Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 11 (1932-1933)
- Issue
- 10 (6.1933)
- Date
- 1933-06-01
- Page
- Seite 247 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 247 Vom anderen Ufer Gespräche in Deutschland Diese Ueberschrift trägt ein Aufsatz des Universitätsprofessors Dr. Wolfgang Köhler, Berlin, in der Deutschen Allgemeinen Zeitung vom 28. April. Hier folgt der Teil des Aufsatzes, der sich mit der deutschen Judenfrage befaßt. „. . . Keiner von den Deutschen, die ich meine, leugnet das Vorhandensein eines Judenproblems in Deutschland; die meisten von ihnen glauben, daß die Deutschen das Recht haben, die Zusammensetzung ihres Volkskörpers zu kontrollieren und den zu groß gewordenen Anteil von Juden an der Führung aller wesentlichen Angelegenheiten des Volkes durch weise Regelung zu beschränken. Nur solche Maßnahmen aber können sie innerlich billigen, die nicht auf Umwegen Deutschland schädigen, die nicht plötzlich die Existenz von ganz Unschuldigen zerstören und die nicht die bedeutenden, vornehmem Menschen unter den deutschen Juden schwer verletzen. Denn meine Freunde wollen der These nicht zustimmen, daß jeder Jude, als Jude, eine niedere, minderwertige Form von M-enfchentum darstellt. Als ich fragte, griff einer nach den Psalmen und las: Der Herr ist mein Hirte; mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser. — Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, furchte ich kein Unglück: denn du bist bei mir. Auch den 90. Psalm las er noch und sagte dann: Kaum hat je ein Deutscher Menschenherzen tiefer erschüttert und getröstet, die in Not sind. Und dies ist von den Juden zu uns gekommen. Ein anderer erinnerte mich, daß niemals ein Mensch reiner um Klärung seiner Welt gerungen haben wird als der Jude Spinoza, dessen Weisheit Goethe verehrte. Er scheue sich nicht zu verehren, wo es Goethe getan hat. Ueberdies hätte Les-'Singif saubere Feder gewiß den „Nathan" nicht geschrieben, wenn menschlicher Adel nicht unter Juden vorkäme. Von den Deutschen, die jetzt abseits stehen, sind viele Lehrer an deutschen Hochschulen, und manche sind Naturforscher. Es scheint, daß keiner an das kurze Leben und das große Schaffen von Heinrich Hertz denken kann, ohne daß eine fast zärtliche Bewunderung in seine Augen kommt. In Hertz aber wiar jüdisches Blut. Einer hat mir unterwegs auf der Straße gesagt: „Der größte deutsche Experimentalphysiker der Gegenwart heißt Franck; manche glauben, er sei der größte Experimentator dieser Wissenschaft, den eben die Welt besitzt. Dieser Franck ist Jude, ein gütiger Mensch, wenn je einer in Deutschland war. Bis vor wenigen Tagen war er Professor in Göttingen, ein Ruhm Deutschlands, um den uns draußen die wissenschaftliche Welt beneidete. Ein deutsches Gesetz hat, nicht dem Wortlaut nach, wohl aber durch seinen inneren Sinn, diesen guten und großen Menschen so schwer getroffen, daß er aus unseren Lielhen scheidet. Haben Sie gelesen, mit welchen Worten er seine Stellung aufgibt? Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, daß Juden vornehme Menschen sein können, dieser Mann hat ihn erbracht." Er nahm seinen Hut ab, und mir schien, ich sollte es auch tun. Vielleicht ist hier der ernsteste Grund zu sehen, weshalb allo diese Leute beiseite stehen: sie fühlen den Grund und Boden ihrer moralischen Welt tangiert. Für sie gilt, daß nur die wirkliche Beschaffenheit eines Menschen über ihn zu entscheiden erlaubt, und daß geistige Bedeutung, Vornehmheit der Gesinnung und evidentes Verdienst um die deutsche Kultur bleiben, was sie sonst sind, wenn sie an einem Juden gefunden werden. Alles, Avas sie seit ihrer Kindheit lernten, und sicher noch tiefer liegende Kräfte, verpflichten sie auf diese Haltung, von der sie schlechterdings nicht abgehen können. — Dazu aber kommt wiederum die Sorge um ihre Nation. Die gegenwärtige geistige Kultur Deutschlands ist ein mächtiges Haus, gebaut aus Steinen von mancherlei Art. Manche Steine haben sich als minderwertig erwiesen. Kein Zweifel, daß man diese entfernen muß. Indessen fürchten meine Freunde, daß die Steine nicht auf ihre wirkliche Sachbeschalfenheit geprüft, sondern alle Steine gerade nur einer Herkunft beanstandet, diese schnell herausgerissen und dabei unversehens Teile des ganzen Baus gefährdet werden könnten. Demi nie erfaßt der vom Zorn umwölkte Sinn klar seinen Gegenstand. Meine Freunde denken, daß es unentbehrliche Träger im Haus der deutschen Kultur gibt, welche von Juden stammen. Jeder Stoß, der eben durch dies Haus geht, macht sie für das Haus und seine Zukunft zittern . . ." Ich führe den Sakko-Anzug nach Ihrem Maß (in Koscher-Verarbeitung ohne Aufschlag von RM. 50.— bis 100.— den Mantel nach Ihrem Maß den Sport-Anzug nach Ihrem Maß das Oberhemd nach Maß Marke „ L a c o " und „Mowi" die Krawatte Marke „Krone" und „Ariston" Kaiserstr. 7 lllinillll!lllllKllli!llllllllllliiilllll!!lllllili!!im IA. 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