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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1934-01-01 · 5 (1.1934) · p. Seite 215

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
12 (1933-1934)
Issue
5 (1.1934)
Date
1934-01-01
Page
Seite 215 (sequence 37)
Language
German
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Seite 215 oft die Führer und stets die Mitarbeiter in den Organisationen dieser Jugend. Bei solcher Einstellungdes Elternhauses und bei solcher Erziehung in der Schule ist es natürlich, daß die Jugendorganisationen, in denen Schüler und Schulentlassene sich befinden, zumeist zionistisch eingestellt sind. Diese Feststellung läßt sich am besten an einem Ueberblick der bestehenden Jugendverbände belegen. Die älteste Jugendorganisation ist der „Makkabi". Er ist lange vor dem Kriege gegründet worden. Aus einer reinen Sportorganisation hat er sich nach seiner (nach dem Kriege erfolgten) Fusion mit dem ,.Mikra" (hebräischer Literaturverein) und dem „Thayar-Ivri" (jüdischer Wanderbund) zu einer Sport- und Kulturbewegung entwickelt. Sein Ziel ist eine harmonische Ausbildung von Körper und Geist auf nationaler Grundlage. Der Makkabi umfaßt im Gegensatz zu den Bünden, die eine bestimmte innerzionistische und einseitige Richtung vertreten, z. B. „Brith- Trumpeldor" und „Haschomer-Hazair", in erster Linie Arbeiter, Handwerker und junge Kaufleute. Gerade hieran zeigt sich die große Bedeutung des „Makkabi". Er schafft den Zusammenhalt zwischen den Berufstätigen. Der Massencharakter dieser Bewegung erschwert seine Elastizität und seine Anpassungsfähigkeit an die sich verändernden Bedürfnisse jüdischer Bewegungen. So hat sich beispielsweise der chaluzische Gedanke (Pioniertum in Palästina) hier langsamer durchgesetzt als in anderen zionistischen Organisationen. Gewiß haben auch hier mit der Zeit innerzionistische Auseinandersetzungen, stattgefunden. Aber, die Organisation als Ganzes ist innerzionistisch neutral, und jeder „Makkabi" hat die Pflicht, seine persönliche Meinung gegenüber der allgemeinen zionistischen Idee zurückzustellen. Die Bedeutung des „Makkabi" für den gesamten Zionismus zeigt sich am besten darin, daß die führenden bulgarischen Zionisten fast alle aus dieser Bewegung hervorgegangen sind. Die Bewegung, aus der die meisten Chaluzim stammen, ist „Haschomer-Hazair" („der junge Wächter"). Er ist nach dem Kriege gegründet worden. Durch seine Geschlossenheit und seinen bündischen Charakter hat er in erster Linie die Schuljugend erfaßt. Ausgangspunkt seiner Ideologie ist die Frage, in welcher Wirtschaftsform und nach welchen politischen Gesichtspunkten Palästina besiedelt und aufgebaut werden soll. Seine Forderung lautet: Jüdische Selbstarbeit innerhalb von Gemeinschaftssiedlungen (.,Kibbuzim"). Jugend in Die Lage der jüdischen Jugend in Palästina ist in keiner Weise mit der Lage der jüdischen Jugend in der Galuth (Zerstreuung) zu vergleichen, weil der Jugend in Palästina alle natürlichen Möglichkeiten einer im eigenen Land mit eigener Sprache aufwachsenden Jugend gegeben sind. Die Gründe für diese völlig andersartige Lage sind folgende: -Zum einen die unmittelbare Beziehung zum Boden, zum anderen die in gewissen Grenzen mögliche Eigengestaltung des Volkslebens. Es bedarf keiner Erklärung, daß in einem Land, in dem 40 000 Juden (z= 20% der gesamten jüdischen Bevölkerung) auf dem Lande leben, eine ganz anders geartete Jugend aufwächst, als etwa in Deutschland, wo die Zahl der auf dem Land wohnenden Juden ein halbes Prozent nicht übersteigt. Die Wichtigkeit dieser Tatsache läßt sich in der Sprache, in der Anschauungswelt der Kinder etc. genau verfolgen. Zudem hat in Palästina auch fast jeder Städter irgendeine Beziehung zum Land, sei es, daß er früher einmal selbst auf dem Land arbeitete oder Verwandte dort hat. Der zweite oben erwähnte Faktor wird über dem schnellfließenden Leben in Palästina uns nur selten bewußt — dennoch aber bleibt die Tatsache bestehen, daß die Juden hier als Gruppe einen weit stärkeren Einfluß nehmen können als in der Galuth und daß dieses Gefühl auch seinen Niederschlag in der Jugend findet. Obwohl die Juden in Palästina in vielen Fragen noch nicht „Maß aller Dinge" sind, haben sie innerhalb weitgesteckter Grenzen die Möglichkeit zur vollen Entfaltung eigener Kräfte. Auch in Palästina ist die jüdische Jugend zu einem hohen Prozentsatz organisiert. Als starke organisatorische Gebilde treten vor allem die Jugendorganisationen der politischen Bewegungen auf. Auch wenn der organisatorische Zusammenhang nur lose besteht, erhalten sie von dieser Seite ihre Kraft. Eine reine Jugendbewegung gibt es außer den Zofim (Pfadfindern) nicht. Erst wenn man einige Zeit hier ist, versteht man, wie stark das Erlebnis der Jugendbewegung die Formung der jüdischen Der Sehomer ist nach Altersstufen gegliedert: Zofim—10- bis 15jährige — und Bogrim — 15- bis etwa 20jährige. Jüngere und Aelterö arbeiten im „Kwuzot", kleine Gruppen von 8 bis 10 gleichaltrigen Jungens bezw. Mädchen — und im „Plugot" Zusammenfassung mehrerer solcher Kwuzot. Die Umgangssprache bei den Zusammenkünften, bei den Wanderungen, auf der Straße, kurz überall wo sich Schomrim befinden, ist hebräisch. Hebräische Sprache, hebräische Lieder, hebräische Horras (Tänze) — das sind die magischen Kräfte, die die Schuljugend in den „Haschomer" ziehen, das sind die Ursachen der besonderen Wertschätzung, die der Bund bei der älteren Generation genießt. Das Schwergewicht der Erziehung bildet das Lager (Moschawa). Jedes Jahr sind hier, zunächst die Zofim und sodann die Bogrim jeweils einen Monat fern von der Stadt in enger Lebensgemeinschaft zusammen. Hier lernt der Schomer Selbständigkeit und Verantwortung, die Grundlage seiner späteren Einordnung in Palästina: Iiier spürt und erprobt er das Gemeinschaftsleben, sein Ideal für Erez-Israel. Als Gegengewicht zum ,JIaschomer" ist vor einigen Jahren der „Brith-Trumpeldor" gegründet worden. Er bekennt sich zum zionistischen Revisionismus. In Ziel und Methoden seiner Arbeit unterscheidet er sich nicht von den „Brith-TrumpeIdor"-Organisationen anderer Länder. Besonders auffallend ist die militärische. Disziplin seiner Gruppen. Zahlenmäßig steht er hinter dem „Haschomer" weit zurück, seine Entwicklung ist erst in den Anfängen. Es wird den deutschen Leser wundern, nach einer Darstellung der nationaljüdischen Jugendverbände keine Schilderung orthodoxer oder liberaler Jugendorganisationen zu finden. Aber: Solche bestehen (man denke an die einleitende Feststellung) in Bulgarien nicht. Es gibt lediglich einige a n t i zionistische, einem internationalen Linksradikalismus zuneigende Gruppen, deren Mitgliederzahl aber sehr gering ist. Angesichts der nationalen Prägung der jüdischen Jugend Bulgariens haben diese Gruppen überhaupt keine Entwicklungsmöglichkeiten. Eine Schilderung der jüdischen Jugend Bulgariens muß — wenn auch kurz — die Tatsache erwähnen, daß die schulentlassene Jugend im Gegensatz zu früher in stärkstem Maße handwerkliche, landwirtschaftliche und Arbeiterberufe ergreift. Die allgemeine Wirtschaftskrise erleichtert gewiß diese Umschichtung. Die entscheidende Kraft aber bleibt die zionistische Idee und die besondere Verbundenheit mit dem Aufbau Erez-Israels. Dino Meranda (Bulgarien) Palästina Jugend mitbestimmte. Hier kommt es einem erst zum Bewußtsein, wie sehr die jüdische Jugend in Deutschland sich in Form und Haltung von der freien Jugendbewegung her entwickelt hat. Dieser Ausgangspunkt fehlt hier völlig, wenn sich natürlich auch — vielleicht durch den Einfluß deutscher Chaluzim — ein leichter Firnis jugendbewegter Formen gebildet hat. Die Not und die Leiden der ersten Generation, ihre Armut und die Aussichtslosigkeit ihres eigenen Lebens brachten von selbst eine Uebertragung aller Wünsche und Vorstellungen eines glücklichen Lebens auf die Kinder. Das ging so weit, daß geradezu eine Vergottung des Kindes einsetzte. Wer heute in eine Kiwuzah (Gemeinsohaftssiedlung) kommt, wird oft inmitten von größter Bescheidung Kinder finden, denen nicht das geringste abgeht. Das schönste Haus einer Kiwuzah ist fast immer das Kinderhaus. Diese Jugend brauchte nicht gegen die vorangehende Generation zu revoltieren. Das revolutionierende Element mußte von einer anderen Seite kommen, die außerhalb des persönlichen Erlebnisses lag. Die allgemeinen Fragen wurden die brennenden. Jedenfalls ist es wichtig, daß die palästinensische Jugend sich frei und ungehemmt — vielleicht sogar hemmungslos — entwickeln konnte. Die Hauptgruppen der organisierten jüdischen Jugend bilden die den politischen Hauptrichtungen nachgeordneten Jugendverbände, da das kleinbürgerlich-neutrale Vereinswesen (Wanderklub, Mandolinenklub etc.) noch in den Kinderschuhen steckt. In diesem Zusammenhang ist es natürlich unmöglich, ein genaues Bild von Theorie und Praxis jeder Jugendorganisation zu geben, sondern es kann nur in Andeutungen ein ungefähres Bild entworfen werden. Die einzige Jugendorganisation, die neben dem Sportverband ,.Hapoel" (Der Arbeiter) auch auf dem Land von Bedeutung ist, ist die ca. 3000 Mitglieder zählende „Noar haowed" („Arbeiterjugend"). Wie weit sie ihre Menschen wirklich innerlich erfaßt, was sie über die Erziehung zu ihrem Kibbuz in Naaneh (der aber keineswegs alleiniges Erziehungsziel ist), der

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