Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 11 (1932-1933)
- Issue
- 10 (6.1933)
- Date
- 1933-06-01
- Page
- Seite 242 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 242 Empfangszimmer mit den Bildnissen der Matter Gudula und ihrer fünf Söhne gebotenen Einhaltung der ausgesetzten Mittel sich ergaben, zu überwinden. Fräulein Ida Posen lieh mir ihre gründliche Kenntnis der vorhandenen Ausstellungsstücke und trug damit ein Wesentliches zur Lösung der Aufgabe bei. Die überwiegende Mehrzahl der Objekte war bereits im Museum jüdischer Altertümer ausgestellt gewesen, als dieses durch Herrn Erich Toeplitz verwaltet und betreut wurde. Unter den günstigeren Rauniverhältnissen wird nun mancher Gegenstand in gesteigerter Wirkung wahrgenommen werden. Den zur Durchführung der geplanten Aufstellung und Anordnung erforderlichen baulichen und innenarchitektonischen Veränderungen in den dem Museum zugewiesenen Räumen hat Herr Architekt Schragenheim seine technischen Erfahrungen zuteil werden lassen. Die Neuordnung ging von der Erkenntnis aus, daß in Anbetracht der zumeist geringen Größenverhältnisse der Museumsobjekte die Ausstellungsräume nicht allzu .groß sein dürften. Es wurden deshalb durch Einbeziehung von Scherwänden kleinere Kabinette geschaffen, die zugleich auch für die sinngemäße Unterbringung der Gegenstände eine Möglichkeit bieten sollten. Durch Wechsel in der farbigen Bemalung der Wände sollte die leicht durch intensive Betrachtung, besonders kleiner Objekte, sich einstellende Ermüdung vermieden werden. Das Intime, Allgemeingültige und Typische der Kultgegenstände sollte durch die Anordnung nicht verloren gehen, während zugleich jede' enge und dichte Form der Aufstellung vermieden werden mußte, um die individuellen Werte und Eigenarten nicht zu ersticken, sondern zum Leben zu erwecken. Unter Anwendung moderner musealer Grundsätze der lockeren, akzentuierenden Aufstellung und Gliederung galt es, das durchaus Unmuseale, weil von lebendiger Bedeutung und religiöser Zweckbestimmtheit erfüllte „Material" so darzubieten, daß es. unter Betonung seiner künstlerischen oder kulturgeschichtlichen Bedeutung, die Gebundenheit an 'die religiösen und kultischen Voraussetzungen erkennen lasse. Was die Eier gestellte ästhetische Forderung angeht, so wurden Mittel augewandt, die unauffällig, aber unabweisbar die wichtigeren Gegenstände betonten. Alle Wände wurden mit einer Rupfenbespannung versehen, die als Untergrund für die aufgetragene Farbe vermag, durch ihren textilen Charakter eine warme und geschlossene Raumwirkung zu schaffen. Zugleich soll dadurch eine Beschädigung der Wände bei Entfernung eingeschlagener Nägel vermieden werden. Die kleineren Textilien wurden ausnahmslos unter Cellon gehängt, das mit schwarzen, schmalen Leisten eingefaßt wurde. Auf diese Weise wurden die textilen Gegenstände an den Wänden geschützt und zugleich in ihrem künstlerischen Charakter fixiert. Die Aufhängung und Aufstellung an Wänden und in Vitrinen wurde unter Berücksichtigung aller eventuell erforderlich werdenden Umgruppierungen vorgenommen. Die kultische Bedingtheit der Museumsobjekte schrieb die Abfolge der Aufreihung. vor. In einem Räume wurden die zum synagogalen Gebrauch erforderlichen und aus synagogaler Uebung erhaltenen Stücke angeordnet: Thoraschrein, Almemor, Vorhänge, Mäntelchen, Leuchter und Kerzenhalter, aber auch eine Besehneidungsbank und alle mit der Beschneidung in Zusammenhang stehenden Kleinkunstwerke, wie Kinderkleidchen, Kissen, Messer, Amulette sind Privatkontor der letzten Inhaber des Bankhauses, Freiherren Wilhelm und Mayer Carl von Rothschild hier zu. sehen. In den folgenden Räumen sind in Tisch- und Stehvitrinen die Bücher, Handschriften, Textilien, Metalle, kurz alles in der Abfolge des jüdischen Festjahres eingeordnet, was jüdischer Gebrauch erforderte und was, häufig, jüdische Meisterhand erschuf. Sederschüsseln, -kissen und -handtüeher, Omertabellen, Sukkotblätter, Etrogbüchsen, Scholar in verschiedensten Formungen und mit unterschiedlichen Ornamentierungen, Megillot - Handschriften, Menoras und „Trender", die charakteristischsten frühen Haggadot, Hochzeitsbriefe und -ringe, aber auch Mesusot und Tefilin sind hier in drei aufeinanderfolgenden Räumen untergebracht. Dabei wurde die historische Reihenfolge der Entstehungszeit nach Möglichkeit berücksichtigt, so daß also der ältere Druck vor dem späteren, die frühe Besamimbüchse vor der jüngeren rangiert. Die kulturhistorische Abteilung geht von der Geschichte der deutschen Juden aus (Kaiserprivilegien), zeigt für die Geschichte der Frankfurter Juden besonders wichtige Dokumente und leitet über zu den Rothschildschen Adelsdiplomen und Autogrammen, die mit einer größeren Anzahl Rothschildscher Kuriosa und Seltenheiten den Auftakt geben zu dem nun folgenden R o t h s c h i 1 d m u s e u m. Hier ist es gelungen, d i e Stimmung der Räume auszulösen, die sie vor etwa hundert Jahren bewirkt haben mögen. Es gelang, nach alten Druckstöcken zwei einstmals für die Rothschilds entworfene, aber nie zur Ausführung gebrachte Tapeten herzustellen, die nun die farbige Haltung der Rothschildräume bestimmen.. Die Holzverkleidungen und die Vorhänge wurden mit diesen Tapetenfarben in Harmonie gebracht. Der runde Salon hatte unter dem beschädigten Linoleum einen gedruckten Leinenteppich und ein prachtvoll gemustertes Parkett konserviert: sie verleihen nun diesem Räume, dessen grüne Farbigkeit in bestem Einklang mit den dort aufgehängten Bildnisse der Mutter Gudula und ihrer fünf berühmten Söhne steht, die -Note gepflegter Bürgerlichkeit, die wir als historisch zuverlässig erachten dürfen. Die Einlösung einer tief empfundenen Verpflichtung der Dankbarkeit bedeutet es, wenn das Bibliothek«- und Studierzimmer des Museums „Julius G o 1 d s c h m i d t - Z i m m e r" heißt. Es soll die Erinnerung an den gütigen Freund und Förderer des Museums wachhalten, das sich nicht nur durch viele Jahre seines Rates und seiner Arbeit erfreuen durfte, sondern das nun auch noch seine Bibliothek sein Eigen nennen und ibergeh darf. Wenn es während der letzten Wochen der Einrichtungsarbeiten manchmal wie eine Flucht aus der Wirklichkeit erschien, die Tätigkeit der Museumsausgestaltung fortzuführen, so sind nun, nach Abschluß der Arbeiten, auch die letzten Zweifel gewichen, ob es in unseren Tagen berechtigt sei, das Museum wieder zugänglich zu machen. Eine Sammlung von Zeugnissen jüdischer Geschichte, jüdischen Glaubens und jüdischen Lebens muß, wenn überhaupt irgendwann, so in unseren Tagen einen positiven, ja fast einen produktiven Sinn haben. In der Zeit der Rückbesinnung auf unsere Leistung und unsere Stellung im Ablauf der GeschichT.e muß aus der Erfassung der hohen Werte, die hier nun sprechen sollen, Haltung und Bereicherung erwachsen. Wenn darüber hinaus die Freude am Schönen sich noch einstellen mag, darf die Absicht der edlen Stifterin und die der: Gemeinde als erfüllt betrachtet werden. (Aufnahmen v. Hanna Mandello) \