Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 11 (1932-1933)
- Issue
- 11 (7.1933)
- Date
- 1933-07-01
- Page
- Seite 282 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 282 # So notwendig es ist, daß Eltern und Erzieher die Unruheerscheinungen ihrer Kinder im einzelnen zuerst einmal beobachten und erkennen müßten, um sie zur Abdämpfung zu bringen und sich zugleich über die zugrundeliegenden Gefühlsregungen Klarheit schaffen, um sie beeinflussen zu können, — so notwendig, ja noch notwendiger ist es, daß der Blick der Elterngeneration auch auf die gesamte Umwelt gerichtet ist, in welcher das Kind von Natur aus zu leben gezwungen ist. Denn es muß die erzieherische Umwelt des Kindes — und das heißt doch eigentlich: sein ganzer Lebenskreis — viel, viel bewußter gestaltet werden, als es gewöhnlich geschieht. Insbesondere das häusliche Milieu der Kinder soll nicht einfach „da" sein, so wie es sich aus den Kräften und Gegebenheiten des familiären Zusammenlebens gebildet hat, sondern es soll geformt, durchdacht, verändert werden. Hat doch auch jede Pflanze Anspruch auf den Unpassenden Nährboden! In ruhigen Zeiten bedeutet dies, daß jedes Kind nach Persönlichkeit und Fähigkeit entwickelt werden sollte. In unruhigen Zeiten aber muß als vornehmste Aufgabe vom erzieherischen Milieu verlangt werden, daß dieses selber in erster Linie Ruhe ausstrahlt und Gleichmaß behält, damit das Kind sicli wenigstens dort geborgen fühlen und sieh selber finden kann, wo seine engste Lebenssphäre ist. Pädagogisch und ärztlich grundverkehrt ist es also, wenn die Umgebung des Kindes im Lebensstil gehetzt und unruhig ist und in der inneren Haltung Ziellosigkeit und Ungleichmäßigkeit verrät. Das Kind merkt sofort, daß die Grundsäulen seines Gebäudes, als welche es nun einmal die Erwachsenen ansieht, wanken, und es spiegelt sich die Haltungslosigkeit der Eltern vergrößert im Verhalten der Kinder wider. Gewiß soll nach der heutigen erzieherischen Ansicht das Kind mehr als früher an alle Realitäten des Lebens herangeführt werden, auch an den Ernst und an die Not, wo es ihnen gewachsen ist, aber gerade darum muß das-Kind irgendwo fest eingewurze 11 sein. Es darf also nicht auch noch zu Hause aufgewühlt und erschüttert werden, wo schon die plötzlichen Veränderungen der Außenwelt dauernd Fragen und Unsicherheit an es heranbringen. An der unerschütterlichen Ruhe und Gelassenheit der Eltern, an der vertrauensvollen Stimmung des Hauses, an der Hilfsbereitschaft seines Familienkreises muß das Kind gefühlsmäßig das Zeiten überdauernde Fundament einer positiven Weltanschauung erleben und weiterhin lernen, wie der wahre Mensch sich erst in der Not bewährt! Muß noch hinzugefügt werden, daß auch nach Ansicht der Psychotherapie religiöser Sinn, religiöse Tat und religiöse Gemeinschaft der sicherste Grund sind, auf welchem eine wirkliche Erziehung sich aufbaut? Und daß auch in der jüdischen Schule das jüdische Kind am freiesten seelisch gedeihen kann? So kommen wir zu der ärztlichen Forderung: Mehr als jemals muß heute der erzieherische Raum des jüdischen Kindes allgemein so gestaltet werden, daß er ein Reservoir für Lebensbejahung, Lebenskraft und Lebensfreude wird, damit er im Einzelfalle und für die Zuk.unftsentwicklung unserer. Gemeinschaft Unruhe und Angst abzudämpfen geeignet ist. Diese Verlegung der psychotherapeutischen Aufgabe dn das gesamte erzieherische Milieu ist vorbeugend und heilend um so wichtiger, als die frühe geübte große ärztliche Psychotherapie des einzelnen Krankheitsfalles gegenwärtig aus Mangel an Zeit und Besinnlichkeit kaum mehr durchgerührt werden kann. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen sich die Erwachsenen zuerst bewußt werden, daß sie selber in ihrem Verhalten und Schaffen die Träger der Milieubildung sind. Auch die Angst der Kinder ist oft nur die Angst der Eltern. Es mündet also die heilpädagogische Aufgabe unserer Gegenwart in einen dringenden Appell zu einer „vernünftigen Erziehung der Erzieher". BANKHAUS HEINRICH CAHN & Co. Taunusstr. 7 / Gegründet 1873 / Telefon 34247-48 / Inhaber: Moritz Feibehu. Arthur Schiff Ausführung sämtlicher bankmäßigen Geschäfte. Individuelle Vermögensberatung u. Verwaltung. Vermietung von Schliessfächern. V..__;_J Mod-BettsteU^ Gute Matratzen Deckbetten und Kissen allef Aft Bett-Federn «md Daunen, l»lets SchU<ddeCCcren »WtÄen Lander-Decken Bett-Wäsche Kinder-Wasen Korbmbhe1 Med. Coucbes Couch-Betten Chaiselongues Polster-Sessel Edelholzzunmer Eichen-Zh"n,cf Mod. Küchen Vfohnziu11"®' Vreißlack-Wlobel Kindermbbei Betten-Buchdahl Große l^scnenriLeimersirai'e s~io BOROBEDARF JEDER ART Kohlenpapier, Farbbänder, Büro-Einrichtungen - Registraturbedarf ALFRED CHBZANOWSKI Reparatur und;Reinigungsämtlicher Büromaschinen FRANKFURT-M., MAINZER LDSTR.24 durch Spezial-Monteurdienst Tel. 73588 '