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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1934-02-01 · 6 (2.1934) · p. Seite 243

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
12 (1933-1934)
Issue
6 (2.1934)
Date
1934-02-01
Page
Seite 243 (sequence 17)
Language
German
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Seite 243 klingt dann am stärksten und reizvollsten auf, wenn es gilt, eine schwermütige oder zwiespältige Stimmung in Klangvorstellungen umzusetzen. Rottenbergs Lyrik wird selbst in ihren eingängigsten Gaben nicht den Anspruch auf Popularität erheben können; aber als wertvoller, charakteristischer Beitrag zum Liedsehaffen unserer Zeit wird sie den Anspruch auf Beachtung behalten. "Viel leichter zu beantworten ist die Frage der Wirkung in der großen Oeffentlichkeit bei Max Kowalski. Seine Lieder aus „P i e r r o t lunair e" haben den Beweis ihrer Durchschlagskraft längst erbracht. Sie finden dank ihrer kräftigen, treffsicheren Zeichnung, die Melancholie, Sentimentalität, Ironie und philosophische Gebärde zu einer bizarren Einheit belustigend verschmilzt, ein volles Echo. Stücke wie „Die Laterne" und „Heimfahrt" kennzeichnen mit am überzeugendsten den musikalischen Esprit dieser artistisch raffinierten und doch nicht überbelasteten Liedkunst. Ein Sänger, der plastisch und temperamentvoll gestalten kann, hat hier eine so ergiebige Aufgabe, wie sie ihm die zeitgenössische Lyrik nicht oft bietet. Andere Wege geht Rosy G eiger-Kullmann mit ihren fünf Liedern nach Gedichten von Tagore. Sie intensiviert die Stimmungswerte und Gedanken durch ein dichtes, harmonisch und modulatorisch weiches Gewebe, das über die Ausdruckskraft des Klaviers hinaus nach den Klangmitteln des Orchesters drängt. Die Gesänge sind nicht ganz leicht an den Hörer heranzutragen. Wer sich aber um das Eindringen in diese vielgestaltige farbenreiche Klangwelt bemüht, nimmt den Eindruck eines unalltäglichen, kompositionstechnisch gediegen fundierten Schaffens mit. Weiten Raum wies das (zu lang und zu gleichmäßig angelegte) Programm Bernhard S ekles zu. Die als Uraufführung gebrachten, vom Komponisten selbst sehr plastisch gespielten 23 „Fantasietten" für Klavier op. 42 wenden sich nicht an das Konzertpublikum. Sie bilden vielmehr einen wohl geistig anspruchsvollen aber spieltechnisch ohne „große" Schwierigkeit zu bewältigenden Beitrag zur Hausrousikpflege. Mit der ihm wie nur wenigen eigenen Fähigkeit, auf kleinstem Raum ein in sich abgeschlossenes Gebilde zu formen, vermittelt Sekles, hierin ein würdiger Nachfahre Schumanns und Stephen Hellers, ein Studienmaterial von erstaunlicher Vielseitigkeit. Ihren Abschluß findet die lange, bunte, nicht selten exotisch schillernde Kette mit einer den Orgelpunkt C umrankenden Fuge. Gebrauchskunst in des Wortes bester Bedeutung ist auch die ebenfalls uraufgeführte „Musik für Künstler und Laien in der alten Manier" für zwei Violinen und Cello op. 40. Mannigfache Formmodelle der älteren Suite, wie Courante, Siciliane Aria, erhalten in dem durchsichtigen Zusammenklang der drei Streichinstrumente auf reizvolle Weise eine neue Legitimierung. Mit der humoristischen Paraphrasierung des Liedes „Der Kuckuck und der Esel'1 als Fuge wird der belustigte Hörer aus dem behaglichen Milieu anspruchsloser Musizierkunst entlassen. Fünf Volkspoesien aus dem Rumänischen op. 7 führten in die frühe Zeit des Komponisten: scharf konturierte, wirkungsvolle Gesänge, die der Folklore des Balkans geistig verbunden sind. Als Interpret der Lieder von Kowalski und Sekles sicherte der Baritonist Ernst W o 1 f f beiden Gruppen mit ausgezeichneter Beherrschung seiner jugendfrischen, auffallend schönen Klangmittel und mit urmusikalischer Darstellung einen vollen Erfolg. Um die anderen Gesänge bemühte sich stimmlich in guter Form, klug und kultiviert die Sopranistin Hedwig Stern-Schöning. Die Vorzüge des Streichtrios wurden von Anni Steige r-Betzak, Theo R a t n e r und Hans J. S t e r n in günstigstes Licht gerückt. Als Begleiter leisteten Bernhard Sekles und Rosy Geiger-Kullmann der Aufführung beste Dienste. A. 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