Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 12 (1933-1934)
- Issue
- 2 (10.1933)
- Date
- 1933-10-01
- Page
- Seite 65 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 65 stellen finden. Auch ist nur ganz selten möglich, Frauen und Mädchen, die bisher in einem anderen Beruf tätig gewesen sind und ihre Stellungen verloren haben, in der Hauswirtschaft unterzubringen. Die Bemühungen seheiterten meisents amMangel an Verständnis bei der Hausfrau, oft allerdings auch an der schlechten hausAvirtsehaftlichen Vorbildung dieser Kräfte. Und dabei wäre diese doch verhältnismäßig leicht zu erwerben! Es wird aber allzu oft außer acht gelassen, daß auch die Hauswirtschaft wie jeder andere Beruf Fähigkeiten erfordert. Dringender als je ist es heute, für Möglichkeiten der Ausbildung zu sorgen, und hier liegt auch ein Gebiet der sozialen Betätigung für die jüdische Hausfrau! In dieser Zeit .größter jüdischer Not, muß die jüdische Hausfrau Verständnis für diese Schwierigkeiten haben. Es darf nicht immer wieder heißen: „Ich suche ein jüdisches Mädchen, aber sie muß erstklassige Zeugnisse haben." Und es darf nicht immer wieder darüber .geklagt werden, daß diese jüdischen Mädchen nicht zu finden sind. Es sind bei uns gegenwärtig 16 jüdische Mädchen im Alter von 15—22 Jahren gemeldet, die den Haushalt erlernen wollen. Wo sind die j ü d i s c h e n Hausfrauen, die sich dieser Aufgabe unterziehen? Zwanzig abgebaute kaufmännische Angestellte suchen Beschäftigung im Haushalt, und es sind keine Familien zu finden, die ihnen die Gelegenheit dazu geben. Hie Stellen und keine Kräfte, dort verzweifelte Arbeitslose und keine Möglichkeit der Beschäftigung — hieraus soll und muß ein Ausweg gefunden werden! Die Verhältnisse auf dem Lande in Hessen-Nassau Aus dem Reisebericht einer Fürsorgerin In der Provinz Hessen-Nassau ist der Prozentsatz der jüdischen Bevölkerung ungewöhnlich groß. Er erreicht in Rhina 35 Prozent und in Guxhagen 15 Prozent der Gesamtbevölkerung. Dabei ist zu berücksichtigen, daß die jüdische Bevölkerung in den letzten Jahrzehnten erheblich geringer geworden, in Rhina waren z. B. vor dem Kriege 60 Prozent der Bevölkerung Juden. Ich habe vereinzelt jüdische Familien angetroffen, deren Vorfahren bereits seit dem 13. Jahrhundert in Hessen-Nassau leben, Familien, die seit 2—3 Jahrhunderten ansässig sind, sind keine Seltenheit. Ungemein hoch ist die Zahl der Frontkämpfer. In einer Gemeinde waren von 11 Familienvätern 10 an der Front. In den Landgemeinden fehlt das ostjüdische Element vollständig. Daher ist auch zu erklären, daß die Familien sehr bodenständig, aber auch sehr schwerfällig sind. Die Umstellung auf die veränderten Verhältnisse wird sich nur sehr langsam vollziehen. Im großen und ganzen hofft man, das bisher geführte Leben in einiger Zeit wieder weiter führen zu können. Mit dem Gedanken der Auswanderung trägt sich nur ein kleiner Teil der Bevölkerung, meist Jugend, eher in den größeren und regeren Gemeinden als in den kleineren. In manchen Gemeinden fehlt die Jugend fast vollständig. Orte, die vor dem Kriege noch 45—50 Schulkinder hatten, haben jetzt noch 5—6. Eine Ausnahme bilden hier nur die sehr streng orthodoxen Gemeinden. Die Bevölkerung auf dem Lande setzt sich zusammen aus Kaufleuten, Viehhändlern, Metzgern und einer geringen Anzahl Handwerkern. Akademische Berufe fehlen mit Ausnahme der Städte vollständig. Vereinzelt habe ich Juden angetroffen, die auch jetzt noch vorwiegend vom Ertrage ihrer Landwirtschaft leben. Dabei habe ich feststellen können, daß die Juden in Hessen-Nassau früher große Ländereien besessen haben; sie haben sie leider in den letzten Jahrzehnten veräußert. Es wird jetzt eine Erziehungsarbeit bei der Jugend einsetzen müssen, um sie dahin ' zu beeinflussen, daß sie nicht nur die bereits oben angeführten Berufe ergreift, sondern sich landwirtschaftlich und handwerklich ausbilden läßt. Der Wille dazu ist vorhanden, vereinzelt arbeiten die jungen Menschen bereits in der Landwirtschaft. In den Gemeinden sind Sprachkurse eingerichtet in Neuhebräisch, Englisch und Französisch und überall ist " iv Wille zu einer Umstellung zu erkennen. G. B. L.EP5TEIN Schillerstraße 2 pillilllllllllllllllllllllllllllllllllllllllH 1 Gebrüder Sohn* Zeil 104 % Herren- und Damenwäsche - Strumpfwaren für Herbst und Winter Neue Farben Neue Muster in allen Artikeln - Große Auswahl /yCOti^O sCterSaeste | NEBEN DER *H A U P T P O S T j | Elegante Damenschuhe | | Schöne Herrenschuhe | | Gute Kinderschuhe j |{ kaufen Sie bei uns preiswerf §f 1 Gebrüder Sohn, Zeil 104 1 I NEBEN DER HAUPTPOST | Corsethaus GAZELLE größte Auswahl in Formen und Preislagen Größtes Spezialhaus Norddeutschlands Hamburg Lübeck Hannover ZEIL 124 Telefon 27172