Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 12 (1933-1934)
- Issue
- 7 (3.1934)
- Date
- 1934-03-01
- Page
- Seite 266 (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 266 Mischgeburten und uneheliche Kinder Mutier Jüdin Vater Jude Uneheliche- Valer Nichtjude Mutter Nichtjüd. Geburten inO/0 der inO/0 der in0/oder Geburt. Geburt. Geburt 1929 14 5,4 17 66 6 2.3 1930 4 1,7 4 1,7 16 6.8 1931 — 0 — 0 10 5.3 1932 — 0 — 0 5 3,9 1933 1 0,9 3 2,8 6 5.7 * Trotz der vielen Mischehen, welche, abgesehen von dem ahnormen Jahr 1933, über 21 Prozent der gesaraten Eheschließungen ausmachten, spielt die Zahl der Geburten aus Mischehen keine beträchtliche Rolle. Die Statistik weist ab 1930 hierin eine Lücke auf, da nur diejenigen Geburten aus Mischehen erfaßt sind, bei denen die Kinder jüdisch erzogen werden sollen. Die Zahl der Geburten aus Mischehen ist jedoch nach allen Erfahrungen nur sehr gering, so daß wesentliche Veränderungen dadurch nicht eintreten. Die Ziffer der unehelichen Geburten ist in den Krisen jähren 1930 und 1931 nicht unwesentlich gestiegen: schuld hieran dürfte der Umstand tragen, daß infolge der wirtschaftlichen Schwierigkeiten eine Verheiratung vor der Geburt des Kindes nicht mehr stattfand. Unfälle und Selbstmorde Unfälle in°/o der Selbstmode Zus. in o/o der Zus. Todes» Todes« Männer Frauen fälle Männer Frauen fälle 1929 6 0 6 1,5 * 5 8 - i3 32 1930 6 3 9 2.4 5 3 8 2,1 1931 5 2 7 2,0 14 6 20 5,6 1932 3 1 4 1.2 5 5 10 3,0 1933 2 0 2 0,6 11 13 24 7,3 Die schon erwähnte Tatsache, daß die Selbstmordziffer in den letzten Jahren wesentlich gestiegen ist, dürfte vorwiegend auf wirtschaftliche Gründe zurückzuführen sein. Im Jahr 1931 wird dies aus der großen Zahl der Selbstmorde von Männern deutlich. 1933 wird die Steigerung der Selbstmorde von Frauen in erster Linie auf psychische Umstände zurückzuführen sein. Eheschliessungen o. Mitvr. d. Gem. davon Mischehen konserv. liberal Zus. Zus. Insges. in«y0det Eheschi. Jude m. N.dttjfld Nichtj. m. Jüdin 1929 50 75 125 116 241 43 17,8 — — 1930 58 44 102 104 206 44 21,4 26 18 1931 32 46 78 93 17 t 37 21.6 19 18 1932 54 25 79 92 17 L 37 21.6 26 21 1933 43 42 85 107 192 61 31,8 46 15 Die Eheschließungen waren in den besprochenen Jahren im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung hoch. Hanauer errechnet für die Zeit 1905 bis 1910 etwa 6,8 bis 6,9 Eheschließungen auf 1000 der Bevölkerung. Bei einer Annahme von rund 25 000 Mitgliedern der Gemeinde (genaue Unterlagen sind nicht vorhanden) war noch 1929 die Eheziffer knapp 8 vom Tausend (rein jüdische Ehen); sie geht auch in den drei folgenden Jahren nicht allzu stark zurück. Dies hat seine Ursache in den noch stark besetzten Jahrgängen 1900 bis 1908 für Männer und 1905 bis 1912 für Frauen, die in dieser Zeit zur Ehe gekommen sind. Die Mischehen schwanken zwischen 25 und 30 Prozent der gesamten Eheschließungsziffer. 1933 sind die Mischehen allerdings außerordentlich in die Höhe gegangen. Bedingt ist dies wesentlich aus politischen Ursachen, da aus Furcht vor einer Rassegesetzgebung noch zahlreiche Ehen geschlossen worden sind. Unter den Mischehen überwiegen durchweg die Ehen von Juden mit Nichtjüdinnen über die Ehen von Nichtjüdinnen mit Juden. Außerordentlich schwankend ist unter den Trauungen unter Mitwirkung der Gemeinde das Verhältnis der konservativen zu den liberalen Eheschließungen. Während 1932 mehr als doppelt soviel konservative als liberale Trauungen stattfanden, sind 1929 die Proportionen 2 konservative auf 3 liberale Trauungen gewesen". Die Zahl der Eheschließungen ohne Mitwirkung der Gemeinde steigt prozentual dauernd an. Während sie 1929 noch unter der Hälfte der gesamten Eheschließungen lag, steigt sie 1933 auf über 10 Prozent. Barmizwas Konservat. Liberal Zus. 1929 18 38 56 ' 1930 32 21 53 1931 28 23 51 1932 43 42 85 1933 67 62 129 Auch das Verhältnis von konservativen zu liberalen Barmizwas ist schwankend. Die gleichbleibende Zahl in den Jahren 1929 bis 1931 ist das Ergebnis der niedrigeren Geburtenziffer der Kriegszeit. Daraus ist auch dann die Erhöhung der Barmizwas im Jahre 1933 zu verstehen. In diesem Jahre fanden wesentlich mehr Barmizwas statt als Geburten. Austritte und Eintritte A u s t aus dem Judentum M. | F. | Z ritte aus der Gemeinde M. | F. | Z. Austritte insgesamt M. | F. H. 1929 1 0 1 68 37 105 69 37 106 1930 2 0 2 82 49 131 84 49 133 1931 15 12 27 67 45 112 82 57 139 1932 26 28 54 36 21 57 62 49 111 1933 27 46 73 19 15 34 46 61 107 Wi e d ere in das Judnntutn M. | R | Z. i ntritte in die Gemeinde M. | F. | Z. Wiedereintritte insgesamt M. | F. 1 Z. 1929 0 1 1 3 4 7 3 5 8 1930 0 1 1 11 3 14 11 4 15 1931 1 0 1 5 2 7 6 2 8 1932 2 0 2 7 1 8 9 1 10 1933 13 6 19 15 3 18 28 9 37 1929 1930 1931 1932 1933 Aufnahmen Männer Frauen Zus. 22 16 18 9 10 23 16 18 10 12 Verminderung der Gemeinde durch Bin« u. Austritte Männer I Frauen I Zus. 65 10 75 73 29 102 76 37 113 52 39 91 16 42 58 Neben der natürlichen Bewegung der Bevölkerung wird die Vergrößerung und Verkleinerung der Gemeinde durch Eintritte und Austritte bestimmt. Auch diese Entwicklung bedeutet eine wesentliche Verminderung der Zahl der Gemeindemitglieder. Entsprechend der