Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 12 (1933-1934)
- Issue
- 6 (2.1934)
- Date
- 1934-02-01
- Page
- Seite 244 (sequence 18)
- Language
- German
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Seite 244 Chamischoh Osor Bi-Schwat Feier Einer seit vielen Jahren gepflegten Tradition folgend, veranstaltete die Gesellschaft für jüdische Volksbildung im großen Saal der Frankfurt-Loge eine Feierstunde aus Anlaß des „Neujahrstags der. Bäume". Fast fünfhundert schulpflichtige Kinder füllten den Saal und lauschten den eindringliehen Worten des Gemeinderabbiners Dr. Hoffmann. Die Naturnähe, so hob er hervor, habe dem Tag seine besondere Bedeutung gegeben. Die Naturverbundenheit sei die gültige Forderung dieses Tages; sie und die spezifischen landwirtschaftlichen und klimatischen Zustände des Heiligen Landes haben den Tag aufs neue für unsere Jugend sinnvoll gemacht. — Dr. Nathan Ehren reich fiel die schwierige Aufgabe zu, mit dem Knabenchor der Synagoge am Börneplatz der Veranstaltung die künstlerische Note zu geben, die dem festlichen, zukunftsgläubigen Charakter der Stunde entsprach. Dabei wurden die von Oberkantor Grosz mit dem Chor in bester Abstimmung vorgetragenen hebräischen Gesänge der feierliche Grundton des Programms. — Im zweiten, heiteren Teil gelang es der klugen und umsichtigen Leitung Dr. Ehrenreichs rasch den Kontakt zwischen der Zuhörerschaft und den Vortragenden herzustellen, so daß alle Kinder zu Mitwirkenden wurden. Jüdische Lieder, in ausgezeichneter Einstudierung und mit bewundernswerter musikalischer Disziplin von den 70 jungen Sängern gesungen und gemimt, wurden von Gesängen kleiner Gruppen und solistischen Darbietungen abgelöst. Als anregende Bindung traten die vier Fragesteller aus der Haggada auf. So wurde ein Laienspiel geschaffen, das nicht nur seiner geschmackvollen jüdischen Note, sondern auch seiner natürlichen künstlerischen Durchbildung wegen als beispiellos geglückt bezeichnet werden darf. Wenn im alten Laienspiel die gemeinschaftbildende Kraft als mächtigster Faktor empfunden wurde und wirksam war, dürfen die Veranstalter dieser Feier beanspruchen, in einem neuen Sinn den alten Werten Bedeutung gegeben zu haben. — Daß die Kinder reich mit Obst bewirtet wurden, sicherte den Veranstaltern weiteren Dank. Ghr. Anstalten und Vereine Sijnm-Feier Der Vorstand des Talmud Thora-Vereins und das Kuratorium der rabbinischen Lehranstalt Jesdiiwa hatten gemeinschaftlich zu einem Sijum- Mahl auf Sonntag, 12. Schebat (28. Januar) nach Minchah eingeladen. Anlaß gab die Beendigung des Talmud-Traktats „Joma", der in dreijährigem Studium von einem in den Lehrplan des Talmud Thora-Vereins eingefügten sogen. Baale Bathim-Schiur unter Leitung des Herrn Gemeinderabbiners Dr. J. Hoffmann „durchgelernt" worden war. Der Einladung war gern und freudig entsprochen worden. Eine schier unabsehbare Teilnehmerzahl aller Lebensalter und aus allen Lagern füllte den festlich erleuchteten und zu einfachem Festmahl hergerichteten Hörsaal der Synagoge am Börneplatz. Man sah neben den Dozenten- und Lehrerkollegien der Jeschiwa und des Talmud Thora-Vereins die Gestalten bekannter Thoragrößen aus der Menge der religiös-wissenschaftlich angeregten Kursteilnehmer und einer großen Zahl von Gemeindemitgliedern hervorragen. — Nach der in üblicher Weise erfolgten Beendigung des Lernens begrüßten die Herren Willy Mainz namens des Talmud Thora- Vereins und Jakob L. Goitein namens der Jeschiwa die erschienenen Vertreter zahlreicher prominenter Körperschaften, Freunde der festgeben-, den Vereinigungen und Anhänger mit Dankesworten den geistigen Führer dt-s Tliorastudiums, Herr Rabbiner Dr. Hoffmann, worauf dieser in längerer tiefschürfender Rede die Notwendigkeit und Zweckmäßigkeit solcher Veranstaltungen gerade im Hinblick auf die Zeitverhältnisse darlegte. Da die Thora vor Erschaffung der Welt gleichsam konzipiert gewesen, sei sie von jeder Zeitlichkeit losgelöst und gerade darum nach dem Willen des göttlichen Meisters dazu bestimmt, alle Bezirke des menschlichen Lebens und Tuns zu durchdringen und in die Sphäre des Religiösen und Ethischen zu erheben und dadurch zu heiligen. Diese Durchdringung mit dem Geist und dem Pflichtengehalt der Thora verleihe Kraft _ und Festigkeit, die der Jude unserer Tage in besonderem Maße benötige und die er nur durch sie erlangen könne. — Für den Vorstand der Israelitischen Gemeinde beglückwünschte Herr Julius Werner Jeschiwa und Talmud Thora-Verein zu ihren Erfolgen und Leistungen im religiösen Leben der Gemeinde und versprach auch weiterhin tatkräftiges Interesse der Gemeindeverwaltung an diesen wichtigen Einrichtungen religiöser Fortbildung. — Es sprachen ferner Herr Dr. S. B. Eschwege für die Synagoge am Börneplatz, welcher die engen Beziehungen des Talmud Thora zu der Synagoge hervorhob, Herr Kantor M. H e s für die Teilnehmer des im Zeichen der Feier stehenden Schiurs, der dem hingebungsvollen Leiter Dank für die zielbewußte und klare Vermittlung des Lehrstoffs zollte, Herr Professor Dr. Moritz Werner für die Frankfurter Logen und die Gesellschaft für jüdische Volksbildung, He.rr Rosenwasser für die ostjüdischen Betsäle und Herr Rechtsanwalt Klibanski für den konservativ-jüdischen Jugendverein. Hieran schloß sich zum guten Ende der Dank des Herrn Rechtsanwalts Dr. W i 1 c z e k an die Frauen, die an der Veranstaltung nicht teilnehmen konnten, gemäß dem Talniudwor* betho Su isditho. Da das Mahl außerdem von ernsten und heiteren gesanglichen Darbietungen der Herren Oberkantor E. Grosz, Kantor H e s und Kantor D o f f gewürzt wurde, verging die Zeit nur zu rasch und es war bald Mitternacht, als das Tischgebet verrichtet wurde. Unnötig zu sagen, daß auch der materielle Erfolg dank der Mitwirkung aller Beteiligten ein der Veranstaltung würdiger war. Talmud Thora-Verein Vereinslokal Synagoge Börneplatz, Büro Theobaldstraße 6. Fortbildungsunterricht für Knaben und Mädchen täglich in kleinen Abteilungen unter Leitung bewährter Lehrkräfte. — Fortbildungsunterricht für junge Leute täglich ab 8 Uhr abends. Allgemeine Schiurim: Sonntags von 9—10 (Theobaldstr. 6) Gemoro. Rabb.-Ass. Kirschbaum Sonntag nadi dem Abendgottesdienst (Börneplatz) Josif Omez. Rabb.- Ass. Kirschbaum Montag von 8—9 abends (Theobaldstr. 6) En Jakauf. Herr Rosenwasser Dienstag von 8%—9% abends (Gagernstr. 36) Gemoro. Rabb. Donath Mittwoch von 7&—8}£ abends (Börneplatz) Gemoro. Rabb. Dr. Hoffmann Mittwoch von 8—9 abends (Theobaldstr. 6) Thillim. Herr Rosenwasser Donnerstag von 7—8 (Theobaldstr. 6) Gemoro. Rabb.-Ass. Kirschbaum Samstag von ll^L—12J4 (Hermesweg 7) Schulchan Aruch. Rabb. Donath Samstag von 3—i (Börneplatz) Raschi. Rabb.-Ass. Kirschbaum Samstag % St. vor Nacht (Börneplatz) Mikro. Rabb. Donath. Die Generalversammlung findet am Sonntag, den 25. Februar, nach dem Ahendgottesdienst im Hörsaal der Synagoge am Börneplatz statt. Die Tagesordnung enthält Bericht des Vorstandes, des Kassenführers und der Revisoren; Entlastung des Vorstandes; Neuwahl; Verschiedenes. Anträge müssen bis spätestens 18. Februar an das Sekretariat eingereicht sein. Jüdisches Lehrhans Das Jüdische Lehrhaus hat eine Erzieh ungs- und Jugendberatungsstelle unter der Leitung von Prof. Dr. Curt Bondy eingerichtet. Sprechstunde in Erziehungsfragen für Eltern und Jugendführer jeden Montag von 18—19 Uhr im Sitzungszimmer der Westendsynagoge, Freiherr-vom- Stein-Straße; Sprechstunde für Jugendliche jeden Dienstag, 18—19 Uhr, Holbeinstraße 37 pt, oder nach telephonischer Verständigung, Nr. 61710. Die Vorlesung von Dr. Hans Pomeranz beginnt statt am 19. Februar erst am 5. März 1934. Jüdischer Kammerchor Der im Juni 1933 gegründete, unter Leitung von Dr. N, Ehrenreicfa stehende „Jüdische Kammerchor" hat außerhalb Frankfurts in den Städten Mainz, Offenbach, Wiesbaden und Kassel mit großem Erfolg konzertiert. In Wiesbaden gelangten „Jüdische Volkslieder" in freier Bearbeitung von Rosy Geiger-Kullmann zur Uraufführung. Als Solisten wirkten in den Konzerten mit: Else Hofmann und Gerta Oppenheim (Gesang), Theo Ratner (Violine) und Herbert Fromm (Klavier und Orgel). Musikalische Spielnachmittage Musiklehrer, die ihre jugendlichen Schüler zum Vorspielen und gemeinsamen Musizieren an einem Spielnachmittag kostenlos teilnehmen lassen wollen, werden gebeten, sich schriftlich oder telefonisch bei Hedwig Bergmann, Kettenhofweg 85, Tel. 77429, zu melden. Bei guter Beteiligung können die Spielnachmittage wiederholt stattfinden. Stegreif-Spielnachmittage Die bekannte Jugendschriftstellerin Irma Dresdner (Gaußstraße 10, Tel. 41611) veranstaltet alle 14 Tage abwechselnd Sonntag und Montag Spielnachmittage für Kinder im Alter von 4—12 Jahren. In zwangloser Form soll dabei eine von dem Kinderkreis geplante und von der Leiterin vorbereitete Spielidee zur Darstellung gebracht werden. Für die gymnastische und musikalische Ausgestaltung der Kurse sind Helferinnen zugegen. Die Mitglieder des Tikkon Scholos E.V. werden hierdurch zu der am 15. Februar 1934, 18 Uhr, im Büro des Notars Dr. Julius Meyer, Frankfurt a. M,. Kaiserstra&e 14/Kirchnerstra&e 2. stattfindenden Mitgliederversammlung eingeladen Tagesordnung: 1. Rechenschaftsbericht und Entlastungserteilung an den Vorstand für die abgelaufene Zeit 2. Vorstandswahlen. Der Vorstand. Frankfurter Grosswäscherei ERICH DORR (früher Trommel); Kece Schlßslogerrjasse 6-8 - Fernsprecher 244SI Spezialität: Herren-Stärke-Wäsche und Gardinen. 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