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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1934-01-01 · 5 (1.1934) · p. Seite 199

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
12 (1933-1934)
Issue
5 (1.1934)
Date
1934-01-01
Page
Seite 199 (sequence 21)
Language
German
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Seite 199 Kulturarbeit des Monats Synagogal-Konzert Die Synagogal-Musik der neueren Zeit hat von der westeuropäischen Kunst starke Befruchtungen erfahren; Spanien und Italien haben Formen und Melodien hergeliehen, und auch das geistliche wie das Minne- und Volkslied des deutschen Mittelalters sind von der Synagoge aufgenommen und verarbeitet worden. In einem kenntnisreichen, einführenden Vortrag zum Synagogal-Konzert schilderte Max Neumann in Wort und Beispiel diese Zusammenhänge. Noch stärker wurde die Durchdringung verschiedener Kulte und Kulturen lebendig in dem sehr gut besuchten Konzert in der Frankfurt-Loge, das, von Max Neumann ausgezeichnet vorbereitet und sicher geleitet, fast durchweg günstige Eindrücke hinterließ. Der gemischte Chor klang, zumal in den Knabenstimmen, frisch und überzeugend. (Eine leichte Dämpfung in der Dynamik würde vielleicht kein „Decrescende" im Eindruck bedeuten!) Von den Solisten erfreute Benno Z i e g 1 e r durch seinen weichen, gepflegten, innigen Gesang. Heinrich Bornstein, ein kultivierter Bassist, zeigte starke Verbundenheit zu den hebräischen Weisen, ebenso Lazar Finkelstein (Tenor), der auch als Komponist mit effektvollen Stücken zu Gehör kam. Am guten Erfolg des Abends waren weiter beteiligt Janko Kaufmann, ein Bassist mit sonorer Tiefe, die stimmbegabten Solisten des Knabenchors und die Begleiter an Harmonium und Flügel, Dr. Willy S a 1 o m o n und Max Firnberg. Ein Schönheitsfehler störte: eine gewisse Unruhe und Undiszipliniertheit in Saal und Podium, ein Zuviel an „Beweglichkeit", das gerade bei Konzerten mit religiösem Einschlag peinlich vermieden werden sollte. sch. Bühnen-Abend „Jüdische Autoren" Nach der Reihe der musikalischen Veranstaltungen brachte der dramatische Abend der Gesellschaft für jüdische Volksbildung willkommene Abwechslung. Es war nicht etwa eine spezifisch jüdische Eigenart der Darstellungsformen, durch die die Folge kurzer Szenen von Meier Aaron Gold Schmidt, Perez, Ben Ami und Salomon K o h n zu einem Gemeinsamen gebunden war, auch nicht der motivische Inhalt der Darbietungen; das einigende Band war vielmehr eine gewisse Skizzenhaftigkeit in der Gestaltung der zum Teil originellen Einfälle. Bei der Szene ,.Die Erbschaft1' von M. A. Goldschmidt blieb denn auch das wirksame Motiv — wie ein armer Jude sich benehmen möchte, wenn ihm unvermittelt Reichtum verliehen würde — ohne rechte Poiniicrung. Der Mangel einer im eigentlichen Sinne dramatischen Auseinandersetzung war auch bei den anderen Szenen unverkennbar, die über das Dialogisierende nicht hinauswuchsen. Die Heikunft aus der Gattung der rein erzählenden Literatur blieb deutlich, so geschickt auch die dramaturgische Bearbeitung Alfred Auerbachs sich der Werke angenommen hatte. Die Notwendigkeit aus bestehenden novellistischen Stollen dramatische Szenen zu schaffen, zeigt den Mangel geeigneter Werke, die den personellen Möglichkeiten der jüdischen Provinzenscmbles entsprechen. Die Forderung nach neuen dramatischen Gehalien und Ausdrucksformcn wird hier deutlich; den jüdischen Autoren sind neue Aufgaben gestellt. Alfred Auerbach, der die Regie des Abends führte, betätigte sich auch als eindringlicher und feinsinniger Darsteller. Die Herren Gans. Busch und M a s s a r e k , die Damen M u r u m , 15 r a u n - t h a 1 und Lupescu konnten sich mit ihm des lebhaften Erfolges freuen. Herbert Fromm, der den Szenen mit wahrer Einfühlung eine begleitende Musik geschrieben, Carlo G o I d s c Ii nt i d t und Willy Löwen stein, die die Bühnenbilder entworfen hatten, trugen zum Gelingen der Veranstaltung bei. Chr. Weihestunde Der feierliche, architektonisch schone Rahmen des Gotteshauses gab der Veranstaltung eigenen Akzent. Raum, Ton und Wort vereinigten sich zu festlichem Zusammenklang. Bachs Toccata und Fuge in cl-moll, von dem verdienstvollen Organisten des Abends, S. Würzburger, mit gediegenem Können vermittelt, bildete den Auftakt zu einem Ausschnitt aus Händeis Oratorium ,,Josua". Die Wiedergabe war durch die Mitwirkung vorzüglicher Solisten und durch gute Chorleistung (an welcher auch der Jtigendchor teil hatte) recht eindrucksvoll, wenn auch die Orgelbegleitung nidit als vollwertiger Ersatz für die belebende Farbe des Ordiesterklangs hingenommen werden konnte. — Ein Vortrag „Vom Sinne des Sabbats" stellte die Verbindung zum zweiten musikalischen Teile, zu den Werken zeitgenössischer jüdischer Autoren, her. Rabbiner Dr. Salzberger verstand es, mit belehrendem und aufrufendem Predigerwort die dreifache Bedeutung des Sabbats eindringlich bewulH zu machen: Sabbat als Krönung des göttlichen Weltschöpfungsaktes, als Tag der sozialen Befreiung und als Symbol des ewigen Bundes zwischen Gott und Israel. 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