Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 12 (1933-1934)
- Issue
- 4 (12.1933)
- Date
- 1933-12-01
- Page
- Seite 153 (sequence 19)
- Language
- German
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Seite 153 Kulturarbeit des Monats Eröffnung des Jüdischen Lehrhauses Im dicht gefüllten Saal der Frankfurt-Loge wurde am Sonntag, den 19. November, das Jüdische Lehrhaus durch einen Festakt eröffnet. Hunderte von Einlaßsuchenden mußten abgewiesen werden. Justizrat Dr. Blau eröffnete die Veranstaltung mit Worten des Gedenkens an Franz Rosenzweig, der die Schaffung freier jüdischer Lehrhäuser schon im Jahre 1917 als unabweisbare Forderung hingestellt und sie in Frankfurt einige Jahre lang verwirklicht hat. Prof. Dr. Martin Buber, der Leiter des wiedererstandenen Jüdischen Lehrhauses, sprach sodann über Aufgaben jüdischer Volkserziehung. Die geistige Weite der Buberschen Rede, die tiefe Wirkung, die seine Gedanken in der Hörerschaft auslösten, die grundsätzliche Wichtigkeit seiner Feststellungen über die Aufgaben jüdischer Volkserziehung, veranlassen uns, in der kommenden Nummer des Gemeindeblattes das Bubersche Referat in breiterer Form zur Wiedergabe zu bringen. — Der Kammerchor unter der Leitung von Dr. Nathan Ehrenreich schuf den künstlerischen Rahmen durch den Vortrag Mendelssohn-Bartholdyscher Psalmgesänge. — Inzwischen ist die Tätigkeit des Jüdischen Lehrhauses aufgenommen worden. Sie findet das teilnehmende Interesse aller Kreise der Frankfurter Gemeinde. Nathan der Weise Gastspiel des Kulturbundes deutscher Juden. Wie sehr das Neue Theater dem Bedürfnis des jüdischen Publikums entsprach, als es das Theater des Berliner Kulturbundes zu einem Gastspiel nierher berief, bestätigt der Besuch, den die Ausführungen fanden. Dreimal war das Neue Theater ausverkauft, dreimal fand sich ein jüdisches Publikum ein, das mit zunehmender Ergriffenheit den Worten von der Bühne lauschte. Als vor mehreren Monaten bekannt wurde, dafl der Berliner Kulturbund mit Lessings Toleranzgedicht sein Theater eröffnen werde, wurde manches Bedenken nicht unterdrückt, das die vermeintlichte Unaktualität dieser Tendenz als Argument gegen die Aufführung erachtete. Es darf gestanden werden, daß solche Bedenken auch dann nicht ausblieben, wenn neue Versenkung in den dichterischen Stoff die Vertrautheit mit Lessings Werk inniger machte. Um so erschütterter — man darf das Wort hier ohne Bedenken aussprechen — saß man nun drei Stunden und erlebte die ewige Gültigkeit wahrer Humanität, gewann neuen Glauben aus den Gewißheiten einer umfassenden menschlichen Güte. Es ist nicht der überzeitliche Wert der Dichtung allein, der Hunderte von Menschen nach Monaten der Zurückgezogenheit mit neuem Vertrauen zu stärken vermochte. Es war nicht weniger die Aufführung, die unter Dr. Karl Loewenbergs Regie zur jüdischsten Nathanaufführung wurde, die je gesehen ward. Tiefer konnte die Gesinnung des Schauspiels kaum, sehnsüchtiger die Hoffnung auf Menschenliebe nie ausgedeutet und in Sprache und Ton übersetzt worden sein, als es hier geschah. Der Nathan, den Kurt Katsch, in der Stadt seiner langjährigen Wirksamkeit freudig begrüßt, gestaltete, war vielleicht manchmal weniger der des Lessing als einer unserer Tage. Aber er war die Formung bester jüdischer Menschlichkeit, reinster jüdischer Lauterkeit. In der Erzählung von den Ringen wurde die Szene zur prophetischen Ekstase, blieb aber noch diesseits der Grenze dessen, was der Dichter der deutschen Klassik zu beanspruchen hat. Das Gleiche läßt sich von den hebräischen Sentenzen, die die Regie dem Hauptdarsteller einzustreuen erlaubte, nicht sagen. Die Mitwirkenden boten Leistungen, die sich der Uberragenden Hingabe Ketschs würdig erwiesen. Jeder einzelne zeigte ein hohes Maß künstlerischer Gestaltungsgabe, sprachlicher Beherrschung des schwierigen Reimes, jeder und jede gab mehr als Theater: gab eine Wahrheit. Chr. Rezitationsabend Otto Bernstein Mit einem Kapitel aus Max Brods Renaissanceroman „David Reubeni" eröffnete Otto Bernstein am 6. November seinen Rezitationsabend, der sich dem Rahmen der Veranstaltungen der Gesellschaft für jüdische Volksbildung trefflich einfügte. Der durch sein Wirken am „Neuen Theater" beliebte Künstler hatte die Stelle gewählt, die von der Vertreibung der Juden aus Prag im Jahre 1511 und der Erkennung des falschen Messias handelt. Wenn auch Herr Bernstein durch eine Indisposition an der vollen Entfaltung seines Organs gehindert war. so wußte er doch seinen Vortrag recht wirkungsvoll zu gestalten. Ganz aktuell mutete die humoristische Schilderung einer Gemeinderatssitzung an, die dem zahlreich erschienenen Publikum ein verständnisvolles Schmunzeln entlockte. Aus Richard Beer-Hofmanns biblischem Drama „Jaakobs Traum" folgte sodann die Szene, in der Jaakob mit den Engeln ringt und sich den Namen „Israel-Gotteskämpfer" erwirbt. Den Abend beschloß das Bild „Der ewige Weg" aus der dramatischen Dichtung „Jeremias" von Stefan Zweig. Mit ihr war die innere Abgerundetheit der Darbietungen hergestellt, denn auch hier, wie zu Beginn des Abends wird uns eine Judenvertreibung vor Augen geführt, bei der Gott aber seinem Volke in dem Propheten Jeremias einen DIE DIREKTE REISEROUTE NACH PALÄSTINA mit den grossen Schnelldampfern „ITALIA" 6500 To und„Martha Washington "söckto via Triest-Brindisi durch den Kanal von Korlnlh ohne Schiffswechsel Fahrpreise ab Triest nach Jaffa od. Haifa I. Klasse RM. 403.70 II. Klasse RM. 303.60 HI. Klasse RM. 121.— inkl. Bett und Verpflegung, auf Wunsch rituelle Beköstigung Abfahrten von Triest wöchentlich Mittwoch, 13 Uhr Ankunft in Jaffa: Am folgenden Montag, 6 Uhr vorm. 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