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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1933-09-01 · 1 (9.1933) · p. Seite 17

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
12 (1933-1934)
Issue
1 (9.1933)
Date
1933-09-01
Page
Seite 17 (sequence 19)
Language
German
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Seite 17 Gastsassen der in ihrer Mitte gastet. / denn allem Volk geschahs aus Irrung." Sie, Herr Kollege, zitieren zwar (S. 57) einen Deutn-Text, aus dem hervorgehe, „daß man das Recht auch des Fremdlings nicht beugen dürfe", jedoch keinen von all denen, aus denen hervorgeht, daß dieses Recht von dem des Landessprossen nicht gesondert, daß beides „einerlei Recht" ist. Aber nur wenn man von dieser magna Charta des biblischen Glaubens, die nicht bloß Israel, sondern alle Völker binden soll, in deren Mitte Gastsassen gasten (oder ist's Ihre Meinung, daß Gott von den Völkern diese Gerechtigkeit und diese Liebe nicht fordre?), ausgeht als von einer, die durch das Neue Testament nicht aufgehoben worden ist (denn wie sollte das Evangelium eine Minderung an Gerechtigkeit und Liebe zwischen Volk und Volk bedeuten?), hat man -die Möglichkeit, glaub■ensmäßig von einer ..Fremdlingschaft" und von einem „Gehorsam unter die Fremdlingschaft" zu reden. Geht man aber von jener aus, im Glaubensernst des Gläubigen aus den Völkern, so hat man denn doch wohl zu allererst nach dem Gehorsam der Völker zu fragen. Einen Gehorsam unter die Fremdlingschaft, wie Sie sie verstehen, wie aber Gott sie nicht versteht, gebietet er uns nicht. Es kommt uns nicht zu, uns gegen sie aufzulehnen, aber es kommt uns auch nicht zu, uns einem Volkswillen als dem Willen Gottes zu beugen. Psalm um Psalm unsres Buches, von der Kirche angenommen, spricht einen Appell von den Bedrängern an den Befreier aus. Psalm um Psalm wäre Lästerung, wenn Gott von uns nicht allein heischte, daß wir in der Drangsal ausharren, sondern auch, {laß wir uns drein als in ein von ihm Verhängtes appellos schicken. Wir beten auch heute. Wir beten nicht wider andre, wohl aber um unsre und der Völker Erlösung. Der „Feind", wider den der Psalmist eifert, meint unserm nachsprechenden 'Jebet nicht Menschen und nicht Menschenmächte, sondern den Urversucher, der in der Geschichte die Erlösung hindert. „Das echte Judentum", sagen Sic. ..bleibt bei dt'in Symbol des ruhe- und heimatlos über die Erde wandernden Fremdlings."' Das Judentum kennt kein solches Symbol. Der ..ewige Jude" ist eine christliche Sagengestalt, nicht eine jüdische. Das echte Judentum ist stets gewärtig, daß i m n ä c h s t e n A u g e n - blick die Verheißung sich erfülle und seine Wanderschaft ende. Es glaubt nicht, daß ihm geboten sei, die Zerstreuung zu bejahen, sondern, sich in ihr für die Sammlung zu bereiten. Es kennt keine „von Gott gewollte Tragik" (S. 88). die es anzuerkennen hätte, denn es kennt die Gnade, und zwar als eine, die den Menschen zu ihrem Werk beruft. Geschichte ist keine Thronrede Gottes, sondern sein Gespräch mit der Menschheit. Wer nicht alles verfehlen will, muß darauf bedacht sein, die Stimmen der Partner zu unterscheiden. Die „geschichtliche Gegebenheit" des „Gastzustandes", dessen „Wiederherstellung" Sie. Herr Kollege, für die „Lösung der Juden frage"3) halten, ist zu einem" Teil diese Frage selbst. 3) Von den drei anderen ..Lösungsversuchen", die Sic anführen. Ausrottung, Assimilation, Zionismus, sei in diesem Zusammenhang nur der dritte gestreift. Die Argumente, die Sie gegen den Zionismus vorbringen, sind teils übertrieben (als einer, der unablässig für eine stärkere Berücksichtigung der arabischen Ansprüche eingetreten ist, habe ich das Recht, zu sagen, daß von „einer furchtbaren sozialen Vergewaltigung des Fellachentums" keine Rede sein kann), teils unzutreffend (daß Sie ..Arbeitslosigkeit und Not" das heutige Palästina beherrschen lassen, dali Sie aus dem genossenschaftlichen Siedlungsbau der Landarbeiter, einer Bekundung echten Gemeinschaft-;- und Opferwillens, kommunistische Tendenzen ablesen, die ..in die Kulturländer zurückstrahlen und diese zu durchsetzen und zu vergiften suchen" könnten, vermag ich kaum zu begreifen); und die wachsende Glaubenswirklichkeit des Zionismus ist Ihnen unbekannt geblieben. IDIE DIREKTE REISEROUTE NACH PALÄSTINA mit den grossen Schnelldampfern „ITA LI 4t" 6500 To. und „Martha Washiitflton'ssooTo. via Trlest-Brindisi durch den Kanal von Korinth ohne Schiffswechsel Fahrpreise ab Triest nach Jaffa od. Haifa I. Klasse RM. 403.70 II. Klasse RM. 303.60 III. Klasse RM. 121.— inkl. Bett und Verpflegung, auf Wunsch rituelle Beköstigung Abfahrten von Triest wöchentlich Mittwoch, 13 Uhr Ankunft in Jaffa: Am folgenden Montag, 6 Uhr vorm. Reisedauer Frankfurt-M. - Jerusalems 6 Tage Nähere Einzelheiten, Platzbelegungen usw. durch die Agentur des LLOYD TRIESTINO JFrankfurt a. M. - Kaiserstraue 20 Telefon: 23773 . Telegr.-Adr.: Triestino Frankfurtmain sowie alle bedeutenden Reisebüros.

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