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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1933-09-01 · 1 (9.1933) · p. Seite 13

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
12 (1933-1934)
Issue
1 (9.1933)
Date
1933-09-01
Page
Seite 13 (sequence 15)
Language
German
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Seite 13 bei einem Sattler gearbeitet. Dann hat er als „»Gesellenstück" einen Koffer angefertigt, der jeder Kritik standhält. Die Referendarin hat sich so schnell in die Geflügelzucht eingelebt, daß ihr der Züchter nach einigen Tagen mehrere tausend Hühner anvertraut. Der Verwaltungsjurist ist Weber geworden. Er ist nach dreimonatiger Ausbildung in der Lage, Kleiderstoffe, Möbelbezüge, Teppiche und kunstgewerbliche Gegenstände jeder Art zu weben. Ein Kunstmaler und Graphiker erfährt von der Gruppe. Er schließt sich ihr an. Am Tage darauf tritt er bei einem Weißbinder ein, um für die einschlägigen Arbeiten in der Siedlung vorbereitet zu sein. Die schnell entschlossene Umstellung auf einen neuen Beruf und eine neue Lebensform ist keineswegs vereinzelt. Ueberall ein entschiedenes Zupacken, der Wille, dem Leben der jüdischen Gemeinschaft eine handfeste Grundlage zu geben. Eine ganze Anzahl Referendare arbeitet seit Monaten in Gärtnereien. Da erfragt ein Student der Naturwissenschaft eine Lehrstelle für Mechanik oder Optik. Ein anderer junger Akademiker wird Autoschlosser. Das Umschichtungslager der zionistischen Akademiker, in das auch Verheiratete gegangen sind, ist seit Wochen überfüllt. Und .bei den meisten ist es «keineswegs nur das Gefühl, daß ihnen ein anlerer Weg nicht gegeben ist. Martin Buber schreibt einmal: „. . . In den gläubigen Zeiten arbeiten die Menschen gern; wie sie aus Leben glauben, so glauben sie auch an die Arbeit . . . Unter „Gläubigkeit" verstehe ich hier nicht den Glauben an irgendetwas Bestimmtes, sondera die gläubige Gesinnung zum Leben, das „Trotzdem!" des Menschenherzens." Von solcher Gläubigkeit ist die Arbeit der Menschen getragen, von denen ich hier spreche. ALBERT HERZ Internationale Spedition Frankfurt a. M, - Tel. 30576 - Gulleufsfr. 31 Lagerung. Verpackung. Inkasso. Verzollung. Versicherung Spezial-Abteilung f. Umzüge nach d. Ausland Palästina-Transporte - Sammelladungen Korrespondenten an allen wichtigen Plätzen des In- und Auslandes Aus der Geschichte der Gemeinde Die Gotschalke von Bacharach und Kreuznach Ein Beitrag zur Geschichte d. Juden in Frankfurt um d. J. 1400 Von Rabbiner Dr. A. Lewin (SMuss) Nach dieser Schilderung, die nur das Wichtigste enthält, was wir von Gotschalk wissen, dürfte kein Zweifel mehr bestehen, daß Gotschalk von Bacharach und Gotschalk von Kreuznach nicht dieselben Personen sind.1) Dagegen ist es nicht unwahrscheinlich, daß beide miteinander verwandt waren. Dies kann aus dem folgenden Bericht erschlossen werden, den Brisch (a, a. 0. S. 12) gibt: Zwei oberrheinische Juden, Mannus und Gotschalk, hatten um 1375 bei Juden in Köln Gelder deponiert. Der Eine 2550, der Andere 2600 Gulden. Der Rat der Stadt belegte diese Gelder mit Beschlag. Beide riefen deshalb die Hilfe des Grafen Diethard von Katzenelnbogen an, der natürlich der Stadt Köln gerne Fehde ansagte.' 1378 wird folgender Spruch gefällt: Der Graf soll den Beweis erbringen, daß die beiden seine Juden seien, und die Gelder vor Ausbruch des Krieges zwischen dem Erzbischof von Köln und der Stadt Köln in Köln gelegen hätten. Die Juden müßten beschwören, daß die Gelder ihr Eigentum seien. Für Mannus treten auch die Stadt Worms und der Herzog von Bayern als für ihren Juden ein. Erst im Mai 1386 geht der Streit zu Ende. Mannus muß Verzicht leisten. Der Graf erhält 2000 Gulden. Von dem Gelde Gotschalks erfahren wir nichts. Die Darstellung Brischs muß, wenn der Ausgang richtig verstanden werden soll, durch eine l) Herr Prof. Dr. Freimann macht mich noch darauf aufmerksam, daß man den Gotschalk, der sich 1404 auf 5 Jahre in den Schutz des Königs Ruprecht begibt, wegen der großen Zeitspanne nicht identifizieren könne mit dem Gotschalk, der schon 1362 Weib und Kind sein eigen nennt. andere Quelle ergänzt werden. Aber für unsere Beweisführung ist diese Korrektur von keinem Belang. Mannus ist kein anderer als Man, der Vater des Gotschalk von Bacharach. Denn seine Verzichterklärung beginnt mit den Worten: ..Ich Mannys von Köln, wohnend zu Worms . . ." Gotschalk ist Gotschalk von Kreuznach, der ja öfters G. von Katzenellenbogen genannt wird. Wir wissen außerdem, daß Man in Worms einen Schwiegersohn Gotschalk hat, der schon 1379 in Worms sitzt und mit Isak von Aschaffenburg in Geschäftsverbindung steht. Vielleicht ist es der Eljakim-Sohn des noch lebenden Meschullam (Sohn des Eljakim) auf der Liste von 1377. Es scheint nun wahrscheinlich, daß dieser Schwiegersohn des Man Gotschalk von Kreuznach ist. Dann wäre die Bulin, die Frau des Gotschalk, eine Tochter des Man, und beide Gotschalk wären Schwäger. Wir erhielten dann einen Stammbaum, der Familien von Worms, Frankfurt, Straßburg, Nürnberg und Köln zusammenschließt und sich über 150 Jahre erstreckt. Am Anfang steht Simon, der Vater des Man, der Märtyrer, und der letzte bis jetzt erkennbare Zweig in der 5. Generation ist Samson von Friedberg, der 1416 noch in Frankfurt lebt. Handwerk, Handel und Ackerbau sind ihnen vom Staate untersagt. Das Geldgeschäft wird ihnen vom Staat aufgezwungen. So fristen sie in der steten Furcht, heute zu verlieren, was sie gestern gewonnen, ihr armseliges Dasein. Nur der Märtyrergeist und die enge verwandtschaftliche Verbundenheit machen sie so stark, daß sie „allen Gewalten zum Trotz sich erhalten". Kaiserstr. 4 Gegr. 1826 Inh. Paul Buseck Alexander Loeb Glas Porzellan Keramik zu allerbilligsten Preisen . 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