Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 12 (1933-1934)
- Issue
- 5 (1.1934)
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 186 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 186 Joseph Salomon Delmedigo aus Candia war, der als ärztlich© Autorität der damaligen Zeit von der Gemeinde im Jahre 1631 in sein Amt berufen wurde. Dem großen Brand in der Judengasse im Jahre 1711 fielen auch die Spitäler zum Opfer. Im Jahre 1718 erstand ein neues Hospital, ein weiteres wurde 1796 errichtet -Schon etwas früher waren außer diesen Gemeindespitälera die Krankenhäuser der Israelitischen Männer- und Frauenkrankenkasse gegründet worden. Das im Jahre 1796 erbaute Hospital, bezüglich dessen wechselvoller Geschichte auf die oben angeführte Darstellung von W. Hanauer verwiesen sei, diente seinem Zwecke bis zum Jahre 1875, in welchem die Eröffnung des von der Familie Königswarter gestifteten, Neubaus stattfand. Etwa um die gleiche Zeit war auch das neue von Rothschildsche Hospital auf dem Röderbergweg seiner Bestimmung übergeben worden. Als auch das Gemeindehospital in" der Königswarterstraße im Laufe der Zeit modernen Ansprüchen nicht mehr genügte, trat man um die Wende unseres Jahrhunderts der Frage eines Neubaues näher. Nach langen Vorbereitungen, konnte im Spätsommer 1914 der jetzige Bau in der Gagernstraße in Benutzung genommen werden. Aus den vorliegenden Berichten und Urkunden kann man entnehmen, daß das jüdische Hospitalwesen in Frankfurt a. M. die ganze Entwicklung des Krankenhauswesens überhaupt von seinen ersten Anfängen an bis zu dem heutigen, mit allen technischen und wissenschaftlichen Einrichtungen ausgestatteten modernen Krankenhaus durchlaufen hat Die Anforderungen, die in dieser Beziehung heute an ein Krankenhaus gestellt werden, sind wahrlich nicht gering und erfordern große Mittel. Es darf wohl ausgesprochen werden, daß ui'ser vor 20 Jahren erbautes Krankenhaus allen Ansprüchen genügt und sich auch der fortschreitenden Entwicklung angepaßt hat. Dem trägt auch die Einteilung des Hauses in verschiedene Abteilungen Rechnung, welche die Aufnahme von Kranken aller Art ermöglicht. Es besitzt Abteilungen für innere Medizin, Chirurgie, Gynäkologie und Geburtshilfe, sowie für Urologie, ferner Spezialkliniken für Hals-, Nasen-, Ohren- und für Augenkrankheiten. Ein mit modernsten Apparaten ausgestattetes Röntgeninstitut dient sowohl der hochentwickelten Röntgendiagnostik wie auch der Strahlentherapie. Die G e s a m t a n 1 a g e ist für die Unterbringung von etwa 200 Kranken berechnet Sie besteht aus mehreren Gebäuden, die um einen großen mit Alleen bepflanzten Garten gruppiert sind. Am Eingang liegt das Verwaltungsgebäude mit breitor Einfahrt, ihm gegenüber das Wirtschartsgebäude mit Küche, Waschküche und den nötigen Nebenräumen. An der Nordseite befindet sich mit Front nach Süden und mit zwei seitlichen Flügeln das Hauptgebäude. Die Anlage wird nach Süden durch ein halbkreisförmiges Gebäude abgeschlossen, in dem sich jetzt die urologische Abteilung befindet An sie schließt sich das Haus für infektiöse Kranke an. Aus den Fenstern dieser verschiedenen Gebäude hat man Ausblick auf den Riederwald, den Ostpark, den Main und in weiter Ferne auf die Höhenzüge des Spessarts und des Odenwaldes. Das Hauptgebäude beherbergt in seinem Erdgeschoß die chirurgische Abteilung mit den Operationssälen sowie die gynäkologisch-geburtshilfliche Station mit den entsprechenden Nebenräumen. Im ersten Stock befindet sich die medizinische Abteilung nebst Röntgeninstitut. In den Flügelbauten sind insgesamt 4 Krankensäle mit je 12 Betten untergebracht. Außer diesen größeren Sälen sind kleinere Krankenräume zu je 4 bis 8 Betten, sowie eine größere Anzahl Einzeiräume mit 1 bis 2 Betten vorhanden. Jedes Stockwerk verfügt über geräumige Liegehallen. Im zweiten Stockwerk, das 18 verschieden große Einzelzimmer z. T. mit eigenem Bad enthält, ist die Privatabteilung untergebracht. Neben diesen, der Unterbringung der Kranken dienenden Räumlichkeiten, finden sich im Krankenhause noch eine Anzahl von Einrichtungen, die besonderen Zwecken der Diagnostik und Therapie dienen. So enthält das Untergeschoß ein großes chemisches Laboratorium mit Nebenräumen, sowie ein Laboratorium für histologische Untersuchungen. In einem weiteren Räume befindet sich ein Elektrokardiograph für spezielle Untersuchungen an Herzkranken, in einem benachbarten Raum ein der Untersuchung des Stoffwechsels dienender Respirationsapparat. Außerdem ist im Untergeschoß die Abteilung für physikalische Therapie mit verschiedenen Bädern, Apparaten für Heißluftbehandlung, Mechanotherapie und Elektrotherapie untergebracht. Die Behandlung der Kranken erfolgt in drei Verpflegungsklassen. Für die Kranken der beiden ersten Klassen 'bestand schon immer freie Arztwahl, eine Einrichtung, von der heute in zunehmendem Maße Gebrauch gemacht wird. Die Verwaltung trägt diesem Umstände durch Bereitstellung genügender Räume Rechnung, und hat das Recht auf freie Arztwahl auch auf selbstzahlende Kranke dritter Klasse ausgedehnt. So sehr dies (berechtigten Wünschen vieler Aerzte und ihrer Patienten entgegenkommt, darf andererseits nicht' verkanut werden, daß die unter Leitung eines einzelnen Arztes stehenden, für sich eine Einheit bildenden Abteilungen unbedingt erhalten bleiben müssen, soll die den Fortschritten der medizinischen Wissenschaft angepaßte Weiterentwicklung des Krankenhauses keinen Schaden erleiden. Diese Abteilungen ermöglichen besonders auf den großen Gebieten der inneren Medizin und Chirurgie die Zusammenfassung einer größeren Zahl von Kranken und ihre Behandlung nach einheitlichen Gesichtspunkten, die sich aus der Erfahrung viele Jahre lang klinisch tätiger Aerzte ergeben. Sie gestatten die wissenschaftliche Durcharbeitung besonderer Krankheitsfälle und die kritische Erprobung neuer Heil- und Behandlungsverfahren, an denen unsere Zeit so reich ist. Daß dies auch in unserem Krankenhause bis jetzt mit Eifer und Gewissenhaftigkeit geschah, dafür zeugt die große Anzahl aus ihm hervorgegangener wissenschaftlicher Arbeiten. Diese Abteilungen haben ferner die heute besonders wichtige Aufgabe, die Ausbildung des ärztlichen Nachwuchses und der Schwesternschaft sicherzustellen, darüber hinaus auch die in der Praxis tätigen Aerzte mit den Fortschritten der Diagnostik und Therapie vertraut zu machen, was schon seit Jahren, durch klinische Abende in jedem Winter geschah. So erweitert sich über seinen Hauptzweck, die Behandlung der ihm zugewiesenen Kranken, hinaus der Aufgabenkreis eines Gemeindehospitals ganz außerordentlich. Es ist daher zu hoffen, daß durch die Nöte der Zeit hindurch eine so wertvolle Institution, wie es unser Krankenhaus als ärztlich-wissenschaftliches Zentrum unserer Gemeinde darstellt, auch für die Zukunft auf der Höhe ihrer Leistungsfähigkeit erhalten bleibe. Gewissensprüfung einst und jetzt Taufgespräcli 1770—1852—1933 Von Dr. Ludwig Feuchtwanger 1. Moses Mendelssohn, Gesammelte Schriften. Jubiläumsausgabe (Berlin 1930), VH. Band. (Bearbeitet von Simon Rawidowicz) 2. Jacob Bernays, Ein Lebensbild in seinen Briefen. Herausgegeben von Michael Fraenkel (Breslau 1932). 3. Hans Blüher u. Hans Joachim Schoeps, Streit um Israel, Ein jüdisch - christliches Streitgespräch (Hamburg 1933). Drei schwerwiegende Veröffentlichungen der neuesten Zeit liegen aufgeschlagen. Als langjähriger Beobachter der Schicksalswege der etwas gesunkenen, zerzausten Ware „Buch", ihres Woher und Wohin, beklopft man nicht ohne Besorgnis die drei Bände. Wen sollen sie interessieren? Gibt es noch einen, der viele hundert Seiten über den Lavater-Mendelssohn-Streit liest? Lavaters, des Vaters der Physiognomik schnörkelreicher, zartfühlend-taktloser, verstaubter Bekehrungsbrief an Mendelssohn aus dem Jahre 1769: ,rVerehrungswürdigster Herr! Ich weiß die Hochachtung, die mir Ihre fürtreflichen Schriften und Ihr noch fürtreflicherer Charakter, eines Israeliten, in welchem kein Falsch ist, eingeflößt haben, nicht besser auszudrücken und das Vergnügen das ich . . . nicht besser zu vergelten, als wenn ich . . . usw. usw.". Kurz, Mendelssohn solle „Die Beweise für das Christentum" des Herrn Bonnet widerlegen oder: „Däfern Sie aber dieselben richtig finden, zu thun, was Klugheit Wahrheitsliebe, Redlichkeit Sie thun heißen; — was Socrates gethan hätte, wenn er diese Schrift gelesen, und unwiderleglich gefunden hätte." Diese öffentliche Zueignung Lavaters schlug, als sie erschien, 1769 — gesegnetes Zeitalter! — „wie eine Bombe" in Berlin, in Zürich und an vielen anderen Orten ein. Daraus entwickelte sich dann der höchst verwickelte,