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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1934-02-01 · 6 (2.1934) · p. Seite 254

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
12 (1933-1934)
Issue
6 (2.1934)
Date
1934-02-01
Page
Seite 254 (sequence 28)
Language
German
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Seite 254 Empfinden zu stärken. „Liberale Besinnung", „Gemeinschaft und Individualismus", „Das Hebräische als Gebetssprache", sie alle, so verschieden auf den ersten Blick die Themen sind, zeigen die Probleme und geben Antwort, oder versuchen sich an der Lösung, denn welcheB Gebiet im einzelnen auch aufgegriffen wird, alle suchen sie Antwort zu geben aus dem Geiste unserer Religion auf die Frage nach unserem Verhalten, nach der Bewahrung unseres religiösen Empfindens in der Synthese mit unserer deutschen Kultur. Größere Schriften, die man als bleibende Literatur bezeichnen könnte, sind meines Wissens kaum erschienen, zu sehr drängte die Gegenwart mit ihren Problemen, zu schwer wäre es gewesen, zusammenfassend Gültiges für die kommende Zeit zu sagen, da alles noch im Fluß war. So sieht diese heutige Uebersicht vielleicht etwas ungewöhnlich aas, da sie sich in der Hauptsache mit Zeitschriftenaufsätzen beschäftigt, aber nur in ihnen kann man den Spiegel dieses J?hres erkennen, in Artikeln, die mit den sich überstürzenden Erscheinungen und Ereignissen Schritt zu halten vermochten. Und wenn ich nun noch eine große Anzahl aufzählen würde, Schriften, die ich nicht erwähnte, die doch auch die Stellung zum Deutschtum bejahten, so könnte das Bild sich nicht ändern; ein Bild zu geben aus den Gedankengängen dieses Jahres, ein Bild der Literatur, die eben für dieses außergewöhnliche Jahr bezeichnend war, nicht ein Bild etwa außerhalb der Zeitereignisse stehender Literatur, ist der Sinn dieser Zeilen. Und so schließe ich mit einem Wort des Israelitischen Familienblatts vom 28. 12. 33 aus der „Rückschau auf ein ernstes Jahr", ein Wort, das uns das Ergebnis der Arbeit dieses Jahres bedeuten mag: „Durchdringt jeden von uns, den letzten Juden in Stadt und Land, das Streben, tätig an der Gestaltung deutschjüdischen Seins, an der Zukunft einer auf sich stolzen und dem Staatsganzen zugleich treuergebenen deutschen Judenheit mitzuwirken — dann kann diesem Jahre des Schicksals ein Jahr verheißungsvollen Aufbau s folgen." Als am Ende des Jahres die deutschjüdische Jugend in Lehnitz zu einem Bunde sich zusammenschloß, war sie erfüllt von diesen Gedanken, die in all den zitierten Schriften des Jahres ihren Niederschlag gefunden hatten. Arthur Astheimer Die Schriften der zionistischen Jugendbewegung Zionismus konnte sich niemals darauf beschränken, das jüdische Volk nur in seinen Anschauungen — in seiner Ideologie — zu verändern. Immer sah die Bewegung ihre eigentliche Aufgabe darin, das jüdische Volk nicht nur in seinem Denken, sondern in seinem Leben zu ändern, eine neue jüdische Gemeinschaft in Erez Israel zu errichten, aufgebaut auf jüdischer Arbeit und hebräischer Kultur. Somit kann die Leistung, nach der die Bewegung gemessen werden will, niemals ihre literarische Produktion sein. Ein palästinensischer Arbeiter sprach die Worte: „Das jüdische Palästina drückt sich tiefer durch sein eigentliches Sein aus, als durch Worte und Reden." Die zionistische Jugendbewegung — voran der Hechaluz und die um ihn gruppierten chaluzisch-zionistischen Jugendbünde (heute vor allem Habonim und Werkleute) — hat diesen Gedanken des Zionismus stets am radikalsten erfaßt. Die Schriften, die die zionistische Jugendbewegung, vor allem der Hechaluz und der Bund Habonim, im Jahre 1933 herausgegeben hat, wenden sich an die Bewegung selbst und nicht an jenen unbestimmten Leserkreis, der der jüdischen Tagesliteratur ihren eigentümlich unverbindlichen Charakter gibt. Aber schließlich ist heute die ganze jüdische Jugend in Bewegung geraten, und die einführenden, informierenden Schriften sprechen zu dem neuen Chawer nicht minder eindringlich als zu dem UnentS3hiedenen und Uninforinierten. Den ersten Einblick in die Ziele der chaluzischen Bewegung gibt die kleine Broschüre: „Was ist der Hechaluz?" Ueber die neuen Siedlungsformen des juagen jüdischen Palästina berichtet ebenfalls in sehr gedrängter und aufschlußreicher Weise das kleine Heft: „Von Kwuza und Kibbu z". Und als drittes Heft dieser Reihe sei auf das Heft: „D i e H i s t a d r u t h" hingewiesen, das eine erste Einführung in die Organisation der jüdischen Arbeit in Palästina gibt. (Erschienen: Verlag Hechaluz, Berlin W 15, Meinekestr. 10, 1933. Preis 10 Pfennige.) Wenn auch die chaluzische Bewegung in Deutschland zu einer Massenbewegung der jüdischen Jugend, geworden ist, so muß doch der Versuch unternommen werden, jeden erreichten Menschen ganz zu erfassen und ihm die erste erahnte und erstrebte Bindung an das jüdische Volk, an das Judentum und an das Aufbauwerk zu geben. Die Schriften der deutschen chaluzischzionistischen Juerend unterscheiden sich hier von der üblichen jüdischen Zeitschriftenliteratur, insbesondere der Jugendliteratur. Werden dort gewöhnlich nur Ideologien gebracht und ideologische Diskussionen ausgetragen, so tritt das in diesen Schriften zurück gegenüber einer Verbindung mit der Wirklichkeit. Um es an Beispielen zu zeigen: Es wird nicht von der Verbundenheit mit anderen Teilen des jüdischen Volkes gesprochen, sondern man erzählt ganz konkret von dem Leben der Juden in Amerika, in Bessarabien, in Polen, im Ghetto von Damaskus. Man diskutiert nicht abstrakt über die Frage der jüdischen Erziehung, sondern gibt einen Bericht über die Schule von En Charod. Die Fragen des arbeitenden Palästinas stehen im Vordergrund. Auch hier eine sympathische Verbindung von Theorie und Praxis. Neben Aufsätzen über Transjordanien, über nationales und privates Kapital in der Kolonisation Palästinas, stehen Berichte und Briefe der Chawerira aus Palästina, die so eine Brücke zur Wirklichkeit des Landes schlagen. Die Fragen der Bewegung, insbesondere der Berufsumschichtung, fordern ihren Platz. Ein Vorzug dieser Schriften ist, daß hier nicht nur Menschen aus der deutsehen zionistisch-chaluzischen Bewegung mitarbeiten, sondern führende Menschen der zionistischen Bewegung, dem arbeitenden Palästina. Wir finden Aufsätze von Beilinsohn, dem ermordeten Arlosoroff, Luban, Frumkin und anderen. Von den bisher erschienenen Heften, die sich wohl jeden Monat um ein neues vermehren, weise ich auf die Hefte: Hag.shama (Selbstverwirklichung), Baderech (Unterwegs), B a m a a 1 e h (Aufstieg), Baawodah (Bei der Arbeit), C h e r u t h (Freiheit) hin. (Sämtlich erschienen Verlag Hechaluz, Berlin, Preis 25 Pfg.) Das arbeitende Erez Israel spricht selbst in einer dritten Reihe von Schriften, die der deutsche Hechaluz in Gemeinschaft mit dem Jugendbund Habonim herausgibt. Das erste Heft: .,Z u r z w e i t e n A1 i j a h" druckt zwei in ihrer Schlichtheit ergreifende Berichte über die Arbeit und Kämpfe der zweiten Alijah in Palästina ab, jener russisch-jüdischen Studenten, die 1905 ins Land kamen und dort von der türkischen Regierung behindert, unverstanden von der jüdischen Bevölkerung des Landes und ohne Resonanz in der Galuth, die Fundamente zu dem heutigen Kolonisationswerk legten. Das zweite Heft: „Kibbuz, Kultur und Wirtschaft", aus der Tagung des Kibbuz Meuchad in Jagur 1933, stellt wohl ein Novum in der umfangreichen deutschsprachigen Palästinaliteratur dar. Hier hören wir die ernste, sehr kritische und strenge Aussprache, die die Menschen der Kibbuzbewegung (Gemeinschaftssiedlung) über ihre eigenen Fragen und Sorgen führen, eines der stärksten menschlichen Dokumente des neuen Palästina. Das dritte Heft: „Zum jüdisch-arabischen Problem" (Preis RM. 1.25) ist schon kein Heft mehr, sondern ein richtiges Buch geworden, und zwar wohl die beste und vielseitigste Materialiensammlung, die es zu dieser Frage in deutscher Sprache gibt. Hier werden bedeutsame Dokumente aus allen Kreisen des Jischuw abgedruckt: Moses Beilinsohns berühmte Aufsatzserie, Artikel von Ben Gurion, J. Siman, Ellazari- Volkani, Moses Smilansky, Brith Schalom, Ernst Simon; den Abschluß bilden zwei bemerkenswerte Artikel von Enzo Sereni und Elieser Liebenstein über die außenpolitische Orientierung

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