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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1933-07-01 · 11 (7.1933) · p. Seite 283

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
11 (1932-1933)
Issue
11 (7.1933)
Date
1933-07-01
Page
Seite 283 (sequence 13)
Language
German
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Seite 283 Über Hunde und Katzen Von Tierarzt Dr. Bernhard Strauch, Frankfurt a. M. Im alten Palästina kannten unsere Vorfahren als Haustiere im wesentlichen nur die Nutztiere, wie Rinder, Schafe, Ziegen, Esel, Pferde und Maultiere. Während die Griechen und Römer vielerlei Kleintiere wie Affen, Katzen, Iltis, Wiesel usw. in ihren Häusern hielten, wird in jüdischen Häusern nur das Halten von Affen als Luxustiere erwähnt. Katzen wurden als Mäusevertilger gebraucht, waren aber wohl nur in beschränkter Zahl vorhanden, denn bei Bedarf lieh man sich eine solche von einem Nachbar aus. Häufig kommt der Hund vor, der aber nicht in unserem Sinne Haustier war und deshalb auch nicht zur Gattung „Vieh" (nana), sondern zur Gattung „Tier" (rp r?) zählt. Hunde wurden zum Schutz der Häuser und auf Reisen, als Dorfhunde zum Auflesen der Speiseabfälle und von den Hirten als Herdenhunde gehalten. Es hatte wohl jeder Israelit seinen Hund und selbst der Hohepriester hielt ihn. Tagsüber lag der Hund meist an der Kette und wurde nur für die Nacht freigelassen. Die rabbinischen Quellen kennen die Tollwut der Hunde und ihre Gefährlichkeit für den Menschen, auch über den Schaden durch wildernde Hunde wird berichtet, doch wird im übrigen die Treue und Wachsamkeit dieser Tiere gefeiert. Das Ghetto war mit seiner räumlichen Enge dem Halten von Hunden nicht günstig. Mit dem Beginn der Emanzipation fiel dies Hemmnis fort, und der Hund wurde auch für den jüdischen Menschen wieder allgemein zum Wächter und Beschützer. Vor allem gilt dies für die auf dem Lande lebenden Juden. Nahezu jeder ländliche jüdische Haushalt hatte und hat noch heute seinen Hofhund. Auch in den Städten finden wir seitdem zu gleichem Zwecke Hunde in jüdischen Häusern, besonders in den isoliert stehenden und in Einfamilienhäusern. Mit der Veredelung der Hunderassen seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts und der dadurch bedingten Steigerung ihres materiellen und ideellen Wertes tritt auch eine Aenderung in der Stellung des Hundes zu seinem Besitzer ein. Die mittleren und kleineren Hunderassen finden jetzt Aufnahme in den Wohnungen der Menschen und die unmittelbare Teilnahme am Familienleben hebt den Hund nun über seinen eigentlichen Bestimmungszweck als Wächter und Beschützer hinaus und macht ihn zum treuen Freund des Hauses, zum Spielgefährten der Kinder und zum Begleiter der Familienmitglieder außerhalb der Wohnung. Der wohlerzogene Hund genießt in jüdischen Häusern die gleiche Liebe wie in denen der christlichen Mitbürger. Diese Liebe erwirbt sich der Haushurid durch seine treue Anhänglichkeit, seine Genügsamkeit und sein immer gleichbleibendes freundliches Verhalten. Er ist dankbar für jedes gute Wort, für jedes Streicheln, wild vor Freude, wenn es „ausgehen" heißt, und betrübt aber selbstgenügsam, wenn es heißt, allein zu Hause zu bleiben. Kehrt die Herrschaft heim, so wird sie stürmisch begrüßt, es gibt kein Schmollen und Nachtragen. Von allen Tierarten ist der •Hund am meisten der Gnade oder Ungnade seines Herrn ausgeliefert, weil bei ihm nicht im gleichen Maße wie bei den .Nutztieren der Eigennutz des Besitzers eine Rolle spielt. Das Wohlwollen und die Güte des Herrn ist für sein Ersehen allein bestimmend. Darum bietet ein herrenloser Hund das traurige Bild. völliger Verlassenheit. Von Natur aus ist das Gemüt des Hundes voll zuversichtlichen, unbegrenzten Vertrauens zur Güte und Gerechtigkeit des Menschen. Das kann * man am besten am Verhalten ganz junger beobachten, die noch keine trüben Erfahrungen mit der Befehlsgewalt der Menschen über sie gemacht haben. Neben dem leiblichen Wohlergehen durch die Gunst seines Besitzers erstrebt der Hund auch dessen Anerkennung und Zufriedenheit. Ein scharfer Tadel des Herrn hat fast die Wirkung einer körperlichen Züchtigung. Mit hängenden Ohren, traurig eingezogenem Schwanz^ bekümmert über die eigne Unzulänglichkeit, verkriecht sich der Gescholtene still und demütig in seine Ecke. Ein Lob des Herrn aber erfüllt ihn mit frohem Stolz und beglückender Freude. Unschätzbar ist der Wert eines Hundes im Haushalt für das Gemüt des Kindes in der Großstadt. Innerhalb des Häusermeeres wachsen die Kinder naturfremd heran und stehen der Tierwelt verständnislos gegenüber, womit ein Teil ihres Seelenlebens verkümmert. Wo aber ein Hund im Hause ist, wo er mit den heranwachsenden Kindern als Gefährte spielt und herumtollt, ihr Freund und Begleiter ist, da lernt das Kind in ihm die unschuldige Seele des Tieres kennen und verstehen und gewinnt es Kontakt mit seinen Mitgeschöpfen und damit mit der Natur selbst. So ist die Liebe zum lebendigen Tier em Weg zum Leben selbst. Dabei werden Hunde mehr in kinderlosen Häusern gehalten als in kinderreichen Familien. Gegen das Halten eines Hundes in einer Wohnung, in der Kinder vorhanden sind, werden vielfach gerade von jüdischer Seite Bedenken hygienischer Natur geltend gemacht. Richtig ist, daß aus Sauberkeitsgründen den Hunden das Lecken abzugewöhnen ist und daß Kinder und Erwachsene sich, wenn sie von einem Hunde geleckt wurden, die Hände waschen sollten. Eine wirkliche Gefahr droht nur von einer Bandwurmart der Hunde, die aber in deutschen Städten äußerst selten vorkommt. Auch diese Gefahr ist sicher und leicht durch eine vom Tierarzt vorzuschreibende, vorbeugende Wurmkur des Tieres zu beseitigen. Die hohe Steuer für die Hundehaltung erschwert es in Zeiten wirtschaftlicher Not vielen Tierliebhabern, sich einen Hund zu halten. Wie in christlichen Häusern haben daher in der Nachkriegszeit auch in jüdischen Häusern Katzen als Lieblingstiere Eingang gefunden. Neben der gewöhnlichen Hauskatze findet man die seltenere und wertvollere Angorakatze und die Perserkatze. Bevorzugt werden kastrierte Kater, weil sie nicht den Drang zum Vagabondieren haben und daher treue und anhängliche Zimmertiere sind. Ob Hund oder Katze vorzuziehen ist, das ist schließlich eine Angelegenheit der persönlichen Einstellung. Wer in bedrückter Stimmung in sein Heim zurückkehrt, erfährt Ablenkung und gewinnt damit Ruhe und' Frohsinn wieder, wenn ihm sein Hund still den Kopf auf das Knie legt und aus treuen Hundeaugen stumm das Mitgefühl der Kreatur bekundet. Die gleiche Beruhigung und Befriedung kann eine Katze geben, wenn sie sich schnurrend an dem Versonnenen reibt oder in seinen Schoß springt und sich hier wohlig zusammenrollt. Jedenfalls vergilt uns ein Tier im Hause reichlich die ihm entgegengebrachte Liebe. Verbitterten Gemütern erscheint der treue Hausgenosse wohl als der einzige wahre, unbestechliche Freund. Des Tieres Treue und Anhänglichkeit ist in der Tat durch keine Unbill, die seinem Herrn widerfährt, zu erschüttern und besteht auch in Notzeiten unvermindert fort. Abschließend sei hier die interessante Auffassung von Prentice Mulford („Der Unfug des Sterbens") über das Verhältnis von Tieren zum Menschen wiedergegeben: „Eine schlafende Katze im Zimmer oder im Hause ist ein besserer Genosse als ein nervöser, ruheloser Mensch. Außerdem absorbiert das Tier unsere eigene Unruhe und trägt sie fort. Aus diesem Grunde ist es gut, junge, starke, harmlose Tiere um sich zu haben, aber nicht solche, die in Käfigen hocken müssen oder sonst ihrer Freiheit beraubt sind. Das freie Tier, liebevoll behandelt, absorbiert geistige Elemente, die wir aussenden und in Gefahr sind, wieder zu resorbieren, falls sie in unserer Aura verbleiben. Die Tiere nehmen sie mit fort, ohne dadurch Schaden zu leiden.* Paul Strasburges Co. BANKHAUS Bockenheimer Anlage 32 Telefon 58712 und 58044-45 Stahlkammer Ausführung aller Banku. Börsen-Geschäfte. Interessante Hinweise auf beachtenswerte Aktien- und Rentenwerte erfolgen kostenlos

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