Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 11 (1932-1933)
- Issue
- 10 (6.1933)
- Date
- 1933-06-01
- Page
- Seite 248 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 248 Auge um Auge)? » Die in Frankfurt erscheinende katholische Rhein-Mainische Volkszeitung brachte in ihrer Ausgabe vom 4. April an leitender Stelle einen Aufsatz von Pfarrer Alois Eckert unter der Überschrift ..2 Mos, 21.24 und Matth. 5,38 ff.". Der Verfasser wendet sich im Namen der christlichen Gerechtigkeit gegen die neueste gesetzgeberische Behandlung der deutschen Judenfrage. Seine Ausführungen führten zu einer an der gleichen Stelle am 13. April veröffentlichten Gegenäußenmg von Martin Buber, die "wir mit der Vorbemerkung von Pfarrei- Eckert -wiedergeben. Die Rhein-Mainische Volkszeitung hat weiterhin am 11. und 16. Mai zwei sehr beachtenswerte Aufsätze von W. D. ..Gesichtspunkte zur Judenfrage" und „Die Judenfrage als positive Aufgabe" veröffentlicht. ..V o r b e m e r k u n g : An meinen Aufsatz „2. Mos. 21, 24 und Matth. 5, 38 ff." hat sieh eine umfangreiche, für die Wachheit des christlichen Gewissens wirklich trostvolle Korrespon denz angeschlossen. Dabei werde ich in mehreren Zuschriften aus jüdischen Kreisen darauf aufmerksam gemacht, daß wohl schon das Judentum z. Zt. Christi, ebenso wie das heutige Judentum die angezogenen Stellen im 2. und 3. Mosesbuch nicht im Sinne einer blutigen Wiedervergeltung, sondern im Sinne einer Schadenersatzleistung versteht. Insbesondere habe das Zitat Jesu in der Bergpredigt ..Du sollst Deinen Nächsten lieben und Deinen Feind hassen" im Alten Testament keine Belegstelle und sei wohl die Zurückweisung eines Volksspruches, der aus der heidnischen Vulgärmoral in das damalige zeitgenössische Judentum -eingedrungen sei. Ich gebe diese ergänzende Korrektur um .so lieber zur Kenntnis, als sie die Tendenz meines Artikels noch erheblich verstärkt. Zumal die in dem unten veröffentlichten Brief Martin Bubers an Ernst Michel angezogene Stelle aus 3. Mos. 19. mit ihrer ernsten Verpflichtung zur loyalen Behandlung der „Gastsassen" ist heute geradezu ein Ruf an unser christliches Gewissen. Pfarrer A. Eckert. Brief an Ernst Michel Sie -schicken mir. lieber Freund, den in der RMV. vom 4. April erschienenen, der Beachtung würdigen Aufsatz von Pfarrer Eckert über 2. Mos. 21, 24 und Matth. 5, 38 und fragen mich, ob ich der darin vertretenen Auffassung des alttestanientlichen Textes zustimmen kann. Was 2. Mos. 21, 24 zur Zeit der Niederschrift im Zusammenhang der biblischen Urkunde besagte, ist strittig. Es sind aber (insbesondere von J. Horovitz in .seiner Abhandlung „Auge um Auge. Zahn um Zahn" in „Judaica", Festschrift zu Hermann Cohens 70. Geburtstag, Berlin 1912, und von B. Jacob in seinem Buch ..Auge um Äuge". Berlin 1929) gewichtige Gründe dafür geltend gemacht worden, daß es sich um symbolische Geldbuße-Bezeichnungen handelt, daß also jemand, der seinem Mitmenschen z. B. eine Beule beibrachte, nicht selber eine zu empfangen, sondern jenem eine „Beule", d. h. die ihr entsprechende Ersatzzahlung zu leisten hatte. Nur bei einem Mord wird (4. Mos. 35, 31) keine Abgeltung durch „Bedeckimgsgeld" zugelassen. Nicht strittig jedoch, sondern eindeutig feststehend ist, daß die jüdische Tradition im Zeitalter Jesu die alttestanientlichen Texte eben so; also nicht im Sinn eines ius talionis antiqua (Vergeltungsrec/ht) verstanden hat. Das talmudische Gesetz (Mischna. Traktat Baba Kamma VIII. 1. vgl. babyl. Talmud im gleichen Traktat 84a, Mechilta zu 2. Mos. 21, 24) bestimmt unter Berufung auf die Schriftstellen nur Geldbußen und deren Abschätzung von den zugefügten Verletzungen aus. Die jüdische Gemeinschaft, in der Jesus lebte, hat somit auf jeden Fall ein Vergeltungsrecht des „Gleich um Gleich" nicht gekannt. Pfarrer Eckert führt weiter einen anderen Satz der Bergpredigt an: „Ihr habt gehört, daß gesagt wunde: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen". Es ist zu verstehen, daß die neutestamentlicbe Forschung bezweifelt hat, ob die Worte „und deinen Feind hassen" von Jesus gesprochen worden sind. Im Alten Testament sind nämlich weder sie noch irgend etwas ihnen Aehnelndes zu finden; vielmehr wird, daß man auch dem Feinde sich hilfreich erzeigen soll, 2. Mos. 23,4 f. und an mehreren anderen Stellen in unmißdeutbarer Weise geboten. Dem Vers 3. Mos. 23,4 f., in dem die von Luther mit -Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich s&Lbst" übersetzten Worte — richtiger: „Halte lieb deinen Genossen, dir gleich" — enthalten sind, geht einer voraus, in dem es heißt: „Hasse nicht deinen Bruder in deinem Herzen". Man hat gemeint, das Wort ,,rea", das durch Nächster, Genosse wiedergegeben ist, beziehe sich nur auf den Volksgenossen. Daß diese Meinung falsch ist, geht aus Aus reiner Wolle gestrickt, elastisch und solide, elegant im Sitz, moderne Farben und Rückenausschnitte. Und dazu der niedrige Preis!... Badehelm aus gutem Gummi, mit verstellbarem Kinnband ... Badeschuh aus festem Gummi, mit Gummiabsatz............... 1.-