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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1934-02-01 · 6 (2.1934) · p. Seite 253

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
12 (1933-1934)
Issue
6 (2.1934)
Date
1934-02-01
Page
Seite 253 (sequence 27)
Language
German
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JUGEND UND GEMEINDE Beilage zum Frankfurter Israelitischen Gemeindeblatt Herausgegeben von der Jugendkommission der Israelitischen Gemeinde _ Nr. 6______FEBRUAR 1934 Alle Artikel sind persönliche "Meinungsäusserungen der Verfasser, die Schriftleitung der Beilage übernimmt nur die pressgesetzliche Verantwortung. — Beiträge für die Beilage und Zuschriften sind an den Schriftleiter der Beilage Georg Guthmann. Betlinastr. 41 zu richten Schriften der jüdischen Jugend 1933 Schriften der Jugend — das sind die selbst gesdiaffenen Spiegelbilder ihrer Gedanken und ihrer Arbeit. Die ältere und jüngere Generation, beide wollen diese Bilder sehen; die ältere aus ihrer Verantwortung für die Jugend, die jüngere, um sich zu orientieren und sich zu entscheiden. Der vorliegenden Beilage fehlt zur Vollständigkeit der Aufsatz über die Schriften der konservativ-orthodoxen Jugend; er war bis zum Abschluss der Beilage nicht zu erlangen und soll in einem der nächsten Hefte nachgebracht werden. Die Schriftleitung. Schriften der liberalen Bewegung Ein Jahr der Not, aber auch der Besinnving und Einkehr liegt hinter uns. Kein Wunder, daß auch die Literatur des vergangenen Jahres ein Spiegelbild all der Sorgen und Ueberlegungen darstellt, mit denen wir deutsche Juden, mit denen die deutschjüdische Jugend erfüllt war. Und doch sind es im wesentlichen zwei Fragen, um die alles Denken kreist: Unsere Stellung im Deutschtum und im Judentum. Bald nach der umwälzenden Revolution wissen die deutschjüdischen Schriftsteller, weiß die deutschjüdische Jugend ihren Weg. Ich kann nur willkürlich und zufällig ein Weniges herausgreifen, es ist unmöglich, das Beste und Wichtigste in der kurzen, zur Verfügung stehenden Zeit herauszusuchen; auch kann ich nicht trennen zwischen den Schriften der Jugend und der „Erwachsenen", erfüllt diese Schriften doch die gleiche Einstellung, die gleiche Aufgabe. Nicht in Büchern und in der großen Literatur findet sich der Niederschlag dieses Jahres, sondern in den Zeitschriften und Zeitungen, die ohne Zeitverlust in aktueller Verbundenheit unsere Sorgen zum Ausdruck bringen. Ich will zum Eingang zunächst auf eine Abhandlung hinweisen, die, im April-Heft des „Morgen" erschienen, zunächst Besinnung und Erkenntnis des Gegebenen sucht, indem sie Stellung nimmt zu der die Umwelt bewegenden und erfüllenden Frage. Diese Abhandlung „U e b e r die Abstammung der Juden", die eine anthropologische Feststellung bringt, mündet in der Antwort: Nicht eine Rasse, sondern eine durch das Schicksal psychologisch bestimmte, auf Religionsbereitschaft fundierte Eigenart kennzeichnet das Judentum. Noch ist Suchen, Sichten, reines Feststellen Inhalt der Literatur. Aber doch tritt schon im gleichen Monat (Jüdisch-Liberale Zeitung Nr. 2, vom 15. 4. 33) der Vorsitzende der Vereinigung für liberales Judentum, Heinrich Stern, vor uns und fordert als Ergebnis der Zeit das Pessachwort: „Gehe hin und lerne!" Und in der gleichen Nummer ruft George Goetz sein zuversichtliches: ,.Ja —es gibt noch eine Zukunft!", eine Zukunft für ein liberales deutsches Judentum. Fast will mir scheinen, daß beide Rufe, der der F o r d e r u n g und der des Tröste s, untrennbar zusammengehören: Aus der Besinnung, aus der Lehre die Kraft der Zuversicht zu schöpfen und so mit Vertrauen und Pflichtbereitschaft an den Wiederaufbau heranzugehen. Und bald erscheint das Resultat: Unter dem Motto „Die Zukunft der deutschen Juden" bringt das Israelitische Familienblatt Nr. 21 vom 27. 5. 33 das weitere unverrückbare Bekenntnis. Zuversicht und Aufgabe klingt aus den Worten Heinrich Sterns. Und Dr. Ludwig Freund schreibt in der gleichen Nummer: „Die Aufgabe, die uns gestellt ist, ist eindeutig und klar: Judentum der Jetztzeit ist an. die Diaspora gebunden. Vollgültiges Sein als Menschen können wir in dieser Gebundenheit nur gewinnen, wenn wir in den außerjüdischen Lebensbezirken ungebrochen teilhaben an den Lebensverhältnissen der Umwelt" und: „Echte Gemeinschaft besteht nicht nur durch den Verstand, sondern durch das Gefühl. Und wen sein nationales Zugehörigkeitsgefühl zu Deutschland drängt, dem wird man das Gegenteil nie beweisen können." Nachdem das liberale Judentum so in verhältnismäßig kurzer Zeit seine klare Linie gewonnen hatte, folgte eine Intensivierung der Arbeit im Sinne jener Aufgabe der Vertiefung der religiösen Kenntnisse, des religiösen Erlebens, das uns die Stärke geben muß, auch in unserem Kampf um Deutschland, von dem wir unlösbar sind. Es erübrigt sich, weiter Einzelumschau zu halten nach Stellungnahmen, nach den Aeußerungen aus dem Kreise der Jugend selbst, denn diese Stellung war einheitlich und ist es heute mehr denn je. Gewaltig war das Erlebnis der Lehnitzer Tagung, in der die gedruckten Aeußerungen der einzelnen Führer ihren spontanen Niederschlag fanden. Die tiefe und unzerstörbare Verbundenheit mit der deutschen Heimat strömt aus einem Gedicht (aus einem Zyklus: Deutsche Juden 1933), da einer die Worte spricht: „Mir wird so sehwer zu Sinn — auf allen fremden Gassen wird Heimweh mich erfassen, weil ich ein Deutscher bin!" Ein Beispiel aus dem Kreise der Jugend sei angeführt, eine Aeußerung, die den Sinn aller verdeutlicht, das Bekenntnis unserer gesamten Jugend wiederspiegelt: „Ueberflüssig, noch einmal die Verbundenheit zu betonen: Landschaft und Sitte, Kultur und Sprache. — Deutschland ist unsere Heimat, diese Erde ist unsere Erde! Der Maßstab unserer Heimatliebe liegt in uns. Wir orientieren uns nicht nach anderen, weder früher noch heute. Wir sind Deutsche und werden immer um unser Deutschtum kämpfen." (Werner Graff, J. L. Z. Nr. 12, v. 15.9.33.) Aber neben der klaren Stellung zum Deutschtum, das nicht gewonnen zu werden brauchte, weil es in uns lag, tritt immer mehr und verstärkt zugleich das Wesenhafte unseres Judeseins hervor. Monate der Besinnung und Rückkehr zum Geiste unseres Glaubens liegen hinter uns. Wieder und wieder tauchen die Fragen der lebensnahen Gestaltung unserer Religion, der Ruf nach Vertiefung und Verinnerlichung auf. Unmöglich auch hier ins Einzelne zu gehen. Ein Heft der „Gemeinschaft", vom 24. 11. 33, birgt allein schon eine Fülle von Fragen und Forderungen, die alle in eine münden: Der Jugend das religiöse

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