Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 12 (1933-1934)
- Issue
- 2 (10.1933)
- Date
- 1933-10-01
- Page
- Seite 49 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 49 Das Von An uns ist es den Herrn des Alls zu preisen Größe zu zollen dem Bildner des Anfangs, daß er uns nicht gemacht hat gleich den Völkern der uns nicht hingestellt gleich den Sippen der Erde, daß er nicht unser Teil dem ihren gleichgesetzt hat, unser Los gleich all ihrem Getümmel. Und wir beugen uns, werfen uns hin, danken vor dem Angesicht des Königs der Könige, des Heiligen, gesegnet sei Er: der ausspannt den Himmel, gründet die Erde, der Sitz seiner Ehre ist im Himmel droben, die Wohnung seiner Macht in ragenden Höhn — er ist unser Gott Keiner sonst. Wahr ist unser König, nichts ist außer ihm, wie geschrieben ist in seiner Tora: „So erkenne heuttags, laß ins Herz dir einkehren daß ER der Gott ist, im Himmel ringsoben, auf Erden ringsunten, keiner sonst." Länder, Gebet „Alenu" Raw (2./3. Jahrhundert) Darum harren wir dein DU unser Gott, die Pracht deines Sieges bald zu sehen, fortzuschaffen von der Erde die Götzenbilder, deß die Götzen gerottet, ausgerottet werden; die Welt zu ordnen für das Königtum des Gewaltigen, daß alles Fleisch deinen Namen rufe; zu dir zu wenden alle Frevler der Erde! Merken sollen und erkennen alle Bewohner des Weltkreise3y daß dir sich beugen wird jedes Knie, zuschwören jede Zunge. Vor dir, DU, unser Gott, werden sie sich beugen, werden hinfallen, der Herrlichkeit deines Namens Ehre zollen. Auf sich nehmen werden sie alle das Joch deines Königtums, und du wirst König sein über ihnen bald in alle Ewigkeit. Denn das Königtum, dein ist es, und in die Zeiten, ewig fort, wirst du König sein in Herrlichkeit. Wie geschrieben ist in deiner Tora: „König bleibt ER in Weltzeit und Ewigkeit." Und es ist gesagt: „Und ER wird König sein über alle Erde, jenes Tages a ist ER Einer und sein Name Einer." (Aus dem Jüdischen Lesebuch N. N. Glatzer and L. Strauß). „Sendung und Schichsal" von Das Schriftwort Volk und Menschheit Von Dr. Nahum Glatzer Vorlesung am Sabbat 16. Sept.: Tora: V. B. M. 29,9—21,50. (Nezawim-Wajelech). Haftara: Jesaja 61,10—63,9. Sabbat 25. Sept. (Schabbat Schuwa): Tora: V. B. M. 32 (Haasinu), Haftara: Hosea 14,2—10; Joel 2,15—27. Dazwischen: Rosch Haschana: 1. Tag: Tora: I. B. M. 21. Haftara: I. Samuel 1,1—2,10. 2. Tag: Tora: I. B. M. 22. Haftara: Jeremia 31,1—19. Die große Rede, die Moses im letzten Jahre der Wüstenwanderung im Angesichte des Heiligen Landes hält, und die das fünfte Buch des Pentateuchs bildet, geht zu Ende. Diese Rede ist in ihrer erschütternden Eindringlichkeit und Geschlossenheit ein einzigartiges Beispiel der Verbindung von Geschichte und Gesetz, der Bindung dessen, was das wandernde Volk erlebt hat, an das, was das seßhafte zur Aufgabe haben wird, die Durchdringung des Schicksals, das es erfahren und erlitten hat mit der Sendung, zu der es berufen, ja, zu der es trotz Makel und Widerspenstigkeit, berufen wurde. Die Verbindung von Geschichte und Gesetz wird durch diese Abschiedsrede Moses, in der sich der Führer nun ganz und gar zum Lehrer wandelt, zur Grundlage der jüdischen Volksgemeinschaft gemacht. Spätere Epochen bis auf die Gegenwart liefern in zusammenhängenden oder bruchstückhaften Aeußerungen nur noch Abwandlungen dieser Rede, nur noch Variationen zu diesem einen Thema des „Bundes zwischen Gott und Israel'', wie die Schrift diese Rede nennt. Nachdem die Geschichte des jungen und das Gesetz des zu hohem Alter bestimmten Volkes in großen Zügen dargelegt ist, schließt die Rede mit den Gedanken, die der aufmerksame Hörer zwischen den Sätzen tausendfach herausgehört hat: Erstens: daß das Gesetz, wie sehr es aus der Aktualität jener geschichtlichen Stunde geboren wurde, über sie hinausreicht und nicht als starre Verpflichtung, sondern als Bund alle Kommenden bindet (29,13—14). Das geht nicht nur den Späteren an, insofern er sich seiner Beziehung zum Früheren bewußt zu sein hat, sondern mit gleicher Kraft auch den Früheren, insofern er im Bewußtsein dessen, was nach ihm kommt, zu leben hat. Zweitens: daß trotz des ungeheuren Pathos, mit dem hier das Göttliche ans Menschliche rührt, der Bund die Form des Gesetzes annimmt, das heißt, daß er den Menschen nicht dem Grenzenlosen, Unbegreiflichen ausliefert, sondern daß er vom Menschen erfüllbar ist: „Denn dieses Gebot, das ich heuttag* dir gebiete, nicht entrückt ist es dir, nicht fern ist's. Nicht im Himmel ist es, daß du sprächest: Wer steigt für uns zu Himmel und holt's uns und gibt's uns zu hören, daß wir'stun? Nicht überm Meer ist es, daß du sprächest: Wer fährt für uns übers Meer hinüber und holt's und gibt's uns zu hören, daß wir's tun? Nein, sehr nahe ist dir das Wort, in deinem Mund und in deinem Herzen, es zu tun." (30,11—14.) Drittens: daß erst die Aufsichnahme von Bund und Gesetz, die Berechtigung zum Leben gibt: „Sieh', gegeben habe ich heuttags vor dich hin das Leben und. das Gute, den Tod und das Böse!" (30,15.) Im Denken der späteren jüdischen Jahrhunderte wurde dieser Satz viel erörtert, umstritten und verteidigt. Die Erfahrung, daß „der Gerechte in Not, der Böse im Glück" ist, wurde als Frage oder als Zweifel gegen die eherne Setzung des Schriftworts gewandt. Aber mochte die- Erfahrung über persönliches Glück und Unglück hinaus von der undeutbaren Tragödie der Volksgeschichte genährt werden,. — als Sieger ging die religiöse Idee hervor, der das Werk der Propheten galt, daß im Mittelpunkt der Weltgeschichte die- Gerechtigkeit steht; einzig um sie geht es im Lebent weniger sichtbar im Leben des Einzelnen, deutlich erkennbar im Leben der Völker; stellt sich Israel, — das hier, im Guten wie im Bösen, nichts anderes als das Exempel der Menschheit bedeutet — in den Dienst der Zedaka, der Gerechtigkeit, so» hat es Bestand, sonst darf und muß es vernichtet werden. Das Volk hat keinen Eigenwert, es hat keinen Rechtsanspruch als natürliches Wesen, es hat keine Berechtigung zur Macht, 63hat nichts als die von Gott ihm zugewiesene Aufgabe, Gerechtigkeit zu erfüllen. In solch strengem Sinne stellt es sich unter das Gericht der Geschichte. So steht vor ihm „das- Leben und das Gute, der Tod und das Böse". Und dif» mittel-