ausgetretenen genau umgekehrt verhalten. 1929 und 1930 spielten diese, die dem Judentum ganz den Rücken kehren, überhaupt keine Rolle. Seit 1931 steigt die Zahl und erreicht im Frühjahr 1933 nach der nationalen Revolution ihren Höhepunkt. Während nun diese aus dem Judentum Ausgetretenen zum größeren Teil aus Frauen bestehen, es sich also offenbar um den jüdischen Teil von Mischehen handelt, sind unter den aus der Gemeinde Ausgetretenen die Männer in der. Mehrzahl. In der Zahl der Wiedereintritte fällt zunächst das Jahr 1933 auf, wo diejenigen erscheinen, die wieder zum Judentum zurückgefunden haben. Hier handelt es sich vorwiegend um Männer, ebenso wie bei den Wiedereintritten in die Gemeinde. Dagegen bestehen die Aufnahmen Andersgläubiger in das Judentum fast nur aus Frauen, zumeist früher evangelischer Konfession, die vor ihrer Verheiratung den Glauben ihres Mannes angenommen haben. Die Zahl macht durchschnittlich immerhin fast 20 Prozent der unter Mitwirkung der Gemeinde abgeschlossenen Ehen aus. Im Ganzen ist in den letzten beiden Jahren die Verminderung der Gemeinde durch den Ueberschuß der Austritte über die Eintritte rückläufig; die Ziffer für 1933 ist weitaus die geringste der fünf Jahre. Die Abwanderung Zuzug und Wegzug Z u g a n g We g z u J 7 Verminderung durch Wegzug Männer Frauen Zus. Männer Frauen Zus. Männer Frauen Zus. 1929 929 643 1572 1004 621 1625 75 22* 53 1930 938 705 1643 1278 995 2273 340 290 630 193 L 977 701 1678 1237 945 2182 260 244 504 1932 748 599 1347 976 780 1756 228 181 409 1933f 310 346 656 1081 987 2068 771 641 1412 f Vorläufige Ziffern * Mehl Zuzug Der dritte, ziffernmäßig ausschlaggebende Faktor für die Verminderung der Bevölkerung ist der Ueberschuß der Abwanderung über die Zuwanderung. Leider ist im einzelnen die Herkunft der Zuwanderer und die Richtung der Abwanderung nicht festzustellen. 1933 ging der größere Teil der Auswanderung natürlich nach dem Ausland, und zwar ziemlich genau 70 Prozent. Indessen stehen, wie bereits erwähnt, die endgültigen Ziffern für dieses Jahr noch nicht fest und werden wohl etwas höher sein als dio in der Tabelle angegebenen. Die Vermehrung der jüdischen Bevölkerung Frankfurts war bis zum Beginn der Krise fast ganz das Ergebnis des Zuzugs von außerhalb, der den Bevölkerungsunterschuß und den Austrittsüberschuß mehr als ausglich. So ist das Jahr 1929, das erste unserer Tabelle, das einen ganz kleinen Ueberschuß von wegziehenden Männern,.aber noch von zuziehenden Frauen aufweist, offenbar das erste, das die Aenderung anbahnt. Wenn zunächst wohl auch fluktuierende Elemente an der erhöhten Abwanderung beteiligt sind, werden später auch andere Schichten erfaßt, zu denen arbeitslose junge Menschen gehören, die zu ihrer Familie zurückkehren, so daß sich auch leichte Anzeichen einer Rückwanderung aufs Land erkennen lassen. Nach der sehr lebhaften Wanderungsbewegung des Jahres 1930, des ersten schweren wirtschaftlichen und politischen Krisenjahres, tritt eine Beruhigung ein, bei der sowohl Zuwie Abwanderung wie auch der Ueberschuß zurückgehen. So ist der Wegzug von Männern 1932 geringer als 1929, allerdings die Wanderung von Frauen wesentlich höher. Die Ereignisse des Jahres 19 33 verändern dann alles von Grund auf. Der Zuzug geht auf die Hälfte zurück, der Wegzug steigt — nach den vorliegenden unvollständigen Ziffern — um 17 Prozent, so daß der Bevölkerungsverlust fast so groß ist wie in den drei vorhergehenden Jahren. Die Schrumpfung der Gemeinde Verkleinerung der Gemeinde durch: Sterbeflberschuss Ueberschuss der Austritte Abwand? rungs* fiberschuss Insgesamt M. Fr. Zus. M. Fr. Zus. M. Fr. Zus. M. Fr. Zus. 1929 1930 1931 1932 1933 56 62 80 99 116 90 77 85 102 109 146 139 165 201 225 65 73 76 52 16 10 29 37 39 42 75 102 113 91 58 75 340 260 228 771 *22 290 244 181 641 53 630 504 409 1412 196 475 416 379 903 78 396 366 322 792 274 871 782 701 1695 413 463 876 282 157 439 1674 1334 3018 23ü9 i 1954 4323 * Zuwanderungsüberschuss. Mit allen Vorbehalten können nun die drei Quellen des Verlustes zusammengezählt werden. Daraus ergibt sich die Bevölkerungsbilanz der Israelitischen Gemeinde Frankfurt a. M. 1600 - ■ 1500 - - 1*00 1300 - - 1200 - - 1100-- 10OO- 900-' .. 800" 100 — 600 — 500-- wo-~ 300— 200 100- DieEinze/fakforen der Verringerung der Gemeinde D Wegzugsüberschuß iü Austrittsüberschuß H Sterbeüberschuß —1600 --1500 --1UOO --i300 --120O --110O —1000 — - 900 — 800 700 — 600 500 HOO 300 -- 200 -- 100 1929 1930 1931 1932 1933

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