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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1934-01-01 · 5 (1.1934) · p. Seite 201

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
12 (1933-1934)
Issue
5 (1.1934)
Date
1934-01-01
Page
Seite 201 (sequence 23)
Language
German
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Seite 201 zum Lachen. Die Abenteuer, die Kasperl und Seppl als Matrosen und nach ihrer Flucht im Rettungsboot auf der Insel der Menschenfresser erleben, gehören zu den amüsantesten und dekorativ wirksamsten ihrer bisherigen Laufbahn. Jung und alt dankte den Künstlern herzlich für die geschmackvollen Darbietungen. L. H. Hauskonzert Zugunsten notleidender Musiker fand in den schönen Räumen des Hauses Mendelssohnstraße 68 ein Hauskonzert statt. Das Programm des Abends verfolgte weniger künstlerische als soziale Ziele. Eine Reihe bekannter, z. T. Frankfurter Künstler hatten sich in den Dienst der Wohltätigkeit gestellt. An erster Stelle sei Benno Ziegler genannt, der mit reifem Können den Bajazzo-Prolog, den letzten Gesang des Spielmanns aus den „Königskindern" vortrug, und schließlich mehrere Volksliederduette, zusammen mit Else Hofmann, an deren ausdrucksvoller und kultivierter Stimme man sich auch in der Darbietung von Godards Berceuse erfreute. Eingeleitet wurde der Abend durch die stilistisch äußerst interessanten Variations ferieuses von Mendelssohn, die Heida Hermanns in dankenswerter Weise spielte. Hedwig Stern (Karlsruhe), der junge Rolf Sander sangen Opernarien und Lieder. Lili Langen brachte mit ihren heiteren Chansons reizvolle Abwechslung in das Programm. Besonderen Dank verdient Leni Lorsch -Morgenstern, die die verschiedenen Künstler und Kompositionen mit bekannter Gewandtheit und Musikalität am Flügel betreute. — So wurde vieles und jedem etwas gebracht. Die Hauskonzerte sollen nunmehr öfters wiederholt werden. Wer seine Räume für derartige Veranstaltungen zur Verfügung stellen kann und will, möge sich an die liebenswürdige Wirtin des ersten Abends, Frau Hugo Nathan, wenden. Dr. K. M. Tanzabend Kurz vor Jahresabschluß veranstaltete die „Gesellschaft für jüdische Volksbildung" noch einen Tanzabend. Unter den zahlreichen Mitwirkenden konnten vor allem Ruth L e v y . eine junge Stuttgarterin, in der Hauptsache mit ihrem nach dem Scherzo von Brahms zusammengestellten Amazonentanz und die Frankfurterin Trude Strauß durch die in Schönheit und Rhythmik fast klassisch anmutenden Tänze, besonders dem im Stile der großen Anna Pawlowa gehaltenen Spitzentanz, begeistern. Die Damen Trude Auerbach, Aenne Grünewald, Nanny C o n - 1 e y , Erna Hessekiel und Fini Maier-Gradel zeigten den gehobenen Tanzstil unserer Zeit. Unter ihnen gefielen besonders die beiden .Erstgenannten. In die musikalische Begleitung des Abends teilten sich mit gutem Gelingen Max Firnberg und die Damen Ilse Morgenstern und Helene Morgenstern-Lorsch. Dr. B. Konzert Kisch-Arndt — Hermanns Zu diesem Konzert ist nachzutragen, daß Frau Lili Schwarz-Mayerhofer die pianistische Begleitung der Sängerin übernommen und dadurch wichtigen Anteil am ausgezeidvneten Gelingen der Darbietungen hatte. Kunstschau der Frankfurter Logen Die schon traditionelle Chanukkah-KunstausstelJung der Frankfurter Bnei Brith-Logen — die diesjährige Veranstaltung war die zehnte ihrer Art — stand unter veränderten Zeichen. Handelte es sich bisher darum, den jüdischen Künstlern Frankfurts im geschlossenen Rahmen der Logen eine Ausstcllungs- und Verkaufsmüglidikeit zu bieten, also im Grunde um eine interne Intention der Veranstalter, so war diesmal eine Notlage zu mildern, die den jüdischen Künstler und sein Werk gleidiermaßen ergriffen hat. Noch ist die Eingliederung der jüdischen bildenden Künstler in die vom Staate anerkannten und geforderten Verbände nicht ausgesprochen, noch ist der jüdische bildende Künstler und seine Schöpfung ohne die gesellschaftliche Einordnung, die die Voraussetzung nicht nur fUr das innere Gleichgewicht des Schaffenden, sondern auch für die ihm unentbehrliche Auswirkung und Resonanz (durch Ausstellung, Kritik, Verkauf) darstellt. Wenn schon die Not der letzten Jahre die Ansprüche nach Ankauf der Werke durch die breiteren Kreise des Publikums hat ganz verstummen lassen — eines war dem jüdischen Künstler so wenig versagt, wie dem nichtjüdisdien: durch den geistigen Wettbewerb der Ausstellungen Antrieb und Maßstab für das eigene Sdiaffen zu finden. Seit fast einem Jahre sind unsere jüdischen Künstler — nicht zu reden von der ungeheuren wirtschaftlichen Not, die die Not der jüdischen Masse bei ihnen vervielfadit — ohne diesen Rest von Entfaltungsmöglichkeit, der in Wahrheit die erste Bedingung des „freien" Berufes ist. So war es eine zweifache Leistung, die die Veranstalter zu lösen unternahmen — keine leichte Aufgabe, wie die Tatsache beweist, daß es nur einen einzigen sehr bescheidenen Versuch gibt (in Berlin), in einer Kunstausstellung jüdischer Meister ihre gegenwärtige geistige und wirtschaftliche Situation zu mildern, indem man sie Uberhaupt demonstriert. Der neuen Aufgabe stand aber auch eine veränderte Ausstellerschaft gegenüber. Nicht nur, daß mancher Name, der zu den besonders geschützten früherer Kunstausstellungen gerechnet werden muß, nicht mehr zu . finden war — welcher Besucher wird nicht in Verehrung sich der Lücke bewußt geworden sein, die Jakob Nußbaum in diesem Kreise, wie in dem der modernen Frankfurter Kun^t, hinterläßt? — es galt auch erstmalig einigen Persönlichkeiten Raum zu sdiaffen, die bisher in diesem Rahmen noch nicht gesehen wurden. Die in kürzester Vorbereitungszeit zusammengebrachte, ausgezeichnet geordnete Ausstellung von Werken der Malerei, Graphik und Bildnerkunst war von einem vorzüglichen Durchsdiniltsniveau. Ohne Absicht auf Vollständigkeit seien unter den Ausstellern erwähnt: Alfred Oppenheim, dessen sechzigster Geburtstag ohne die in solchen Fällen übliche Schau über sein ganzes Oeuvre im letzten Jahre begangen wurde, und von dem man schon deswegen gerne mehr gesehen hätte, als er in zu großer Bescheidung zur Vorführung brachte. Aber, wer aus dem Wenigen das Ganze abzulesen vermag, erkannte an den vorgeführten Oelbildern und Zeichnungen den großen Künstler impressionistisdier Landschaftsdarstellung. Die Maler Erna Auerbach, Dreyfuß, Galliner, Gianini, Gottselig, Ruth Kahn, Katz, Liflmann, Leo Mayer, Schames zeigten Oelbilder, Aquarelle und graphische Blätter — keines, das nicht den Ansprüchen einer weiteren Kunstausstellung gerecht geworden wäre. Ja man darf darüber hinaus behaupten, daß durch Liflmann und Katz der künsterische Wert der Ausstellung auf eine nicht alltägliche Stufe gehoben wurde. Es ist nicht beabsichtigt, an dieser Stelle über die interessanten Einzelheiten zu berichten, die dem regelmäßigen Besucher der Ausstellungen als Enfwicklungsvorgänge erscheinen, aber eine Beobachtung soll angedeutet werden: es fiel auf, daß keiner der Künstler, keiner dieser Darsteller und Kenner von Menschen und ihrer Umwelt, wenn selbst nur in veränderten Bildinhalten, auch das dokumentiert, was eines der Ergebnisse des Jahres für uns Juden ist: die jüdisdie Welt, die Besinnung auf den jüdischen Umkreis und den jüdischen Nebenmensdien. Bilhauerische Arbeiten von Benno E 1 k a n und Amalie S e ck b a ch waren die gern aufgenommenen einzigen Vertreter ihrer Gattung. Auch sie zeigten deutlich die Bindung des jüdisdien Kunstwerks an Form und Gesinnung des Umkreises. Erfreulidierweise war das Verkaufsergebnis der Ausstelung ermunternd. Es ist zu wünschen, daß die geplante Kunstgewerbeausstellung zu Purim sich gleichen Zuspruchs erfreue. Ghr. ■-XtfflÄ pam«11 Selde >MoUsto«e wH Vorliebe B egin n Montag 15. Januar EcKc .Haupt***" Erlaubte PREISSENKUNG! =§ Aus besonderen Gründen werden =j große Restbestände geräumt u. sehr preiswert abgegeben in unserem ■ INVENTUR-VERKAUF Zeil 126 Damentas Jien Koffer ZÜRBACH Schilleistra<:se 2

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