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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1933-12-01 · 4 (12.1933) · p. Seite 154

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
12 (1933-1934)
Issue
4 (12.1933)
Date
1933-12-01
Page
Seite 154 (sequence 20)
Language
German
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Seite 154 wahren Führer sendet. Gerade in dieser Szene zeigte sich die Vortragskunsl Bernsteins auf ihrer höchsten Stufe. Der lebhafte Beifall, den seine Darbietungen besonders hier fanden, darf als vollauf gerechtfertigt angesehen werden. Dr. B. Franz Kafka Die Aufgabe, das Wesen -eines Dichters aufzureißen, der seiner besonderen Einstelluntr und der Tiefe und Schwere seiner Gedankenwelt wesren wohl nur einem kleinen Kreis etwas bedeuten kann. ist kein leichtes Unterfangen. Der Dichter Franz Kafka, ü^er den Hans Joachim Schoeps in der Gesellschaft für jüdische V n 1 k s b i 1 d u n er eine tiefschürfende nnd bis ins letzte durebtrearheitete Vorlesung hielt, ist keiner von denen, die jemals AlleetneinTiit einer breiteren Schicht werden, auch wenn das Interesse für den früh Verstorbenen zu wachsen beirinnt. Srhoens. der mit Max Brod den Nachlaß des Dichter« hernnsribt. sah davor» ab. für Kafka zu werben. Er machte im Cesrenicil deutlich, wie schwer das Verstehen des Dichters aus seinen Werken ist. Umso klarer arbeitete er die immer wieder neu geformten Gedanken Kafkas heraus, die alle seine Werke durchdringen, die der Dichter immer wieder neu gestalten muß. von denen er nicht los komm*. Fs i«t die ..tragische Position" des Kafkaschen Menschen und des Menschen Kafka: der Wes vom Himmel zur Frde'und von der Frde zum Himmel ist verschüttet worden. Als Erstes hat der Men=<h das Gesetz verloren und ist unsi<her in seinem Fühlen und handeln. Aber er hat auch, als Zweitos. s,'ch sollisf verloren: in der Dichtung Kafkas wird der Mensch leicht zu irgend einem anderen Wesen, weil das Selbcf vergessen wird. Das Verlorene ist nicht . faßbar, nur ahn^-ar und in der Geschichte «niesel* =i(h dai Unheil des Südens nach dem verlorenem Gesetz wieder. Hier findet Schoens in Kafkas Dichten den Ansrelnunkt des Tiidiscbon. das Reli<rions<rosetz. das verloren wurde und dem nur der- Adel, das heißt die Chassidim. noch näher steht. Das leben ist Suchen und Fra<ren. aber die. Antwort bleibt aus. weil die Fr*i?e immer falsch p-ectellf ist. In diesem Pessimismus bleibt nur die dri«ie Komponente Kafkcs. die messianisdie Hoffnung, daß der verlorene Weg wieder gefunden wird. L. B. Sonaten-Abend Die ..Gesellschaft für iiidisfhe Volksbildung" verpflichtete zwei prominente Frankfnrter Künstler-: die bekannte Geigerin Annie Steicer-Betzak und den ehemaligen Oberleiter unserer Oner, Hans Wilhelm- Steinberg, der bereits als Dreißigjähriger die führende, Stellung im hiesieen Musikleben innehatte. Die Frwartuniren. die man mit flocht an diesen Konzertabend knünffe. wurden in reichstem Ma"e erfüllt. Der Saal war völli? ausverkauft, der künstlerische Erfolg außerordentlich. Die beiden von Hause aus grundverschiedenen Künstlerpersönlichkeiten fanden sich in bewundernswerter Einhelligkeit zum schlichton. verantwortungsbewußten Dienst am Werk zusammen. Steinberir verstand es. ohne die stark geprägte Eigenart zu verleugnen, sein männlich-kraftvolles Temperament der mehr fraulichen Art seiner Mitspielerin anzugleichen. Die Violinistin bot eine ebenbürtige, technisch und musikalisch hochstehende Leistung. Die einleitende Händel-Sonate in A-dur geriet zwar noch etwas kühldistanziert. Aber schon das folgende Mozart-Werk wurde zum unmittelbaren, in jeder Einzelheit fesselnden Findruck. So ..mozarfisch" zu musizieren, ohne in Vernicdlidiung zu verfallen, vermag nur reife Künstlerschaft. Die Krönung des Abends bildete Beethovens Kreutzer-Sonate, die in groflliniger, ebenso durchdachter wie spontan erlebter Wiedergabe erstand. Etwas fremd standen innerhalb des Programms die „fünf Melodien" von S. Prokoficff. dem bedeutenden zeitgenössischen Komponisten russisch-jüdischer Abstammung. Aber' sie waren als Aeußerungen eines sensiblen musikalischen Schöpfertums, das östliche Melodik mit wpstlichjmnressionistischpr FarbiVkeit verbindet, doch eine willkommene Gabp. — Die ausführenden Künstler wurden mit begeistertem Beifall bedacht. Dieses Konzert biMet als" Maßstab für künstlerisches Niveau der veranstaltenden Gesellschaft und dem Publikum gegenüber eine Verpflichtung und eine Forderung, Dr. E. Bnnter Abend Im vollbesetzten großen Saal der Frankfurt-Loge fand vor anfnahmefreudi<*em Publikum ein ,.Künstlerischer Abend" statt. Wenn man trotz guter Einzelleitstnneen von dem Abend nicht ganz befriedigt sein konnte, so lag das wohl am Fehlen eines sicher eestaltenden Proerammwillens, der die Sfileinheit des Abends gewährleistet hätte. — Hans Assenh e i m zeigte in Liedern und Arien sein wertvolles Stimm-Materinl. Heinrich Bornsteins' weiche, große Baßstimme und Käthe Ettlineers temperamentvoller Vortrag truiren zum Gelingen des musikalischen Teiles bei. Willv S a 1 o m o n bewahrte sich als der feinsinnige Pianist und Begleiter. Erfreulich in ihrer Vielseitigkeit waren die rezftaforischen Leistungen von Fräulein Seligmann. Von einem Bühnenkünstler wie Franz Massarek hätte man mehr erwarfpn dürfen. — Zum Schluß sei nicht verschwiegen, daß eine einigermaßen f"nktionierende Organisation und Unterlassung mündlicher Reklame zur Wahrung des Niveaus einer derartigen Veranstaltung unerläßlich erscheinen. L. K. Konzert Kisdi-Arndt—Herrmanns Die Gesellschaft für jüdische Volksbildnne hatte zu einem Konzert die Altistin Ruth Kisch-Arndt gebeten, die beim Frankfurter Publikum noch in bester Erinnerung steht. Mit herrlicher Stimme, von innnig-warmem Gefühl getragen, sang die Künstlerin die von Beethoven '""■'entert geistlichen Lieder von Geliert und gewann rasch die Herzen der Zuhörer. Der lebhafte Beifall, den man ihr snendete, war vollauf gerechtfertigt. Ihre fesselnde Kunst erwies sie auch bei dem Vortrag einieer Lieder von Schubert, von denen namentlich der oft gehörte ,.Lindenbaum" großen Anklang fand. Der pianistische Teil des Abends wurde von Heida Herrmanns bestritten, deren große. technische Fertigkeit und künstlerische Reife sich vor allem in der f-moll-Fantasie von Chopin zeigte. Au-*» diese Künstlerin erntete verdienten grossen Beifall. Dr B, r- K._ Nach fast 20jähriger Tätigkeit als Chefarzt der Nervenheilanstalt der Stadt Frwkfart a. M.-Köppern i. Taunus bin ich hierher verzogen and halte Sprechstunden: Böckenheimer Anlage 36,1. W odientags 51/2—5 Uhr, ausser Samstags Dr. med. MAX MEYER Facharzt für Nerven kr anke s Fernruf 33220 J SCHALS . 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