Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 12 (1933-1934)
- Issue
- 2 (10.1933)
- Date
- 1933-10-01
- Page
- Seite 63 (sequence 21)
- Language
- German
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Seite 63 Wir waren mittlerweile vor den Pforten des Friedhofes angelangt. Wir fanden das Haupttor geschlossen und mußten warten. Wir halfen der Frau, die sich nur mit Mühe auf den Beinen hielt, aus dem Wagen. Da eilte der Pförtner herbei mit seinem prachtvollen Szepter, angetan in einen großartigen, pelzverbrämten Mantel. Als er das arme Wägelchen mit dem ausgefransten Bahrtuch bemerkte, machte er kehrt, und erst nach einer geraumen Weile erschien ein Totengräber schleppenden Ganges, mit lehmbeklebten Stiefeln, öffnete eine kleine Seitenpforte und ließ uns ein. „Mach' schnell, links ab", bedeutete er dem Kutscher. Wir kamen an der Friedhofshalle vorbei, deren Säulengang verhüllt war, und aus deren Innern Hämmern erklang. Es wurden offenbar Vorbereitungen zum Empfang einer „vornehmen Leiche" getroffen. Wir hoben den Sarg aus dem Wagen und trugen ihn kreuz und quer durch Alleen von Grabsteinen, bis wir nach der hinteren Reihe gelangten, wo verfallene Stein- und Holzgiabmale sich aneinander drängten. Ein schmales, kleines Grab, fast ein Kindergrab, war vorbereitet. Wir senkten den Sarg hinab. Ein paar Totengräber machten sich daran, hurtig die aufgeworfenen Schollen hineinzuschaufeln, die mit dumpfem Geräusch auf die Bretter fielen. Bald erhob sich an der Stelle ein kleiner, gelber Hügel. Ein Gräber langte aus seiner Tasche eine abgegriffene Tafel hervor und fing an, das Kaddischgebet zu brummen. Mein Freund unterbrach ihn, und seine bewegte Stimme erscholl durch die ringsum herrschende Totenstille: „Erhöht und geheiligt werde sein großer Name in der Welt, die er dereinst verjüngen wird, wenn er die Toten erweckt und sie einführt zum ewigen Leben ..." Als er geendet hatte, wandten wir uns zum Gehen. Aber die Frau stand wie angewurzelt und wiederholte nur in einemfort: „Zu wem soll ich nun heimkehren?... Zu wem soll ich nun heimkehren? ... Zu wem soll ich nun heimkehren?..." Das war die einzige Leichenrede, die am Grabe unseres Plato gehalten wurde. Von jüdischen Musikmäzenen Von Dr. KathiMever Das Mäzenatentum stellt eine besondere, betont geistige Form des "Philanthropentums dar und ist von den Juden bald nach ihrem Eintritt in das gesellschaftliche Leben aufgenommen worden. Bereits seit den 80er Jahren des 18. Jahrhunderts treffen wir auch unter den musikalischen Protektoren häufig Juden an. Von zwei besonderen und sehr typischen Fällen, die in Verbindung mit dem Namen Bach und Beethoven stehen, sei hier berichtet. Subskriptionsausgaben sind heute im Buchhandel wenig üblich. Wohl sichert sich der Verleger bei großen Unternelimungen einen bestimmten Stamm von Abnehmern, die ihm die Herausgabe ermöglichen. Seltener findet eine Subskription bei kleineren Werken statt, und noch seltener wird heute in den Büchern das Verzeichnis der Unterzeichner angegeben, ein Brauch, der im 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts, besonders bei Musikalien, häufig festzustellen ist. Der Notendruck war und ist viel umständlicher und teuerer als der Druck von gewöhnlichen Büchern. Dem Verleger lohnten deshalb in der Frühzeit des Druckens fast nur liturgische Werke mit ihren großen Auflagen. Auch bei den Liedersammlungen, die in kleinen Stimmheften erschienen, mochten sie mitunter auf ihre Kosten kommen, ebenso bei den Einblattdrucken. Die großen Ausgaben in Chorbuchform erschienen dagegen gestiftet von Mäzenen, denen sie gewidmet wurden, im allgemeinen großen weltlichen und geistlichen Fürsten. So lassen sieh aus der Art der Publikationen oft Rückschlüsse auf die Bedingungen, die Umgebung etc. machen, in denen das Werkt entstanden ist. In solchen Subskribentenlisten tauchen seit dem Ende des 18. Jahrhunderts nun auch jüdische Namen auf, überraschend vor allem in den Klavier- und Violinsonaten von Karl Philipp E matt u e 1 Bach, einem der berühmten Söhne von Johann Sebastian, berühmt besonders eben durch seine Klavierkompositionen und durch seine Tätigkeit als Hofcembalist bei Friedrich dem Großen. Die Listen stehen in folgenden. Werken: Violinsonaten, 1. Sammlung, Leipzig, 1776: Mlle Ephraim, Berlin. Mlle Vögle ltzig, Zipper Itzig, Berlin. Ciaviersonaten, 2. Sammlung, 1780: In Berlin Mlle Sara Itzig, Jeanette Marcuse, Mme Zippora Wolf, Mme Sara Wolf. Ciaviersonaten, 4. Sammlung, 1783: In Berlin Mme Cohen, Mlle Sara Itzig, Jeanette Marcuse, Mme Salomon, M. Zippora Wolf. Ciaviersonaten, 5. Sammlung, 1785: In Berlin Benjamin Itzig, Mme Sara Lewy, Mme Jeanette Marcuse, Mme Zippora Wolf, Sara Wolf. In dem Fall Beethoven handelt es sich um die Persönlichkeit des Reichsgrafen Moritz von Fries. Dieser Foto-Atelier „Wera" HEINRICH KALBFLEISCH I /Schill erstrassel/ Der gelbe Laden Jüdischer Inhaber Moderne Porfrät-Fofografie Aufnahmen von Industrie, Häuser u. Geschäften. Ihre Amateur-Arbeiten werden sorgfältig und billigst ausgeführt. Verkauf von Filmen, Platten- und Fotobedarf. Kaiserstr. 4 Gegr. 1826 Inh. Paul Buseck Alexander Loeb Glas Porzellan Keramik zu alle/billigsten Preisen 40 Jahre beste Ware Besuchen Sie in ihrem eigenen Interesse bei Bedarf von Herrenwäsche, Damenwäsche, Krawatten, Strümpfen, Handschuhen, Wol!waren und Babyausstattungen das bewährte Spezialhaus Hermanns & Froitzheim Frankfurt a. M., Zeil 93 u. Sfadtfilialen IHa Höchst, Ottenbach ä. M, Konditorei und Cafe Laubenstein Hohenzollernstraße 18 :: Telefon 32985