Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 12 (1933-1934)
- Issue
- 6 (2.1934)
- Date
- 1934-02-01
- Page
- Seite 252 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 252 stinakunde muß zusätzlich geleistet werden. Um die geistige Einstellung auf Palästina bei den Schülerinnen bemüht sich besonders das Kreuznacher Kinderh.eim. Nicht zu verschweigen sei bei aller Begeisterung das häufige Versagen .gegenüber schwerer Arbeit. Man erwägt daher auch ein „Bewährungsjahr" in * Deutschland als Bedingung für die Uebersiedlung nach Palästina. Die Erzieherinnen stimmten darin überein, daß fast alle aufgestellten Forderungen auch für die im Lande Bleibenden gelten müßten. Das dritte Referat, welches Frau Galewski-Berlin über „D i e Ausbildung im Privathaushalt" hielt, konzentrierte sich hauptsächlich auf das Verhältnis zwischen Hausfrau und Hausangestellte. Die Abneigung der letzteren gegen den Hausangestelltenberuf dokumentierte sich z. B. kürzlich in Berlin, wo 55 von 80 Mädchen einen Kurs verließen, dessen Unentgeltlichkeit von der Verpflichtung, später eine Hausstelle anzunehmen, abhing! Viel Schuld trifft dabei die Mütter der Mädchen, Avelchen die geringe soziale Einschälzung dieses Berufs ihn für die Töchter als unerwünscht erscheinen läßt. Einen günstigen Anreiz zur Annahme von Häusstellen bot auch ihre Anrechnung als Hachscharah durch das Palästina-Komitee in Leipzig. Der beschränkte Raum gestattet natürlich nur eine andeutungsweise Wiedergabe der interessanten Verhandlungen. So sei hier nur noch auf einen Antrag einiger Delegierter hingewiesen, der zur Bildung eines Hausfrauenvereines aufforderte, und der demnächst einer Vorstandssitzung des J. F. B. vorliegen wird. Ella Werner Jüdische Bahnhofshilfe Von allen Zweigen der sozialen Arbeit ist die Bahnhofshilfe vielleicht der am wenigsten in der Oeffentlichkeit bekannte. Und doch verdient der tagaus, tagein am Bahnhof für die Ankommenden und Abreisenden geleistete Dienst, der sich aus so vieler Kleinarbeit zusammensetzt, weitgehendes Interesse und rege Unterstützung. Während es seit langem eine evangelische und eine katholische Deutsche Bahnhofsmission gibt, existiert die Jüdische Bahnhofsmission seit etwa zwanzig Jahren. Seit zehn Jahren hat auch die Ortsgruppe Frankfurt am Main des Jüdischen Frauenbundes eine Beamtin angestellt, die mit einigen wenigen ehrenamtlichen Helferinnen in treuer Sorge für die Nöte aller Reisenden den schwierigen Bahnhofsdienst verrichtet. Er gliedert sich in Hilfeleistungen, Unterkunftsbesorgungen und Ueberweisungen an soziale Einrichtungen für Schutzbedürftige jeden Alters. Unzählige Auskünfte werden tagtäglich über Ankunft oder Abfahrt der Züge erteilt, den stellensuchenden Mädchen werden die Adressen der Arbeitsvermittlungsstelle angegeben, Paßauskünfte werden gegeben, die entsprechenden Konsulate nachgewiesen, hungrige mittellose Durchwandernde, soweit es die Mittel erlauben, gespeist u. a. m. Als Unterkunft für eine Nacht wird, soweit die Reisenden über Mittel verfügen, ein einfaches Hotel oder ein Heim genannt. Als jüdisch soziale Unterkunftstätten existieren nur zwei für Frauen: die Wohnräume der Weiblichen Fürsorge Bäckerweg 26 und das ebenfalls von der Weiblichen Fürsorge unterhaltene Zimmer für Durchwanderer Obermain-Anlage 20. Die Ueberweisung der Reisenden an für sie in Betracht kommende Einrichtungen gliedert sich derart, daß Unterstützungsbedürftige bis 21 Jahre dem Städtischen Jugendamt, Aeltere dem Städtischen Fürsorgeamt überwiesen werden. Jüdische Reisende, die Unterstützung benötigen, werden zudem auch der Jüdischen Wohlfahrtspflege zugeführt, welche die Bahnhofshilfe in jeder Weise fördert. Die Jüdische Wandererfürsorge steht mit ihr in besonders reger Verbindung und benützt sie bei der Abreise ihrer Schutzbefohlenen. Bis Mai 1933 arbeitete die Jüdische Bahnhofshilfe nach einem mit den beiden anderen Konfessionen festgesetzten Stundenplan und erhielt auch wie diese eine monatliche Subvention vom Städtischen Fürsorgeamt. Diese Subvention wurde jetzt gestrichen und die Beteiligung an den sonst abgehaltenen gemeinsamen Sammlungen unmöglich Auch die Zusam-: menartieit der Jüdischen Bahnhofshilfe mit der evangelischen und katholischen Mission, die bis dahin immer reibungslos verlaufen war, wurde unterbrochen. Außerdem hat die Leitung der interkonfessionellen Bahnhofshilfe, in der der Jüdische Frauenbund seit über 20 Jahren vertreten war, mitgeteilt, daß die Reichsbahn sich gezwungen sieht, die Plakate auf den Bahnhöfen und in den Zügen, auf denen auch die Adresse der Jüdischen Bahnhofshilfe vermerkt ist, umzuändern, d. h. die jüdische Adresse zu übertünchen. Es wird betont, daß es Zweckmäßigkeitsgründe sind, die zu dieser Maßnahme veranlassen (durch dauernde Schädigung der Plakate erwachsen der Reichsbahn untragbare Kosten), und daß die Hilfstätigkeit auf den Bahnhöfen Juden gegenüber keineswegs eingeschränkt werden soll. So ist seit Juni 1933 die Jüdische Bahnhofshilfe auf sich selbst und die Unterstützung ihrer Freunde, deren Zahl diese orientierenden Angaben gerne vergrößern möchte, angewiesen. Die neueste Statistik, der nur einige wenige Zahlen entnommen wurden, veranschaulicht die Tätigkeit der Jüdischen Bahnhofshilfe. Es wurden betreut: Männliche Minderjährige vom 1.1.—31. 5. 33 vom 1. 6.—31.10. 33 unter 24 Jahren 67 74 Weibliche Minderjährige unter 24 Jahren 37 51 Männer 425 457 Frauen 167 283 Mädchen unter 21 Jahren 144 137 Kinder unter 14 Jahren 53 215 893 1217 Davon Juden 185 619 Diese Zahlen sind ein beredter Beweis dafür, welche Wichtigkeit, gerade in dieser Zeit der starken Judenwanderungen, der Jüdischen Bahnhofshilfe zukommt. Paula Nassauer-Niedermayer Hausfranenberatung Die Gegenwartsaufgaben für die weibliche Jugend in der jüdischen sozialen Arbeit stellen die hauswirtschaftlichen Fragen infolge der Berufsumstellung besonders in den Vordergrund. Vielfach besteht auch unter den jüdisdien Hausfrauen das Bedürfnis nach einer Stelle, die sie in den verschiedenen hauswirtschaftlichen Fragen praktischer und technischer Art mit Rat und Tat unterstützen kann. Um diesen Anforderungen in verstärktem Maße Rechnung zu tragen, wurde im Rahmen der Ortsgruppe des Jüdischen Frauenbundes und der Weiblichen Fürsorge eine Hauswirtschaftliche Kommission unter dem Vorsitz von Frau Stephanie Forchheimer, mit nachstehendem Aufgabengebiet gegründet: Beratung in hauswirtschaftlichen und Hausangestellten-Fragen Lehrkurse im Kochen, Nähen u. Flicken für Hausfrauen u. Haustöchter Hauswirtschaftliche Ausbildung — Häusliche Lehre. Die Kommission möchte allen jüdischen Hausfrauen Gelegenheit geben, ihre Anfragen, Wünsche und Anregungen an dieser Stelle vorzutragen, und hat daher eine Auskunftstelle und Sprechstunde jeden Montag und Donnerstag von tl —12 Uhr, H a n s - H a n d w e r k - Straße 3. I, Telephon 2709 3, eingerichtet.