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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1933-09-01 · 1 (9.1933) · p. Seite 30

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
12 (1933-1934)
Issue
1 (9.1933)
Date
1933-09-01
Page
Seite 30 (sequence 32)
Language
German
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Seite 30 Ich weiß: Ich habe zu wenig positiv, die Inhalte benannt, Sie taumeln noch. Es geschieht etwas mit ihnen, sie werden abgesehen davon, daß ich die verschiedenen Schulformen gar bewegt, aber sie erzeugen noch keine Bewegung, sie sind nicht berücksichtigt habe. Aber ich bin nun einmal der Meikraftlos, weil richtungslos, nur gestützt durch den Druck von nung, daß das Werk der jüdischen Schule gewisser Vorausaußen. Erst wenn diese anonyme, gestaltlose Masse ein Ziel Setzungen bedarf, die noch im Entstehen sind, ohne die es vor sich sieht und sich daraufzu bewegt, erst dann, wenn aber ein blutleeres Schattendasein führen muß. Darum befaßte „jüdische Bewegung" daraus geworden ist, dann sind auch die uh mich mit jenen Voraussetzungen. Standort gewinnen! Das Voraussetzungen für eine wahrhaft jüdische Schule geschaffen, ist zunächst die Losung. Viele sind zu uns gekommen. Ihr Der Rest ist eine Frage der Errechnung von Arbeitsstunden. Mnn ist bekümmert, aber ihre Herzen sind noch verschlossen. Issi Bayer Nur Umgestaltung des Stundenplans! Eines ist entscheidend: nur vom Stundenplan her ist das Problem der jüdischen Schule nicht zu lösen. Jede Reform, die nur?an Stundenplan ansetzt, muß notwendigerweise Stückwerk bleiben. Denn die konkrete Gestaltung der Arbeit einer Schule ist doch ihrem Wesen nach nichts anderes als der Versuch, mit den zweckmäßigsten Mitteln ein gestecktes «Ziel zu erreichen. Wenn es also gilt, über die jüdische Schule zu diskutieren, muß am Anfang aller Ueberlegungen grundsätzliche Klarheit über dieses Erziehungsziel geschaffen werden. Was will die Schule mit dem Schüler erreichen, oder, vom Schüler aus gesehen: was tut heute dem jungen jüdischen Menschen n o t? Zwei Aufgaben sollen als die wichtigsten herausgestellt werden. Einmal ist es Aufgabe der jüdischen Schule, den jungen Juden für die jüdische Gemeinschaft zu erziehen, zum anderen muß die Schule ihn für das Leben und Tür den Beruf vorbereiten. Der junge Mensch, der die jüdische Schule verläßt, muß das besitzen, was wir jüdische Haltung nennen, und gleichzeitig muß er die Möglichkeit haben, sein Leben gestalten zu können. Die Zeit, in der wir leben, ist aber besonders dazu angetan, ihm beides zu rauben, Haltung und Lebensmöglichkeit. Wohin er kommt, hört er, daß unsere Rasse minderwertig sei. daß unsere kulturellen Leistungen nichtswürdig seien und auf den Seheiterhaufen gehören, daß wir Menschen zweiter Klasse seien usw. Wenn nicht schon der junge Jude an seinem Jude-Sein zerbrechen soll, muß von der jüdischen Schule aus ganz Entscheidendes getan werden. Und dies kann nur so geschehen, daß schon in dem jungen Menschen ein tiefes Gefühl für unsere Schicksalsverbundenheit erzeugt wird, daß schon ganz früh das Verständnis für unsere beispiellose Geschichte, für unsere Helden, für unsere Tradition, unsere Kultur, unsere Feste und für das, was uns alle verbindet: für die Bande des Blutes geweckt wird. Diese Verbundenheit mit dem Schicksal des jüdischen Volkes und dieses Wissen um die jüdischen Leistungen werden dem jungen Juden den inneren Halt geben der ihn fähig macht, eine schwere Gegenwart zu ertragen. Dann wird es ihm auch selbstverständlich sein, zu seinem Judentum Ja zu sagen. Er wird sich offen und stolz zu seinem Judesein bekennen und sich nicht mit. den verschiedensten Mittelchen zu tarnen versuchen. Und nur dann wird gelingen, ihm bewußt zu machen, daß wir „ein Volk sind, o. i n Volk", daß wir alle für einander verantwortlich sind, und daß das Schicksal der Juden in China auch unser Schicksal ist. Erst wenn dieses Verantwortungsbewußtsein des Einzelnen für das gesamte jüdische Volk da ist, wird er auch fähig sein, das Wesen der Judenfrage zu erfassen. Er wird die Judennotvertieft erleben, d. h. den persönlichen Schlag, der ihn trifft, wird er nicht nur als Einzelunglück werten, sondern darin ein Schicksal sehen, das allen Menschen seiner Abstammung gemein ist. Und nur dann wird der junge Jude auch die Verpflichtungin sich fühlen, an der positiven Gestaltung unserer Geschichte, an der Zukunft unseres jüdischen Volkes und somit an der Lösung der Judenfrage tätig mitzuarbeiten. Diese Haltung aber setzt eine wirklich jüdische Erziehung voraus. Die jüdische Schule muß unseren Menschen viel, ungeheuer viel geben, wissensmäßig sowohl als auch gefühlsmäßig. Durch den Verlust einer gemeinsamen Sprache in der Gäluth haben wir den Kontakt mit unserer Kultur fast völlig verloren. Nur die wirkliche Kenntnis der Sprache unseres Volkes kann uns wieder zu den Quellen unseres Jude-Seins zurückbringen. Deshalb darf auch die hebräische Sprache nicht nur eine Fremdsprache wie manche andere sein. Hebräisch ist und bleibt die Sprache unseres Volkes, und wenn sie auch in der Verbannung niemals zur Lebenssprache werden kann, so muß sie doch jedem Juden lebendig sein. Es muß erreicht werden, daß wir nicht nur unsere Gedanken in ihr auszudrücken imstande sind, sondern daß wir auch in ihr ein Ausdrucksmittel für unsere Gefühle und unsere Empfindungen beitzen. Welche Aufgabe hierbei im Unterricht dem hebräischen Lied, dem wirklichen Feiern der jüdischen Feste und vielem anderen zufällt, kann in diesem Rahmen nicht ausgeführt werden. Daß Hebräisch von allen Lehrern der jüdischen Schule gesprochen und verstanden werden muß, versteht sich ganz von selbst. Wie das Hebräische dem Schüler die gefühlsmäßige Einordnung in die jüdische Gemeinschaft erleichtern wird, so muß ihn die Kenntnis unserer Geschichte und unserer Kultur dazu bringen, sich auch geistig in die jüdische Gemeinschaft einzuordnen. Jüdische Geschichte darf dann aber nicht nur als kleiner Ausschnitt der Weltgeschichte betrachtet werden. Jüdische Geschichte treiben heißt für uns vielmehr, die Weltgeschichte mit jüdischen Augen betrachten. Aufgabe des Geschichtsunterrichtes ist es zu zeigen, wie die biologische Kraft, die dem jüdischen Volke innewohnt, immer und immer wieder die entgegentretenden Schwierigkeiten zu überwinden vermochte. Der Glaube an diese Kraft muß geweckt werden. Und der jüdische Geschichtsunterricht darf nicht tendenzlos sein. Aus der Vergangenheit und aus der Gegenwart unseres Volkes müssen eindeutige Folgerungen für die Gestaltung unserer Zukunft gezogen werden. Der Schüler muß erkennen, daß jeder Versuch des jüdischen Volkes, sich zu assimilieren, fehlgeschlagen ist. Er muß verstehen, daß es, abgesehen von der objektiven Unmöglichkeit der Assimilation, für die jawieder die jüngste Geschichte den schlagendsten Beweis liefert, des jüdischen Volkes mit seiner viertausendjährigen, einzigartigen Geschichte unwürdig wäre, sich selbst aufzugeben. Er muß den unbedingten Glauben gewinnen, daß die Judenfrage nur durch eine Kollektivlösung aus der Welt geschafft Averden kann, durch eine Kollektivlösung, die dem jüdischen Volke die Möglichkeit gibt, auf eigenem Boden und mit eigenen Kräften sein Schicksal selbst zu gestalten. Neben dieser geistigen und gefühlsmäßigen Vorbereitung für die jüdische Gemeinschaft hat die jüdische Schule heute noch mehr als früher die Aufgabe, den jungen Menschen für den Beruf vorzubereiten. Ansätze dazu sind schon vorhanden. Allerdings dürfen wir nicht bei der Einführung des Werkunterrichtes stehen bleiben. Es soll ja nicht verkannt werden, daß durch ihn die Freude an der körperlichen Arbeit und das Gefühl für ihren Wert geweckt wird. Aber die jüdische Schule muß heute weiter gehen. Sie muß klar erkennen, daß ihr die wichtige und entscheidende Aufgabe zufällt, unsere Jugend für die Einordnung in produktive Berufe menschlich vorzubereiten, daß sie die Berufswahl in ganz bestimmter Richtung beeinflussen muß, und zwar aus rein praktischen Gründen. Weiterhin muß sie erkennen, daß diese Einordnung in produktive Berufe nur zu einem geringen Teil in Deutschland möglich sein wird.- Einmal wegen der äußeren Schwierigkeiten, und zum anderen wegen der psychologischen Hemmungen, die jeden sozialen Abstieg begleiten, wenn man nicht gelernt hat, ihn als seelisch-menschlichen Aufstieg zu werten. Die Zukunft unserer Jugend in Deutschland ist durch die Entwicklung der Dinge in Frage gestellt worden. Wir müssen ihr einen neuen Lebensraum zeigen. Je mehr aus praktischen und ideellen Gründen einzig Palästina als Lebensraum für unsere Zukunft in Betracht kommt, desto mehr ist es Pflicht der jüdischen Schule, hieraus die Konsequenzen zu ziehen. Träger der Erziehung ist der Lehrer. Seine Aufgabe ist es, dem Schüler jüdische Werte und jüdisches Wissen zu vermitteln; er muß dem Schüler jüdische Haltung vorleben. Aus dem Gesagten ergibt sich mit voller Klarheit, daß an ihn besonders hohe Anforderungen, gerade was das jüdische Wissen anbetrifft, gestellt werden müssen. Es ist aber auch klar, daß an einer wirklich jüdischen Schule nur solche Erzieher wirken können, denen die nationale Wiedergeburt unseres Volkes letztes und höchstes Ideal ist. Sonst werden sie unserer Jugend nie wirkliehe Führer sein können. Denn die jüdische Jugend will

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