Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 12 (1933-1934)
- Issue
- 5 (1.1934)
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 200 (sequence 22)
- Language
- German
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Seite 200 Mit der Aufführung von Heinrich Schalits neuer Freitagabend- Liturgie erwarb sich Studienrat Frank Rothschild ein großes Verdienst. Die von Schallt angestrebte Erneuerung der Synagogenmusik aus dem Geiste altorientalischer Melodik heraus ist zwar nicht ganz unproblematisch. Die Verbindung uralter Elemente mit modernen Ausdrucksmitteln kann nicht immer auf eine natürlich gewachsene Weise entstehen, sondern erscheint zuweilen künstlich erzeugt. Auch bleibt das willige Mitgehen des Synagogenbesuchers diesen fremdartigen, allein Herkömmlichen, widersprechenden Gesängen gegenüber mehr als fraglich. Trotz aller Bedenken aber muß Sdiahts Kultinusik duichaus positiv gewertet, ja als eine entscheidende Tat betrachtet werden. Bei ihr ist einwandfreie künstlerische Haltung mit jüdischer Gesinnung in den richtigen Einklang gebracht. Sie hat den Mut, neue Wege zu gehen und aufzuzeigen. Als beste Stücke heben sich beim ersten Hören heraus: der tänzerische L'dioh dodi, der tiefempfundene ..Haschkiwenu" und der „W'schomru". Dirigent, Chor und Organist setzlen sidi mit Hingabe für eine angemessene Interpretation ein. Der kantorale Teil wurde von Naumow-Fleischmann, dem ein besonders anspruchsvoller Part zufiel, und S. Scheuermann in bewährter Form bestritten. Einen erhebenden Ausklang fand die Weihestunde mit der Teilaufführung des Oratoriums „Mose" von Rosy Geiger-Kullmann. Den erhabenen Text — die Schilderung von Moses Tod — hat die Komponistin mit einer gut geformten, bewußt an die Spätromantik anknüpfenden Musik umkleidet und ihm eine feinfühlige, stimmungshafte Ausdeutung gegeben. Besonders fesselt die Behandlung des Klanglichen und die saugliche Führung der Melodik. In der originalen Ordiesterfassung hätte sidi das Werk wohl noch reicher dargestellt. Aber auch so erhielt man ein gewinnendes Bild von dieser gekonnten und gefühlten Musik, deren verklärter, erlösender Grundton die Hörersdiaft ergriff. Die Aufführung staud auf beachtlicher Höhe. Frank Rothschild, der sachkundige, anfeuernde musikalische Leiter, setzte seinen gut disziplinierten Chor wirksam ein. Als Solisten bewährten sich: Bettina Feit ler mit musikalisch geführtem Sopran, Benno Ziegler mit noblem, ausgiebigem Bariton und der begabte, stimmkräftige Hans Assenheim. In kleineren Aufgaben waren Helene Isenburger (Alt) und Rolf Sander (Tenor) erfolgreidi tätig. Dr. E. Trimestersdilnfi im Jüdischen Lehrhaus. Zu der Schlußreier des Jüdischen Lehrhauses hatten sich zahlreiche Hörer und Dozeuten eingefunden, denen, zwischen musikalischen Darbietungen Dr. Sa 1 o m o n s (am Flügel), 'Rezitationen Martin B u b e rs geboten wurden. Nach Jehuda Halevis Versen in Franz Rosenzweigs Uebersetzung (die die Beziehung zu Clianukkah herstellten), rezitierte Professor Buber zwei Szenen aus Beer-Hofmanns „Der junge David". Dieses, zwar auf dialogische, dramatische Auseinandersetzung gebaute Werk wurde in der Buberschen Reproduktion doch zu einer neuen Sinndeutung uralter jüdischer Werte. Mit dieser Feierstunde wurde der äußere Rahmen eines Lehrabschnittes geschlossen, der als verheißungsvoller Auftakt zu künftiger Arbeit gelten darf. Ghr. Schultheater im Philanthropin Zugunsten des sozialen Fonds trat die Spielschar des Philanthropins in zwei selbstverfaßten Stücken auf, dem „Bei zu Babel" und dem „Jona". Diese jugendlichen Dichter und Schauspieler verfolgen kein rein künstlerisches Ziel. Ihre Aufgabe, die ihr Leiter und Berater, Dr. Hans Epstein, in kurzen Worten umsdirieb, ist vielmehr, 10—13jährige Kinder zeigen zu lassen, wie sie sich mit einem Stoff der jüdischen Vergangenheit auseinandersetzen, wie sie ihn nacherleben. Sie sollen um diese Werte nicht nur Sdiulwissen erlangen, sondern sich von ihnen durch den ethischen Gehalt zum Nachdenken, Formen und Darstellen dieser Dinge erziehen lassen. Demnach sind also die Darbietungen in erster Linie vom pädagogischen Standpunkt aus zu werten. Diese Kommentierung erscheint zum Verständnis der beiden Stücke nötig, aus denen die Denk- und Erlebniskraft jener Altersstufe spricht. Das Spiel der Kinder ist unproblematisch, unhistorisch und so natürlich und lebensnah, daß zuweilen die Frankfurter Mundart durchbricht. Daß beispielsweise der sittliche Gehalt des Jona-Stoffes hinter den Ereignissen im Bauche des Walfisches zurücktritt, daß man mit peinlicher Aufmerksamkeit die Etikette befolgt, sich neuzeitlicher Errungenschaften, wie Zeitung, Konservenbüchsen, Revolver und Pyjamas bedient, entspricht der Eigenart und Altersstufe der Bearbeiter und Darsteller. Dieses Laientheater wurde vom Publikum so aufgefaßt, wie es gemeint war, und wohlverdienter Beifall dankte den jungen Künstlern und ihrem Meister. L. H. Kasperletheater Liesel Simon Die Gesellschaft für jüdische Volksbildung veranstaltete in der Frankfurt-Loge eine Vorstellung des Kasperletheaters von Liesel Simon, bei dem der Geschmack der vielen jungen und alten Anhänger dieser wirklichen Künstlerin befriedigt wurde. Bei dem „dramatischen" Spiel „David und Goliath" bewunderte man vor allem die Charakterköpfe der Puppen; der Schwank „Auf einer einsamen Insel" bot genügend Stoff Nur einmal im Jahr INVENTUR VERKAUF aber dann gründlich Wir erwarten Sie am Montag, den 15. Januar die grosse Stoffetage an der Hauptwache im Hause Cafe Wien l i DIE DIREKTE REISEROUTE NACH PALÄSTINA mit den grossen Schnelldampfern „ITALIA" 6500 To und „Martha Washington'W t0 via Triest-Brindisi durch den Kanal von Korlnth ohne Schiffswechsel Fahrpreise ab Triest nach Jaffa od. Haifa I. Klasse RM. 410.— II. Klasse RM. 308.— III. Klasse RM. 123 20 inkl. Bett und Verpflegung, auf Wunsch rituelle Beköstigung Abfahrten von Triest wöchentlich Mittwoch, 13 Uhr Ankunft in Jaffa: Am folgenden Montag, 6 Uhr vorm. Reisedauer Frankfurt-tf. - Jerusalems 6 Tage Nähere Einzelheiten, Platzbelegungen usw. durch die Agentur des LLOYD TRIESTINO i Frankfurt a. M. - Kaiserstraße 20 Telefon: 23754 . 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