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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1934-01-01 · 5 (1.1934) · p. Seite 216

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
12 (1933-1934)
Issue
5 (1.1934)
Date
1934-01-01
Page
Seite 216 (sequence 38)
Language
German
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Seite 216 Arbeiterpartei (abgekürzt „Mapei") und der Histadruth (allgemeine Gewerkschaft) hinaus noch leistet, bleibt dahingestellt. Die Noar haowed legt großen Wert auf Breitenarbeit. So gibt es viele Menschen, die den Erziehungsweg der Noar haowed durchmachten, ohne innerlich erfaßt zu sein. Die Noar haowed gibt eine für die ganze Jugend bestimmte, beachtliche Zeitung heraus: „Bama aleh" („Bei dem Aufstieg"). Die höhere Schuljugend versucht für die Kibbuzbewegung die ..Macbanoth Haolim" („Bund der Aufsteigenden") zu erfassen (in der übrigens jetzt viele deutsche Kinder sind). Dieser Bund, der sich aus der allgemeinen Pfadfinderbewegung entwickelte, begann vor fünf Jahren Menschen auf das Land zu schicken, um sich für das Leben im Kibbuz vorzubereiten. Heute ist Hachscharah (landwirtschaftliche Ausbildung) und das Leben in einem Kibbuz einziges und unumstrittenes Erziehungsziel der „Machanoth Haolim"- Etwa die Hälfte aller Aelteren erfüllt es und geht nach einer einjährigen Vorbereitung in Na'aneh entweder oder nach Ra'ananah oder dem unteren Ejn Charod. An beiden Punkten leben sie mit deutschen Chaluzim zusammen. Wohl ist diese Jugend problematischer als etwa die Noar haowed, dennoch aber ist sie, wie ich selbst zu sehen Gelegenheit hatte, von einem letzten Ringen mit den Problemen weit entfernt, so besteht beispielsweise die Frage der Tradition für sie nicht. Der Bund hat ca. 500 Mitglieder. Zu erwähnen ist noch der aus dem Osten her gegründete „Haschomer Hazair" (Der junge Wächter), der hier noch nicht lange besteht und als palästinensische Jugendbewegung noch keinen Einfluß ausübt, aber ständig wächst. Der „Misrachi" (religiöse Zionisten) besitzt Jugend nur in seiner Gewerkschaft. (Hapoel Hamisrachi.) Eine organisierte religiös-zionistische Jugend besteht nicht. Diese Tatsache ist merkwürdig, um so mehr, als die Kibbuzim des Poe! Hamisrachi — z. B. Rodges — aus Menschen bestehen, die aus der Galuth kamen und zum Teil selbst aus der Jugendbewegung stammen. Noch wird der religiöse Faktor unter der Jugend nicht als wichtiges Problem erkannt und diskutiert. (Auf der anderen Seite gibt es auch keine „freigeistige" Jugend, die im Atheismus ihr alleiniges Programm sieht.) Gelegentlich taucht das religiöse Problem auf — durch unbedeutende Anlässe hervorgerufen — dann aber schon mit einer Heftigkeit, die erraten läßt, daß die palästinensische Jugend nicht mehr an dieser bis ins letzte rührenden Frage vorbeigehen kann. j Die faschistische Jugendorganisation ist der militärisch organisierte Brith Trumpeldor. Er rekrutiert sich vor allem aus kleinbürgerlichen, städtischen Kreisen und einigen wenigen Intellektuellen. Einen verhältnismäßig starken Einfluß übt er auf die orientalisch-jüdische Jugend (z. B. Jemeniten) aus. Die stärkste Ortsgruppe besteht in Tel Aviv, wo er eine eigene Kaserne unterhält. Außerdem schickt er an einige Punkte des Landes seine Arbeitsgruppen (Plugoth). Diese sind z. B. in Kfar Saba, Bosch Pina, Chedera. Der Bethar zählt über 6000 Menschen, davon über 2000 auf dem Lande. Endlich müssen noch die zwei bedeutendsten Sportverbände erwähnt werden: der bürgerliche „Makkabi" und der Arbeitersportverband „Hapoel". Die Unterschiede zwischen beiden Verbänden sind im Ideologischen stark, wirken sich aber praktisch kaum aus. (So müssen z. B. die Fußballmannschaften schon aus Mangel an Gegnern gegeneinander spielen.) In den Städten dürfte der Makkabi etwas stärker sein, dagegen hat der Hapoel Ortsgruppen in jedem kleinen Kibbuz oder Moschaw. (Und sei es nur, daß einige schwere Eisenstangen gestemmt werden — wie überhaupt die Athletik für die Jugend auf dem Lande die wichtigste Rolle einnimmt.) Die Sportverbände haben in der Vorstellungswelt der Jugend einen großen Raum und schon in den untersten Schulklassen beginnt der Kampf zwischen Makkabi und Hapoel. Wer Gelegenheit hat, sich den Erziehungsweg eines palästinensischen Kindes genauer anzusehen, dem wird auffallen, wie gering der Einfluß des Elternhauses ist und wie auch die Schule dieses unbändige Geschlecht nicht letztlich erfaßt. „Unser Kind soll es besser haben als wir", sagen die meisten Eltern und vergessen darüber die Erziehung. Die meisten Kinder können, soweit sie nicht schon früh zu arbeiten beginnen, tun und lassen, was sie wollen. Das wirkt auf den Charakter des Kindes und verieiht ihm alle Vorteile und Schattenseiten des „frei:t aufgewachsenen Menschen. In diesem (Zusammenhang über das palästinensische Schulwerk zu sprechen, ist unmöglich; jedenfalls aber läßt sich sagen, daß es in seinem Bestreben, vielseitig und objektiv zu sein, nur wenig an der inneren Formung der Jugend teilhat. (Bei den Schulen des Misrachi und den Talmud-Thora-Schulen der Agudah liegen diese Dinge natürlich anders.) Wichtig ist, daß die Erziehung der palästinensischen Jugend sich in steigendem Maße in hebräischer Sprache vollzieht, daß sieh die Jugend in der hebräischen Sprache heimischer fühlt als die vorangegangene Generation. All das aber schließt nichtaus, daß fast jedes palästinensische Kind, auch der Volksschüler, mehrere Sprachen beherrscht. Es wäre irrig zu glauben, daß die Erziehung der palästinensischen Jugend schon feste Gestalt gewonnen hat und nicht vor großen Schwierigkeiten steht. Wir wissen nicht, ob sie diese Schwierigkeiten überwinden wird, jedenfalls aber ist es an ihr, die letzte Chance, die dem Judentum gegeben wurde, auszunutzen. Erich S. Schwarz, Jerusalem. Invenfor- Vßrkanl ab 15. Jan. Herabgesetzte Preise in allen Abteilungen tl I J>* . n * i * i u . litt Frankfurt a. Mn GroOo EachenhelmerstraOe 8—10 __tss«**^ Zü^n^- LEIDENHE IMER'S (P BAI D M E fägl. frisch Kalbädiergdsse5 Total-Ausverkauf wegen Geschäftsaufgabe 10-30° o Rabat« Glas Porzellan und KDchen Gerate WjumvtfH6jfc.Q£

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