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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1933-06-01 · 10 (6.1933) · p. Seite 241

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
11 (1932-1933)
Issue
10 (6.1933)
Date
1933-06-01
Page
Seite 241 (sequence 7)
Language
German
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Seite 241 päische Kultur eingetreten sind. Daß wir in uns etwas haben, was keine Meinung der Welt zu schmälern vermag. Nicht was andere von uns denke«, sondern wie wir selbst uns fühlen, macht unseren Wert aus. Nicht welchen Platz andere uns einräumen, sondern welchen Platz wir selbst uns geben, ist entscheidend für unseren Platz unter den Völkern. Daß wir das auserwählte Volk uns nannten, warf man uns einst als Hochmut vor. 0, daß wir nur ein klein wenig von diesem „hochgemuten" Sinn hätten, nur soviel, daß es zur Selbstachtung reichte! Erben ungeheurer eigener Schätze, sollten wir es verschmähen, zu betteln, wo wir zn schenken haben. Nur dürfen wir freilich das Leben nicht von außen ansehen, als ein Jagen nach äußerem Erfolg, als ein Streben nach Anerkennung und Gleichmachung, wie es vielen in den Jahrzehnten äußerlicher Verflachung geworden ist. Solchen mag wirklich das Judentum, zumal heute, ein Unglück dünken, und sie mögen es für unverständlich ansehen, wie man es je als Glück betrachten konnte, ein Jude zu.sein. Ein Vergnügen war es nie, Jude zu sein. Aber die Menschen sind auch nicht zum Vergnügen auf der Weit. Wer das noch je gewähnt und sein Leben darauf gestellt hat, ist noch nie auf seine Rechnung gekommen. Unseren Patriarchen ward in grauer Vorzeit eine doppelte Verheißung: „ihr sollt werden wie die Sterne am Himmel" und „ihr sollt werden wie der Staub der E r d e". An uns liegt es, welche Verheißung in Erfüllung gehen soll. Wir können wie der Staub und können wie die Sterne sein. Wir können am Staube kleben und im äußeren Genießen den Sinn des Lebens erblicken, .und wir können unserem Dasein einen Sternensinn geben. Wie erhebt und beglückt der Gedanke, in diesem, kleinlichen Leben eine große heilige Axifgabe zu haben, um derentwillen es sich lohnt zu leben und zu sterben. An xius liegt es, an diesen Sinn unseres Daseins, an den Sinn und Zweck unserer einzigartigen Forterhaltung unter allen Nationen der Erde, an unsere Sendung und Bestimmung vom Sinai her zu glauben: „ein Reich von Priestern zu sein und ein heiliges Volk". Ein solcher Hochgedanke würde uns emporreißen aus der seelischen Heimatlosigkeit und der äußeren Erbärmlichkeit der Gegenwart, würde unser Leben wieder reich und tief, lebenswert und glücklich machen. Würde uns und unsere Kinder wieder hungern lassen nach dem geistigen Brote unseres Volkes, nach seiner Sinailehre, seinen heiligen Schriften, seiner wunderbaren Geschichte. Würde die Selbstachtung und das SelLstgefühl unserer Väter und Mütter wieder in unsere matte Seslo gießen und uns mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele empfinden lassen das Glück, Jude zu sein. Die Kultussteuer ist a m 10. J u n i fällig. Die Gemeindemitglieder werden dringend gebeten,*die Vorauszahlungen pünktlich zu 1 e i[s t e n, damit die Gemeinde jin der Lage ist, ihren Verpflichtungen nachzukommen. Die Kultussteuer sollte von Jedem gern und pünktlich bezahlt werden, denn: 1) in der jetzigen Zeit ist es mehr als je dringend erforderlich, die Gemeinde als älteste und einzige Organisationsform, die alle Juden umfasst, zu erhalten. Dies gilt besonders auch für alle, die von den Einrichtungen der Gemeinde nur geringen oder gar keinen Gebrauch machen, für die aber die Zugehörigkeit zur jüdischen Gemeinschaft mehr als ein leeres Wort ist. 2) sie bietet der Gemeinde die einzige Möglichkeit, neben ihren religiösen und kulturellen Verpflichtungen zu den gewaltig ^angestiegenen Lasten für soziale Aufgaben beizutragen. 3) durch die Zahlung der Kultussteuer ermässigt sich die Einkommensteuer. 4) die von der Gesamtgemeinde gewählte, alle Kreise der Gemeinde vertretende Verwaltung bürgt für sacbgemässe und sparsamste Verwendung der Steuermittel. Museum Jüdischer Altertümer und Rothschild-Museum Von Dr. Hermann Gundersheim er Als vor einem halben Jahre der Neu- und Umbau des Gemeindehauses abgeschlossen war, als Vertreter der Behörden und jüdischen Organisationen unserer Stadt sich zusammenfanden, um den neuerstandenen Zentralpunkt jüdischen Lebens seiner Bestimmung zu übergeben, war ein wesentlicher Teil des Hauses noch nicht ^bezogen: die Räume, die das Museum jüdischer Altertümer bergen sollten, und die historischen Rothschildzimmer, die in ihrem ursprünglichen Charakter erhalten bleiben mußten, waren noch kaum über das rein Bauliche hinaus in Angriff genommen. Damals wurde mir 'die Aufgabe gestellt, die zum Museum jüdischer Altertümer zusammengefaßten Sammlungen der Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler, der Israelitischen Gemeinde, sowie anderer Besitzer in den neuen Räumen unterzubringen und die alten Rothschildschen Räume, die einen ebenso historischen wie künstlerischen Charakter haben, unter voller Wahrung ihrer Eigenart, museal zu restaurieren. So überaus verlockend diese Aufgabe war, so groß auch die Freude und die Unternehmungslust waren, die mich vom ersten Tag dieser Tätigkeit bis zu ihrem Abschluß nicht verließen, so unmöglich wäre die Durchführung des Ausstattungsplanes gewesen, hätte ich mich nicht des Vertrauens der Gemeinde und ihrer zuständigen Referenten, sowie der Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler und ihrer Museumsreferenten, der Herren Dr. Felix Kauffmann und Architekt Epstein, erfreuen dürfen. Das bereitwillige Eingehen auf meine Vorschläge, die angenehme Form der Zusammenarbeit haben es vermocht, die Schwierigkeiten, die aus der Kulturgeschichtlicher Raum and Menora-Sammlu ng Teil des Synagogenraums

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